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Ein Mensch ohne Stütze und ein unerschütterlicher, ausgeglichener Geist in der Lehre von Linji

20.06.2026
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Ein Mensch ohne Stütze und ein unerschütterlicher, ausgeglichener Geist in der Lehre von Linji

Kommentar zum Text „Aufzeichnungen der Gespräche des Chan-Meisters Linji“

„Wenn ihr die Freiheit von Dualismus, von Tod und Geburt erlangen wollt, wenn es möglich sein wird, frei zu gehen oder zu bleiben, die Gewänder des Lebens abzulegen oder anzulegen, dann müsst ihr jetzt sogleich den Menschen erkennen, der meinem Dharma lauscht, der keine äußeren Formen oder Merkmale, keine Wurzeln oder Ursprünge hat, keine Zuflucht und keinen Aufenthaltsort. Doch er, voller Leben und sichtbar, ist im Wasser klar zu sehen, selbst wenn er auf den Grund geht.“

Was bedeutet es, Freiheit von Dualität, von Tod-Geburt zu erlangen und diesen Menschen zu erkennen, der dem Dharma lauscht?

Dieser Mensch hat keine konkreten Eigenschaften. Doch dieser Mensch ist jenes Bewusstsein, aus dem alles hervorgeht. Jetzt, da ihr dem Dharma lauscht, strahlt dieser Mensch, der keine Eigenschaften hat, in diesem Augenblick in euch in seiner ganzen Fülle heller als euer Geist, eure Intuition und eure Sinnesorgane. Gerade dank seines Strahlens könnt ihr hören, denken und wahrnehmen. Eure menschliche Wahrnehmung ist eine Folge dieses Strahlens, das heißt, sie ist sekundär.

Weiter sagt Linji:

„Alle seine zahllosen Erscheinungen und Funktionen sind nur Leerheit; daher entgleitet er euch, wenn ihr versucht, ihn zu ergreifen, und je eifriger ihr ihn sucht, desto weiter läuft er vor euch davon. Deshalb nennt man ihn geheimnisvoll und unergründlich.“

Zum Beispiel hegen viele die Vorstellung, dass er durch Mauna erreicht werde. Andere hegen die Vorstellung, dass er in einem Retreat erreicht werde. Wieder andere hegen die Vorstellung, als könnten eine bestimmte Diät oder bestimmte Übungen ihm helfen. Doch all dies sind falsche Ansichten, die aus Verblendung hervorgehen.

Natürlich helfen all diese Dinge in relativem Sinne, und manchmal ist es nützlich, sich an sie zu halten. Doch sie beginnen zu falschen Ansichten zu werden, wenn man aus ihnen einen Fetisch macht, das heißt, wenn sie sich nicht selbst befreien, wenn der Geist versucht, aus diesen Ansichten irgendeine Stütze für sich zu errichten, indem er sie als etwas Absolutes anerkennt.

Wenn wir von der absoluten Wahrheit sprechen, dürfen wir solche falschen Ansichten nicht aufbauen. Wenn wir von der relativen Wahrheit sprechen, müssen wir die relativen Methoden achten, nach denen wir praktizieren. Doch das Relative und das Absolute müssen getrennt werden: Wir dürfen das Relative nicht auf das Absolute projizieren, wir dürfen das Bedingte nicht mit Hilfe des Absoluten zerschlagen, wissend, wo und wann sie anzuwenden sind.

Wenn wir das Relative verherrlichen, sind wir Eternalisten. Wenn wir bei der Erhebung des Absoluten und der Verneinung des Bedingten in ein Extrem verfallen, sind wir Nihilisten. Der mittlere Weg aber besteht darin, in keines der Extreme zu verfallen und die absolute und die relative Wahrheit flexibel miteinander zu verbinden.

Befreiung vom falschen „Ich“

Weiter sagt Linji:

„Die den Weg Studierenden! Gebt euch nicht der Gewalt eures Freundes hin, der nur Traum und Trugbild ist.“

Was ist das für ein Freund? Jeder hat diesen Freund, und er heißt das falsche „Ich“. Wenn wir unbewusst sind, geben wir uns seiner Macht hin. Doch dieser Freund besitzt schlechte Gewohnheiten. Er hat die Tendenz, das Bewusstsein zu verdunkeln, wenn man sich eng mit ihm verbindet, daher sollte man sich ihm gegenüber besser streng verhalten.

Das falsche Ich als zweifelhafter Freund, von dem der Praktizierende bewussten Abstand hält

Warum ist dieser Freund Traum und Trugbild? Weil wir nur an unser „Ich“ als an etwas wirklich Existierendes denken. In Wirklichkeit gleicht er einem Haufen Gedanken, die sich zusammengefunden haben und begonnen haben, sich für ein eigenes Wesen zu halten.

Wenn ihr Erwachen suchen wollt, müsst ihr euch von allen Ideen befreien, die dieser Freund euch anbietet, und aufhören, sie für etwas Wirkliches zu halten. Alles, was dieser Freund auch anbietet, wird Verblendung sein.

Zum Beispiel, als ich auf der Krim Vorträge hielt, kamen viele Anfänger unter den Laien zu mir, stellten Fragen und legten ihre vielfältigen Konzepte dar, relative oder bedingte. Ich fragte sie:

— Glaubt ihr das wirklich?

Sie antworteten:

— Nun ja.

Ich sagte:

— Dann bereut lieber.

Warum sagte ich ihnen das? Weil alles, was wir meinen, die Folge dieses falschen Freundes ist, der nur Traum und Trugbild ist.

Die Suche nach dem wahren Lehrer und die Überwindung der Unbeständigkeit

Linji sagt:

„Früher oder später wird er unweigerlich seine Unbeständigkeit zeigen und zum unvermeidlichen Tod führen. Welche anderen Mittel der Rettung sucht ihr also in dieser Welt? Doch in jedem Fall müsst ihr beharrlich nach einem guten Freund und Lehrer suchen, der über die notwendigen Kenntnisse verfügt. Man darf nicht müßig die Freuden des Lebens genießen und die kostbare Zeit vergeblich verschwenden, denn alles ist vergänglich und verderblich und führt daher unausweichlich zum Tod. Doch ihr könnt diesem traurigen Schicksal nicht entgehen, da eure Gedanken wandelbar, instabil und unbeständig sind; deshalb seid ihr auf der physischen Ebene von den vier Elementen abhängig — Erde, Wasser, Feuer und Wind —, und auf der geistigen Ebene seid ihr in die Grenzen der vier Zustände eingeschlossen — Geburt, Sein, Werden und Zerstörung.“

Wenn ihr euch auf diesen falschen Freund stützt, seid ihr in Wirklichkeit von den fünf Elementen und den vier Zuständen ergriffen. Und ihr könnt nichts dagegen tun, weil ihr einfach ein Spielzeug seid.

Wie lässt man sich von diesem falschen Freund nicht ergreifen? Man sollte das Schwert der unterscheidenden Weisheit ergreifen und das Licht der Klarheit hervorbringen, das erbarmungslos alle Regungen dieses falschen Freundes und all seine Ansprüche auf Macht über euch abschneidet. Man muss all seine Ansprüche erbarmungslos abschneiden, indem man immer wieder das Licht solcher Klarheit enthüllt. Und diese Ansprüche zeigen sich vor allem in Form grober Begierden. Doch diejenigen, die nicht in der Lage sind, grobe Begierden zu kontrollieren, können nicht einmal von Befreiung träumen. Solchen sagt man gewöhnlich: „Denk nicht einmal daran. Nähere dich nicht einmal dem heiligen Dharma.“ Die Kontrolle weltlicher Begierden ist das Erste, was ein Yogi meistern muss.

Losgelöstheit und das Licht der Klarheit

Ob ihr es wollt oder nicht, das Licht der Klarheit wird nicht erwachen, solange bei euch nicht eine Losgelöstheit entsteht, die der Losgelöstheit eines Vira-Yogis gleicht. Natürlich solltet ihr euch nicht mit kochendem Wasser übergießen, euren Körper verstümmeln oder irgendetwas dergleichen tun. Hier ist von innerer Losgelöstheit die Rede. Und wenn bei euch innere Losgelöstheit von allen Begierden entsteht, dann ist dies das erste Zeichen dafür, dass ihr das Licht der Klarheit hervorgebracht habt und euch nicht mehr dem Diktat eures Körpers unterwerft.

Die Ideen des Tantra sind sehr tiefgründig, doch sie alle beruhen auf Losgelöstheit, auf Freiheit von weltlichen Begierden. Wenn ihr dieses Prinzip jedoch nicht verstanden habt, wenn euer Herz bis heute bald von Eifersucht, bald von Anhaftung, bald von Wollust, bald von Verlangen ergriffen wird, wird eure spirituelle Praxis niemals von Erfolg gekrönt sein. Nur derjenige, der große Losgelöstheit von allen Begierden erlangt hat, darf sich überhaupt einen Menschen des Weges nennen, ganz zu schweigen von irgendwelchen transzendenten Praktiken. Jene Menschen, die sich Praktizierende des Tantra nennen, aber das Prinzip der Losgelöstheit von Begierden nicht verstanden haben, können nicht auf das Erreichen der Befreiung hoffen.

Nachdem die Kontrolle über die Begierden erlangt wurde, richtet ihr eure Aufmerksamkeit auf das Licht der Klarheit, das in eurem Bewusstsein vom frühen Morgen bis zum Moment des Einschlafens ununterbrochen leuchten soll. Wenn ihr das Licht der Klarheit vergesst, indem ihr in gewohnte Beziehungen verfallt, Ablenkungen zulasst, euch vom konzeptuellen Strom dualistischer Gedanken mitreißen lasst und euch erlaubt, Pläne zu schmieden, die Träumen gleichen, dann könnt auch ihr nicht auf Erwachen hoffen, selbst wenn es euch gelungen ist, Losgelöstheit zu erlangen. Denn Losgelöstheit ist noch nicht alles. Losgelöstheit an sich ist lediglich ein Mittel, um das Licht der Klarheit eures Bewusstseins hervorzubringen und freizusetzen. Erst wenn ihr ein tiefes Licht der Klarheit hervorbringt und es ununterbrochen aufrechterhaltet, beginnt es, euch seine Geheimnisse zu offenbaren.

Wenn ihr das Licht der Klarheit entdeckt, lasst ihr in eurer Seele alle Wege dieser Welt hinter euch. Dann wird es euch wirklich gleichgültig, ob ihr Freunde habt oder nicht, ob jemand neben euch im Dharma gefallen ist oder im Gegenteil etwas erreicht hat, ob man über euch Schmähung oder Lob ausspricht, ob draußen gutes Wetter ist oder nicht besonders. All dies verliert für euch seine Bedeutung, weil für euch das Wichtigste das Aufrechterhalten des Lichts der Klarheit ist. Ihr versteht, dass derjenige, der das Licht der Klarheit aufrechterhält, befreit wird, während derjenige, der es nicht aufrechterhält, in die Hände der Diener Yamas gerät und entsprechend seinem Verdienst wiedergeboren wird.

Viele beginnende Novizen verstehen das nicht. Immer wieder erlauben sie sich, zu träumen und die Träume des Verstandes zu sehen: sorglos zu sein, Gruppierungen zu bilden, untereinander wie Menschen befreundet zu sein, unreine Ansichten zu haben, ältere Mönche zu besprechen, deren Niveau so hoch ist, dass sie großes Glück hätten, wenn sie es in ihrem ganzen Leben erreichen würden. All dies sind verschiedene falsche Ansichten, die aus einem Mangel an Klarheit entstehen und die man auf jede Weise vermeiden sollte. Doch ein erfahrener Mensch des Dharma gleicht einem Krieger, der in den Krieg zieht, all seine Anhaftungen vergessen hat und ein furchtloses Herz besitzt, dem nichts mehr bleibt außer seiner Pflicht. Der Unterschied zwischen einem erfahrenen Praktizierenden und einem Praktizierenden, der das Licht der Klarheit nicht gekostet hat, ist gewaltig.

Ein erfahrener Dharma-Praktizierender geht klar und furchtlos und lässt die Träume der Anfänger hinter sich

Losgelöstheit und das Licht der Klarheit zu erlangen bedeutet nicht, aufzuhören zu essen, zu schlafen, zu sprechen oder irgendetwas zu tun. Es bedeutet lediglich, ein anderes Bewusstsein zu haben und im Nicht-Handeln zu verweilen, während man all dies tut. Das ist eine grundlegend andere Ebene der Wahrnehmung von Handlungen und der Sicht auf alles.

Ein Heiliger sagte zu seinen Laienschülern: „Das, was ihr über mich denkt, ist ganz und gar nicht so. Sogar zur Toilette gehe ich anders“.

Ein anderer Meister sagte: „Wenn ich schlafen will, schlafe ich; wenn ich essen will, esse ich“. Man fragte ihn: „Worin unterscheidet Ihr Euch dann von anderen? Andere tun doch dasselbe“. Er sagte: „Ganz und gar nicht. Wenn sie dasselbe täten, wären sie Buddhas“.

Das bedeutet, dass alle Handlungen der Heiligen aus dem Zustand des Nicht-Handelns heraus vollzogen werden, aus dem großen Raum der allumfassenden Grundlage, die niemals verloren geht. Daher gibt es für sie keinen Unterschied, ob sie eine Handlung vollziehen oder nicht; es gibt einen einzigen „Geschmack“. Dennoch werden Handlungen vollzogen, weil dies das Prarabdha-Karma ist, dem erlaubt wird zu wirken.

Überwindung der Macht der vier Elemente

Linji sagt:

„Die den Weg Studierenden! Ihr müsst jetzt sofort die Leerheit und Illusionshaftigkeit dieser vier Elemente und Zustände erkennen, dann werden sie euch nicht länger bedrücken“.

Frage: Was ist der Zustand der Illusionshaftigkeit der vier Elemente?

Linji antwortete:

„Sobald in eurem Bewusstsein ein Gedanke des Zweifels entsteht, wird die Erde für euch zu einem Hindernis. Sobald in eurem Bewusstsein ein Gedanke der Begierde entsteht, beginnt das Wasser, euch zu durchnässen. Sobald in eurem Bewusstsein ein zorniger Gedanke entsteht, verbrennt euch das Feuer. Sobald in eurem Bewusstsein ein freudiger Gedanke entsteht, beginnt der Wind, auf euch zu blasen“.

Die äußeren Elemente sind eine Folge der Schwankungen unseres Bewusstseins. Wenn unser Bewusstsein schwankt, weichen die Pranas vom Zentralkanal ab, und dann werden die äußeren Elemente fest, während das Bewusstsein dualistisch wird. Wenn das Bewusstsein nicht schwankt, tritt das Prana im Gegenteil in den Zentralkanal ein, und dann unterwerfen sich auch die äußeren Elemente.

Natürlich empfindet ein gewöhnlicher Mensch die Elemente als etwas Äußeres. Und wie empfindet ein Yogi, der in die Präsenz eingetaucht ist, die Elemente? Er empfindet die Erde als eins mit seinem Körper, weil es bei ihm auf der Ebene des Muladhara einen Raum nichtdualer Präsenz gibt, der mit der Erde vermischt ist. Er empfindet das Wasser als untrennbar von den Flüssigkeiten seines Körpers. Und bei ihm gibt es auf der Ebene des Svadhisthana-Chakras eine nichtduale Präsenz, die mit dem universellen Element Wasser vermischt ist. Manchmal kann er das Samadhi der Erde verstärken, manchmal das des Wassers; dann unterwirft sich ihm das Element und hört auf, auf die gewöhnliche Weise auf ihn einzuwirken.

Der Yogi erlebt die Elemente Erde und Wasser als ein einheitliches Feld der Präsenz

Dies geschieht, wenn sich die natürliche Präsenz mit der Energie in den Chakras vermischt. Und dann hören die Kleshas, Zorn, Begierde und Anhaftung auf, den Spiegel des Geistes zu färben; sie unterwerfen sich ihm und treten in den Zentralkanal ein, wobei sie zu Pranas der Weisheit werden. Entsprechend unterwerfen sich auch die Elemente.

Linji sagt:

„Wenn ihr dies erfassen könnt, dann werden die äußeren Umstände euch nicht mehr beherrschen können. Und in welcher Situation ihr euch auch befindet, immer und überall werdet ihr selbst die Situation nutzen und sie beherrschen, weil ihr verstehen werdet, dass diese vier großen Elemente einem Traum und einer Fata Morgana gleichen“.

Wasser, Erde, Feuer und Wind existieren nicht an sich. Die Erde entspringt dem Geruch, das Wasser dem Geschmack, das Feuer dem Sehen und der Wind der Berührung. Wenn diese Sinne selbstbefreit sind, dann sind auch die Elemente selbstbefreit. Zum Beispiel kann die Erde als unendliches Prana des Muladhara-Chakras empfunden werden, das in den Raum hinausgeht und eins mit eurem Körper ist. Doch nun ist dieses Prana nicht äußerlich, sondern es tritt aus eurem Körper hervor. Und je tiefer ihr in Sahaja-Samadhi eintaucht und euch mit dem Element Erde integriert, desto mehr könnt ihr euren Zentralkanal mit diesem Prana sättigen und es allmählich unter Kontrolle bringen.

Wenn ihr viel von diesem Prana habt, könnt ihr sogar lokale Erdbeben hervorrufen. Als ich zum Beispiel im Retreat Kundalini-Yoga praktizierte, bebte der Boden unter mir ständig. Als ich Chandali praktizierte, knackten die Wände fortwährend. Und nach guten Praktiken platzten überall, wohin ich auch ging, die Glühbirnen. Immer wenn ich wollte, war heißes Wetter und die Sonne schien hell, obwohl ich eine Zeit lang jenseits des Polarkreises praktizierte.

Wenn euer Wind die Elemente beeinflusst, zeigt sich das stets sehr deutlich. Wenn euer Geist einspitzig ist, kann er mit großer Kraft auf die Elemente einwirken, weil er von ihnen nicht getrennt ist. Ihr seht die Gottheiten der Elemente, und sie beginnen, sich euch zu unterwerfen, weil diese Gottheiten eure eigenen feinstofflichen Energien sind.

Freiheit von den Elementen und das Erlangen von Vertrauen in sich selbst

„Ihr, die ihr den Weg studiert! Derjenige von euch, der jetzt meine Dharma hört, ist nicht eure vier Grundelemente, kann diese vier Elemente jedoch leicht und frei gebrauchen. Wenn ihr dies verstehen könnt, werdet ihr die vollkommene Freiheit erlangen, zu gehen oder zu bleiben.“

Das Bewusstsein im Inneren, das jetzt diesen Vortrag hört, ist frei von den Elementen, es hängt nicht von ihnen ab, obwohl es scheint, als würden sie es binden.

Linji sagt:

„Ich, der Bergmönch, bin der Ansicht, dass man nichts lieben oder hassen soll.“

Der Meister wandte sich an die Versammlung und sagte:

„Ihr heutigen Adepten, die ihr den Weg studiert, müsst Vertrauen in euch selbst haben. Sucht nichts außerhalb von euch! Wenn ihr, ohne euch selbst zu vertrauen, etwas außerhalb von euch sucht und euch auf äußere Umstände stützt, werdet ihr euch niemals von der Anhaftung an weltliche Leidenschaften und von der Abhängigkeit von objektiven Bedingungen befreien können, niemals werdet ihr das Wahre und das Falsche erkennen können.“

Sich auf das Bewusstsein zu stützen, nicht außerhalb von sich selbst zu suchen — das bedeutet, die Gegenwart der Bewusstheit ständig aufrechtzuerhalten und sie zur Dominante zu machen. Wenn ihr die Gegenwart der Bewusstheit nicht zur Dominante gemacht habt, dann schaut ihr immer nach außen. Und wenn ihr nach außen schaut, seht ihr den Guru nicht, denn der Guru ist das Prinzip der Bewusstheit. Ihr schaut auf Freunde, darauf, in welcher Stimmung sie sind, und geratet in Beziehungen zu ihnen. Ihr schaut auf viele oberflächliche Dinge und vergesst euer wahres Wesen.

Der Praktizierende stützt sich auf die innere Bewusstheit statt auf äußere Stimmungen und Stützen

Die wahre Guru-Yoga beginnt, wenn ihr diesen Raum des inneren Bewusstseins entdeckt und beginnt, das Wesen der Nichtdualität des eigenen Bewusstseins, des Bewusstseins des Gurus und des Bewusstseins von allem zu verstehen.

Die Gefahren der Anhaftung und das Wirken der Maras

Vor allem sollten Mönche persönliche Beziehungen vermeiden, die auf Anhaftung, Neid oder Rivalität beruhen. Die schlimmste davon ist die Anhaftung. Anhaftung ist Mara, sie ist der wahre Teufel, der Mönche zugrunde richtet. Tatsächlich gibt es viele Maras, und sie haben ihre eigenen Arten des Dienstes. Es gibt Maras, die sich auf die Versuchung von Mönchen spezialisiert haben. Das ist keine Anekdote, es ist tatsächlich so. Es gibt eine Vielzahl nichtphysischer Wesen. Und unter ihnen gibt es solche, die sich von der Energie lebender Wesen ernähren. Sie sind gezwungen, den Menschen Krankheiten oder niedere Leidenschaften einzugeben. Und diese nichtphysischen Wesen werden genährt und zufriedengestellt, wenn Menschen das Windelement oder das Feuerelement hervorbringen, indem sie Leidenschaften oder Krankheiten erleben. Es gibt ganze Clans von Maras, die nichts anderes tun, als schwache Wesen unter den Menschen zu suchen und ihnen all dies einzugeben. Wenn Menschen auf Anstiftung der Maras etwas Schlechtes, Falsches tun, unreine Elemente von Wind und Feuer hervorbringen, ernähren sie sich davon. Es wird angenommen, dass die Elemente von Wind und Feuer der Praktizierenden für solche Maras am nahrhaftesten sind, daher ist es für sie eine sehr attraktive Angelegenheit, einen Mönch zu versuchen.

Wenn ein Mönch in Anhaftung verfällt, dann ist genau das das Wirken eines solchen Mara, wie auch immer er es nennen mag. Deshalb sollte man vor allem in Bezug auf Anhaftungen wachsam sein.

Die Schau der wahren Natur

Linji sagt:

„Was mich selbst betrifft, so sehe ich, wer auch immer mit einer Frage zu mir kommt, ob er Mönch oder Laie ist, all seine Gedanken völlig durchschaubar und erkenne sofort, womit er gekommen ist, sobald er nur den Mund öffnet. Woher er auch gekommen sein mag, mit welchen Absichten er auch hierher gekommen sein mag — all dies verwandelt sich in Traum und Trugbild, sobald er beginnt, Worte und Bezeichnungen auszusprechen. Denn der verborgene Sinn der Lehre aller Buddhas liegt nicht in Worten und Namen, sondern darin, den Menschen zu schauen, der der Herr der Lage ist.“

Linji sagt, dass er erkennt, wer auch immer zu ihm kommt. Warum kann er das tun? Weil er den Menschen nicht sieht, wenn der Mensch zu ihm kommt. Er sieht sofort das Absolute, das in diesem Menschen wirkt. Der menschliche Teil ist ein sehr kleiner Teil des Absoluten, deshalb begegnen alle Meister sowohl ihrem eigenen menschlichen Teil als auch dem menschlichen Teil anderer Menschen mit großem Humor. Das Bewusstsein des Meisters ist stets auf den grenzenlosen Teil ausgerichtet, deshalb versucht er auch das Bewusstsein des Schülers vom menschlichen Teil auf den grenzenlosen Teil umzulenken. Es spielt keine Rolle, auf welche Weise er das tut. Wenn der Schüler zum Beispiel aus dem menschlichen Teil heraus handelt, kann der Meister ihm auf jede Weise und aus jedem Anlass widersprechen, nur um ihn auf den grenzenlosen Teil umzulenken. Und wenn dies verstanden ist, hört er auf zu widersprechen, weil sein Ziel erreicht ist.

Der Meister sieht im Schüler nicht die Persönlichkeit, sondern das Wirken des Absoluten

Der Mensch des Weges ohne Stütze

„Indem man die Lage beherrscht und die objektive Situation steuert, erscheint dieser Mensch des Weges, der keinerlei Stütze hat.“

Wenn Sie in sich diesen Menschen des Weges entdeckt haben, der keine Stütze hat, beherrschen Sie jede Situation. Was bedeutet — beherrschen? Sie verwandeln sie in ein reines Land, machen sie zu einem Mandala, und Sie selbst thronen als zentrale Gottheit in diesem Mandala. Das bedeutet, dass die Situation harmonisch in Ihr Bewusstsein eingegliedert ist, und Sie thronen in ihrem Mittelpunkt. Die Situation steht vollständig unter Ihrer Kontrolle, und in ihr ist alles harmonisch.

Warum geschieht das? Weil Sie der Situation aus dem Zustand des Zentrums heraus begegnen. Wenn Sie dies tun, verweilen Sie in einem Zustand höchster Findigkeit ohne Anhaftung, und deshalb sind Sie in dieser Situation die Dominante. Das bedeutet nicht, dass Sie sich auf diese Weise selbst ausdrücken oder Ihr Ego ergötzen; vielmehr wird diese Situation rein, vollkommen harmonisch, günstig für Sie, weil Sie ihre zentrale Gottheit sind.

Wenn es jedoch nicht gelingt, die Situation in eine günstige Richtung zu wenden und sie zu einem Mandala zu machen, bedeutet das nur eines: Es ist Ihnen nicht gelungen, diesen Menschen zu finden, der keine Stütze hat, und in dieser Situation zur zentralen Gottheit zu werden. Im besten Fall sind Sie eine Gottheit der Peripherie. Und im schlimmsten Fall ein ungezähmter Dämon, der in Bezug auf diese Situation nicht in das Mandala integriert ist. Dann gibt es Unzufriedenheit, dann kämpfen Sie gegen die Situation oder fügen sich ihr einfach passiv ohne Verständnis. Doch sobald Sie diesen Menschen entdecken, der keine Stütze hat, zeigt Ihnen die Situation ihre heilige Seite. Es spielt keine Rolle, um welche Situation es sich handelt: das Zubereiten von Prasad in der Küche, das Leiten anderer, gemeinsame Übungen und so weiter. Wenn Sie sich in diesem Zustand befinden, dann wird sich die Situation, wo auch immer Sie sind, in reiner Sicht offenbaren, vollkommen günstig für Sie. Und umgekehrt.

Eine gewöhnliche Situation offenbart sich als Mandala der reinen Sicht

Linji sagt:

„Der Zustand kann sich beliebig verändern, in zahllosen Wandlungen erscheinen, doch dieser Mensch, der keine Stütze hat, bleibt stets unverändert und beherrscht die Situation. Daher heißt es auch: ‚Sich in den Dingen spiegelnd, offenbart er seine Form wie der Mond im Wasser.‘“

Wer diesen Menschen, der keine Stütze hat, in sich entdeckt hat, kann eine Vielzahl von Situationen lenken: Menschen, Autos, Computer, Klöster, Weltgemeinschaften. Demjenigen, bei dem dieser Mensch nicht entdeckt ist, fällt es schwer, selbst mit der eigenen Wohnung oder dem Geschirr zurechtzukommen. Die Frage ist: Bringen Sie das Prinzip der Bewusstheit in die Situation ein? Wenn Sie es einbringen, wird es niemals Disharmonie geben, denn dieser Mensch ohne Stütze wird Ihnen immer eingeben, wie Sie sich in jeder Situation makellos manifestieren können.

Das große Gefäß und der Herr der Lage

„Ihr, die ihr den Weg studiert! Wenn ihr eine solche Dharma beherrschen wollt, müsst ihr von nun an selbst zu großen Männern werden; wenn ihr jedoch Schwäche und Unentschlossenheit zeigt, wird euch nichts gelingen. Es wird einem undichten Gefäß gleichen, das flüssiges Öl nicht halten kann. Um einem großen Gefäß gleichzukommen, muss man lediglich nicht zulassen, dass die Zweifel anderer Menschen in einen eindringen.“

Dies sind sehr wichtige Worte — „Nicht zulassen, dass die Zweifel anderer Menschen in einen eindringen“. Wenn Sie den Zweifeln anderer erlauben, in Ihr Bewusstsein einzutreten, dann gleicht dies einem Darshan Maras.

Ein Yogi, der über eine tiefe Verwirklichung verfügt, hilft anderen in der Praxis. Wer diesen Menschen ohne Stütze nicht in sich entdeckt hat, ist ständig darauf eingestellt, von der Meinung anderer abhängig zu sein. Im schlimmsten Fall sind es Meinungen auf dem niedrigsten Niveau. Wenn es die Meinungen von Heiligen sind, ist das lobenswert. Doch die Meinung von Heiligen gewöhnt euch daran, euer eigenes Gewahrsein zu erlangen.

„Wenn ihr immer und überall, in jeder Situation, Herr der Lage seid, dann wird genau der Ort, an dem ihr euch befindet, die Wahrheit sein.“

Was bedeutet es, „Herr der Lage zu sein“? Wenn ihr denkt, dass dies bedeutet, zu versuchen, die Macht in die eigenen Hände zu nehmen, dann ist das natürlich ein Irrtum. Wenn man versucht, sich irgendwie mit großer Dreistigkeit hervorzutun und Herr der Lage zu werden, indem man andere unterdrückt, dann ist es nicht das.

Linji lenkt hier die Aufmerksamkeit auf einen subtilen Punkt: Herr der Lage zu sein, ausgehend vom Prinzip der Bewusstheit. Wenn ihr euch im Prinzip der Bewusstheit befindet, seid ihr immer Herr der Lage. Es spielt keine Rolle, ob ihr diese Situation vollständig oder teilweise kontrolliert oder ob ihr sie überhaupt loslasst, indem ihr die Autorität eines anderen annehmt — dennoch ist dieser tiefe Mensch ohne Stütze immer Herr jeder Lage. Er kann jede Lage annehmen, aber er ist immer Herr. Denn Herr zu sein ist sein Wesen, denn er ist in Wahrheit der Herr aller Dinge im Universum. Ein Sklave kann keine Erleuchtung erlangen, der Herr aber ist von Anfang an erleuchtet, er muss sie nicht einmal erlangen. Das Wesentliche besteht darin, den Sklaven loszuwerden und den Herrn zu erlangen. Der Sklave ist das falsche „Ich“.

Bewusstheit als Herr der Lage, und das falsche Ich verliert die Macht

Schutz vor äußeren Einflüssen

„Was auch immer von außen zu euch kommt, lasst nicht zu, dass irgendetwas auf euch einwirkt und von euch Besitz ergreift.“

Wenn Praktizierende Sadhana üben, werden sie manchmal übermäßig empfindlich. Das geschieht, weil sie viele Dinge in ihr Bewusstsein eindringen lassen.

Wenn euer Bewusstsein wachsam ist, werdet ihr nicht zulassen, dass irgendetwas davon Besitz ergreift und darauf einwirkt. Ihr werdet nur den Segnungen erlauben, euer Bewusstsein zu beeinflussen und es immer mehr zu erleuchten. Das ist nur möglich, wenn ihr ununterbrochen am inneren Zentrum festhaltet. Doch wenn ihr aufhört, am inneren Zentrum festzuhalten, ergreifen die Zweifel wieder Besitz von euch, und dann geratet ihr unter die Macht eurer eigenen Illusionen oder der Illusionen anderer Menschen.

Im Bewusstsein eines Heiligen ist es unmöglich, Zweifel hervorzurufen. Man kann ihn loben oder schmähen, aber Zweifel in seinem Bewusstsein hervorzurufen, ist unmöglich. Man kann ihn in den Abgrund der Hölle stürzen oder ihn umgekehrt bis in den Himmel erheben, doch er wird dies gleichmütig wahrnehmen. Bei jemandem aber, dessen Bewusstsein schwach ist, lässt sich sehr leicht Zweifel hervorrufen.

Die Gefahr der Zweifel

„Sobald in euch ein Gedanke des Zweifels entsteht, dringt Mara in euer Bewusstsein ein, so wie im Moment des Zweifels des Bodhisattva die Möglichkeit für das Wirken des Dämons von Geburt und Tod entsteht.“

Ein einziger kleiner Gedanke des Zweifels erschafft eine ganze neue Welt des Samsara. Zweifel gibt es beim Praktizierenden, selbst wenn er eine gewisse Achtsamkeit erreicht hat. Zweifel verschwinden erst, nachdem das falsche „Ich“ vollständig verschwunden ist; daher klärt der Yogi immer wieder den Dharma, wobei er sich endgültig von den feinsten Zweifeln befreit.

Feiner Zweifel entfaltet die Welt des Samsara und löst sich in der Klärung des Dharma auf

Bei demjenigen, der Stabilität erreicht hat und in der Sitzmeditation jenseits von Zweifeln verweilt, werden Zweifel auftauchen, wenn man ihn von der Sitzmeditation ablenkt oder ihm keine Möglichkeit gibt zu meditieren. Wenn ich so etwas sehe, versuche ich, den Schüler darauf hinzuweisen. Bei demjenigen, der keine Zweifel hat, während er die Kontemplation in der Bewegung aufrechterhält, werden Zweifel auftauchen, wenn er auf etwas stößt, das seine gewöhnliche Sicht übersteigt, oder auf eine große Energie. Wenn ich so etwas sehe, helfe ich dem Schüler, dies zu verstehen. Derjenige, der ein unerschütterliches Vajra-Bewusstsein besitzt, kann selbst dann, wenn er mit jeder beliebigen Situation und Energie konfrontiert wird, Zweifel im traumlosen Schlaf oder im Schlaf mit Träumen bekommen. Immer wieder muss der Yogi verschiedene erstarrte Zustände durchschneiden und zerstören und prüfen, ob bei ihm Zweifel auftauchen oder nicht, bis er ein unerschütterliches diamantenes Bewusstsein erlangt, in dem keinerlei Zweifel möglich sind.

Ich las den Bericht eines Mönchs einer anderen spirituellen Organisation von Yogis, in dem er über seine Eindrücke vom Dienen, vom Sich-selbst-Zurückstellen schrieb. Als sich alle Mönche in ein Retreat begaben, wurde ihm der Dienst übertragen, dieses Retreat zu gewährleisten. Und dieser Dienst war rund um die Uhr, ohne Schlaf. Es gab sehr viele Aufgaben, die erledigt werden mussten, und er war ganz allein. Und als er den zehnten Tag in diesem Modus erreicht hatte, schrieb er Folgendes: „Am zehnten Tag wurde es wirklich schwierig. Erst da verstand ich, was es bedeutet, sich selbst zurückzustellen. In mir wurde etwas zerstört, und etwas wurde geboren. Ich wurde zu einem völlig anderen Menschen.“ Ein solcher Dienst wurde ihm als persönliche Praxis zur Verwirklichung gegeben. Und während die anderen im Retreat Verwirklichung erlangten, verwirklichte er ein solches diamantenes Bewusstsein dank des unerschütterlichen Zurückstellens des „Ich“. Mit anderen Worten, er ließ selbst in einer so harten Situation keinen Zweifel entstehen. Und das ist nur dann möglich, wenn du eine ununterbrochene Meditation hast, eine ununterbrochene Aufrechterhaltung des natürlichen Zustands.

Ruhe der Gedanken und Nicht-Handeln

„Man muss nur seine Gedanken beruhigen, und dann werdet ihr nichts außerhalb von euch suchen, sondern ruhig und klar die äußeren Objekte widerspiegeln.“

Wenn eure Gedanken ruhig sind, sucht ihr nichts außerhalb von euch. Ihr seid vollkommen zufrieden, ihr wisst, dass außerhalb von euch zu suchen eine große Illusion, ein Irrtum ist. Auf euren Geist kann man keinen Einfluss nehmen. Und wenn eure Gedanken in einem verworrenen Strom fließen, sucht ihr etwas außerhalb von euch, versucht, einen Halt zu finden, daher lässt sich euer Geist leicht verwirren.

Wenn eure Gedanken ruhig sind, spiegelt ihr die äußere Situation klar wider und könnt die kompliziertesten Dinge entwirren. Euer Geist ist wie ein reiner Spiegel. Ihr wisst nicht nur, wie man Hühner füttert, sondern auch viele andere Dinge: wie man plant, wie man verwaltet, wie man erschafft. Ihr könnt all dies sehr leicht tun, nicht nur im Maßstab einer kleinen Gruppe, sondern auch in gewaltigen Maßstäben, bis hin zum Maßstab des Universums. Warum ist das möglich? Weil euer Geist klar ist, weil persönliche Probleme euch nicht mehr berühren. Ihr könnt euren Geist auf die Probleme der Menschheit, des Universums, einer großen Gruppe von Menschen konzentrieren und euch darum kümmern, wie ihr ihnen Nutzen bringen könnt. Oder ihr könnt den Geist auf irgendwelche subtilen globalen Dinge, Projekte konzentrieren. All das geschieht sehr leicht. Wenn der Geist jedoch unklar ist, ist es unmöglich, dies zu tun. Selbst eine einfache Sache wird bei euch Verwirrung hervorrufen, da ihr die Situation nicht angemessen widerspiegeln könnt.

Ein klarer Geist ist wie ein reiner Spiegel und entwirrt schwierige Situationen

„Man braucht sich nur dem anzuvertrauen, der jetzt in euch wirkt, und sofort wird es keine einzige Angelegenheit mehr geben.“

Dies ist ein sehr wichtiger Satz. Man braucht nur dem tiefen Gewahrsein in euch zu vertrauen, und dann wird es im Universum keine einzige Angelegenheit geben, die ihr vollbringen müsstet. Das bedeutet, dass ihr durch das Tor des Nicht-Handelns eintreten werdet. Durch das Tor des Nicht-Handelns einzutreten bedeutet nicht, jegliche Handlungen aufzugeben, denn ihr werdet sie ohnehin ausführen. Ihr werdet die Hände heben, die Füße versetzen, die Kiefer bewegen, euer Herz wird wirken. Ihr werdet Handlungen nicht vermeiden können. Solange ihr die Energie des Körpers habt, werden Handlungen vollzogen werden.

In das Nicht-Handeln einzutreten bedeutet, Anhaftung, Ziele, die Gebundenheit durch Hoffnung und Angst zu verlieren und aus dem Zustand des Nicht-Handelns zu handeln. Wenn ihr in das Nicht-Handeln eintretet, wird die Handlung gereinigt, wird rein. Wenn eine Handlung aus dem Nicht-Handeln heraus vollzogen wird, verwandelt sich die Welt in ein Mandala, in einen reinen Raum.

Dem Laien erscheinen gewöhnliche Handlungen und Handlungen aus dem Zustand des Nicht-Handelns gleich. Doch der Unterschied zwischen ihnen ist so groß wie der Unterschied zwischen Himmel und Erde. Eine Handlung aus dem Zustand des Nicht-Handelns ist mit der Höchsten Quelle wiedervereint und ist ihr Spiel. Nicht ein Mensch führt den Löffel zum Mund, sondern die Höchste Quelle selbst spielt, es wird dem Gott eine Darbringung von Nektar dargebracht. Im Fall einer gewöhnlichen Handlung hingegen isst der Mensch einfach, indem er Nahrung aktiv aufnimmt und anschließend verdaut.

Ein Meister sagte, wenn er essen wollte: „Das Sein dürstet in mir.“ Er sagte nicht: „Ich will essen.“ Er sagte: „Das Sein dürstet in mir.“ Das heißt, es war nicht sein egoistisches Verlangen. Sein Geist war vollständig mit dem Absoluten verschmolzen, und das Absolute offenbarte sich in seinem Körper auf diese Weise im Zustand des Nicht-Handelns.

Überhaupt verwendet Linji hier ziemlich scharfe Ausdrücke. Zum Beispiel nennt er die Mönche „kahlköpfige Narren“. Das ist seine Sandhya-Bhashya — eine besondere symbolische Sprache, die es ermöglicht, das Bewusstsein der Schlafenden zu erwecken. Er ist einer der radikalsten Lehrer, dessen Predigten dem Schwert Manjushris gleichen, das in jeder Unterweisung Tausende Dämonen der Dualität in den Geistern der Mönche zerschneidet.

Die vier Unermesslichen und ein gleichmütiger Geist

Wenn eure Liebe sich nur auf das erstreckt, was euch gefällt, dann ist ihr Wert gering, sie ist nicht unendlich. Aber das Unangenehme zu lieben — das ist bereits eine Errungenschaft.

Wenn eure Freude nur dann anhält, wenn die Bedingungen sie begünstigen, dann ist das weltliche Freude. Sich aber unter widersprüchlichen Bedingungen zu freuen, wenn man scheinbar leiden müsste, das ist wahre, unendliche Freude.

Wenn ihr die vier Unermesslichen vollständig erlangt, verwirklicht ihr das unzerstörbare diamantene Bewusstsein. Göttlichen Stolz hervorzubringen und die vier Unermesslichen zu hegen, ist ein und dasselbe.

In einer harmonischen Situation ausgeglichen zu sein, darin liegt kein großes Verdienst. Doch die Gleichheit einer Situation zu sehen, die versucht, dich zu destabilisieren, das ist die unendliche Gleichheit.

Von dem Moment an, da ihr ins Kloster gekommen seid, muss euer Geist immer ausgeglichen sein, ganz gleich was geschieht. Selbst wenn Erde und Himmel erschüttert werden, muss der Geist ausgeglichen bleiben. Beobachtet daher unaufhörlich den Geist.

Die vier Unermesslichen offenbaren das diamantene Bewusstsein und den unzerstörbaren ausgeglichenen Geist

Weder Götter noch Dämonen werden den verwirren, dessen Geist ausgeglichen ist. Nur indem sie einen ausgeglichenen Geist erlangten, erreichten alle Buddhas der Vergangenheit das Erwachen. Das ganze Unglück besteht darin, dass Lebewesen in irgendeine karmische Situation geraten, in der sie den Geist nicht ausgeglichen halten können, und dann zwingen die höherstehenden Geister sie dazu, im Bardo wiedergeboren zu werden. Denjenigen aber, der einen ausgeglichenen Geist hat, achten selbst Götter wie Brahma, Vishnu und Shiva wie Parabrahman selbst.

Ein unausgeglichener Geist ist ein Unglück, er ist ein Tor für Mara. Er ist eine Falle für den Praktizierenden. Ein ausgeglichener Geist gleicht einem Schwert, das alle Illusionen durchschneidet. Er gleicht einem kostbaren Diamanten, einem wahren Schatz, um den man jede Sekunde kämpfen muss. Wenn ihr nicht um einen ausgeglichenen Geist kämpft, befindet ihr euch nur formal im Kloster, denn im Kloster zu sein bedeutet, Tag und Nacht um einen ausgeglichenen Geist zu kämpfen.

Es gibt ein Sprichwort: „Wenn dein Geist ausgeglichen ist, verweilst du in natürlicher Präsenz.“ Weder Freude noch Kummer dürfen euer Herz treffen. Man sagt, dass ein wahrer Yogi einem Menschen gleichen muss, der nicht einmal mit der Wimper zuckt, selbst wenn Erde und Himmel die Plätze tauschen.

Wer von euch wird, wenn er in die Hölle gerät, nicht erzittern, und wenn er in den Himmel gelangt, nicht vor Freude jubeln und sich selbst vergessen? Nur derjenige, der ständig um einen ausgeglichenen Geist kämpft. Wenn ihr keinen ausgeglichenen Geist erlangt, ist es unmöglich, auf Befreiung aus dem Kreislauf von Geburt und Tod zu hoffen. Selbst in die reinen Länder zu gelangen ist schwierig.

Wenn ihr jedoch schon in jungen Jahren des Noviziats das Prinzip des ausgeglichenen Geistes versteht, werden euch alle Türen offenstehen, und selbst die Götter werden euch wetteifernd in ihre himmlischen Wohnstätten einladen, damit ihr sie den Dharma lehrt.

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