Kommentar zum Text „Unterweisungen des Gurus Padmasambhava“. Das Vermächtnis „Die kostbare Spitze“
Der Guru sprach:
Die Menschen denken nicht an den Tod. Das menschliche Leben gleicht einem Haufen Spreu oder einer Feder auf einem Bergpass. Der Dämon, der Herr des Todes, stürzt sich plötzlich auf sie wie eine Lawine oder ein Hurrikan. Die Kleshas gleichen Stroh, das jeden Augenblick Feuer fangen kann.
Das Leben eines menschlichen Wesens nimmt rasch ab, wie die Schatten bei Sonnenuntergang.
Alle Lebewesen der drei Welten umwinden sich mit der schwarzen Schlange des Zorns, die sie selbst hervorgebracht haben. Sie durchbohren sich mit den Hörnern des roten Stiers der Leidenschaft, den sie selbst hervorgebracht haben.
Sie verdunkeln sich selbst mit der undurchdringlichen Finsternis der Unwissenheit, die sie selbst hervorgebracht haben.
Sie schmieden sich selbst an den Felsen der Selbstzufriedenheit, den sie selbst hervorgebracht haben.
Sie werden von den Schakalen des Neides zerrissen, die sie selbst hervorgebracht haben. Die Menschen verstehen nicht, dass sie den fünf gefährlichen Schluchten der Kleshas entkommen können.
Doch dieses Leben vergeht in einem kurzen Augenblick, während Samsara endlos ist.
Was werdet ihr im nächsten Leben tun? Außerdem ist die Dauer dieses Lebens unbekannt. Der Mensch weiß nicht, wann der Tod eintreten wird. Und wie ein Verbrecher, der zur Hinrichtung geführt wird, nähert er sich mit jedem Schritt dem Tod. Alle Lebewesen sind nicht ewig und müssen sterben. Habt ihr etwa nicht von Menschen gehört, die bereits gestorben sind? Habt ihr etwa nicht gesehen, wie jemand aus eurer Verwandtschaft starb? Bemerkt ihr etwa nicht, wie das Alter näherkommt?
Und trotzdem vergesst ihr, statt den Dharma zu praktizieren, die vergangenen Leiden. Statt vor den zukünftigen Unglücken zurückzuschrecken, verschließt ihr die Augen vor den Leiden der niederen Welten.
Verfolgt von flüchtigen Umständen, gebunden durch die Fesseln dualistischer Vorstellungen, erschöpft vom Fluss der Wünsche, verstrickt in den Netzen des samsarischen Daseins, eingeklemmt im Griff des Karmas, klammert ihr euch weiterhin an Vergnügungen und bleibt sorglos, selbst wenn die Nachricht vom Dharma euch erreicht.
Kommt der Tod etwa nicht zu Menschen wie euch? Mir tun alle Lebewesen leid, die so denken.
Die Grundlage der Dharma-Praxis sind die vier Achtsamkeiten. Die vier Achtsamkeiten sind das, was den Geist untadelig und wachsam macht. Wenn man Vorträge zu diesen Themen hält, gefällt das vielen Menschen oft nicht besonders. Ich habe bemerkt, dass die Menschen am liebsten Vorträge über folgende Themen hören: Lilas, verrückte Weisheit, geheime tantrische Praktiken, göttlicher Stolz, Selbstbefreiung. Das erweitert ihr Bewusstsein. Während des Vortrags fühlen sie sich beinahe schon wie Brahman. Wenn man jedoch Vorträge über die Leiden des Samsara, Karma, die Höllen, die vier Achtsamkeiten und die Vergänglichkeit hält, ziehen sich ihre Geister zusammen und schrumpfen. Sie hören all das nicht gern.

Doch ob es euch gefällt oder nicht, es ist so. Der Tod existiert, die Höllen existieren, Samsara existiert, unabhängig davon, wie ihr dazu steht. Und solange ihr all das nicht geklärt und keinen Geist vollkommener Untadeligkeit hervorgebracht habt, könnt ihr nicht nur auf Befreiung, sondern nicht einmal auf eine höhere Wiedergeburt hoffen.
Genau ein solcher Geist muss in euch brennen. Und nur mit Schülern, die einen solchen Geist besitzen, werde ich über das Spiel, den göttlichen Stolz, die Lila, die verrückte Weisheit, tantrische Praktiken und alles Übrige sprechen. Denn wenn ein solcher Geist fehlt, wird all dies lediglich eine Art Schaustellerei sein.
Deshalb müssen wir unsere Sichtweise stets mit der Sichtweise der Heiligen vergleichen. Und die Heiligen bestehen auf einem solchen Geist grenzenlosen Glaubens, grenzenloser Entschlossenheit und grenzenloser Hingabe an den Dharma. Andernfalls wird uns der hohe Dharma der Götter und anderer Bewohner der Himmel vollständig in Illusion und Täuschung führen, uns verwirren, die Schärfe unseres Geistes zerstreuen und uns willenlos machen, sodass wir unseren Schwächen nachgeben. Das darf unter keinen Umständen zugelassen werden.
Nur grenzenlose Hingabe an den eigenen Weg und zur Kunst erhobene Meisterschaft im Dharma können retten.
Nichts wird euch an der Schwelle des Todes helfen, deshalb praktiziert den Dharma. Er ist euer bester Freund. Euer Guru und die Drei Kostbaren Juwelen sind die beste Umgebung. Nehmt deshalb von ganzem Herzen Zuflucht zu ihnen. Die Dharma-Praxis ist das Beste, was dem Zustand eures Geistes geschehen kann. Merkt euch, was ihr gehört habt, denn das Zuverlässigste ist der Dharma.
Welche Lehre Sie auch praktizieren, legen Sie Schläfrigkeit, Apathie und Faulheit ab. Legen Sie die Rüstung des Eifers an. Wenn Sie die Lehre verstanden haben, dann trennen Sie sie, wie auch immer sie beschaffen sein mag, nicht von ihrer Bedeutung.
Die Rüstung des Eifers und die Beständigkeit der Praxis
Die Rüstung des Eifers anzulegen bedeutet, nicht nur einen Tag, zwei Tage, einen Monat oder ein Jahr, sondern das ganze Leben lang, Tag für Tag, der Sadhana zu folgen, die vorgeschriebenen Übungen auszuführen und Verdienste anzusammeln. Das heißt, dasselbe auch dann zu praktizieren, wenn man schlafen oder essen möchte, wenn das Wetter Schwermut hervorruft, wenn man von Wünschen zerrissen wird, wenn man fröhlich ist, wenn man sich nach seinen Verwandten sehnt, wenn man sich im Gegenteil von allen abwenden möchte usw. Dharma bedeutet, in gleichmütigem Bewusstsein ohne Unterbrechungen Tag für Tag voranzugehen und all dies zu ignorieren. Und nur dann haben Sie die Chance, sich aus dem Kreislauf von Geburt und Tod zu befreien.

Daraufhin sagte Guru Padma:
Verfahrt so, wenn ihr den wahren Dharma praktizieren wollt. Bewahrt die mündliche Unterweisung eures Gurus im Gedächtnis.
Dharma ist sehr tiefgründig. Nur die anfänglichen Unterweisungen sind einfach. Je weiter man voranschreitet, desto unbegreiflicher wird der Dharma. Jede Zeile entfaltet sich zu einem ganzen Universum, und um sie zu begreifen, bedarf es eines gigantischen Superintellekts und großer Klarheit. Deshalb setzen wir alle Kräfte daran, jedes Wort des Dharma gründlich zu verstehen und es zu unserem eigenen zu machen.
Die höchsten nondualen Lehren führen sehr leicht in die Irre. Wenn man beispielsweise eine Einweihung in den göttlichen Stolz erhalten hat, kann man sich sonst was einbilden, ohne dabei über die elementarsten grundlegenden Eigenschaften zu verfügen. Wir hatten einmal einen Novizen, der einige Erfahrungen gemacht hatte und ungefähr Folgendes sagte: „Ihr wisst nicht einmal, was der Guru und ich für die Erde getan haben.“ Doch solche Ansichten zu hegen ist kein Weg zur Befreiung, sondern in die psychiatrische Klinik.
Ein Praktizierender kann es sich nicht leisten, nachlässig zu sein, oberflächlich zu lernen, sich nicht anzustrengen, nicht in alle Einzelheiten einzudringen oder Fehler zuzulassen. Vielleicht wird niemand bemerken, wie er diesen Fehler begeht, doch das Sein verzeiht keine Fehler. Der Guru und der Hüter des Dharma können vergeben, aber das Sein ist gnadenlos. Darum geht es. Deshalb darf ein Meister sich keine Ausrutscher erlauben.
Von Anfang an wird dies nicht verständlich sein, wenn man sich nicht die Herangehensweise des Meisters zu eigen macht.
Man darf den Unterweisungen der Heiligen oder des Gurus nicht einfach nur zuhören, sondern muss sie zu seinem Herzen, seinem Atem, zur akribischen Verankerung im eigenen Gedächtnis und zu einer lebendigen, jede Sekunde währenden Führung machen.
Beobachtung des Geistes und Ansammlung von Sattva
Bewertet eure Erfahrung nicht, denn dies fördert nur Anhaftung oder Unzufriedenheit.
Beobachtet euren Geist Tag und Nacht. Wenn euer Bewusstseinsstrom etwas Unheilsames enthält, entsagt ihm von ganzem Herzen und strebt nur nach dem Heilsamen.
Eure Aufgabe als Mönche besteht darin, Sattva anzusammeln (das Strahlen, das Leuchten des Bewusstseins). Sattva sammelt sich jedes Mal an, wenn eure Gedanken auf etwas Erhabenes, Reines, Helles, Gutes, auf Liebe, Mitgefühl, göttlichen Stolz, Reinheit, Erhabenheit oder Unparteilichkeit gerichtet sind. Sattva sammelt sich durch Kontemplation an. Wenn ihr heilige Bilder betrachtet, euch verbeugt oder Mantras rezitiert – all dies ist die Wirkung von Sattva.

Die große Aufgabe eines Praktizierenden besteht darin, möglichst viel von diesem Sattva, von diesem Leuchten, anzusammeln. Unsere Körper strahlen tatsächlich ein Leuchten aus, das auf Sanskrit „Kala“ genannt wird. Es gibt Stellen, aus denen es ausstrahlt. Je nach den Mondphasen wird dieses Leuchten schwächer oder stärker. Die Aufgabe des Yogis besteht darin, ein solches Leuchten ständig anzusammeln. Wenn ihr im richtigen Samaya-Bewusstsein verweilt und euch reinigt, wächst dieses Leuchten von Tag zu Tag. Dann kann man sogar sehen, wie ein Mensch im Gesicht immer heller wird.
Wenn ein Mensch jedoch nicht im richtigen Bewusstseinszustand ist, wenn sein Fundament erschüttert ist und es Verdunkelungen gibt, kann die Praxis ihm nicht nur keine Ausstrahlung verleihen, sondern im Gegenteil kann er diese Ausstrahlung sogar verlieren. Das ist ein sehr wichtiger Punkt zum Verständnis. Und wir müssen über mehrere Jahre genügend solcher Ausstrahlung ansammeln, damit sie sich qualitativ in etwas Großes verwandelt – in einen Lichtblitz. Wenn Sattva, die Strahlkraft, ihren Höhepunkt erreicht, kommt es zu Lichtblitzen. Solche Lichtblitze werden als flüchtiges Samadhi oder spontanes Samadhi bezeichnet. Dies wird auch Rasa genannt.
Der Meister sammelt die Strahlkraft so lange an, bis solche Lichtblitze sehr häufig auftreten. Wenn bei einem gewöhnlichen Yogi ein Lichtblitz nur sehr selten auftritt, beispielsweise während eines intensiven Retreats einmal im Monat oder sogar einmal im Jahr, können solche Lichtblitze, sobald genügend Sattva angesammelt wurde, ununterbrochen auftreten, Tag für Tag. Und sie werden immer stärker, bis sie zu einer ununterbrochenen Kette werden, die einer nach dem anderen folgt und sich wie ein kosmischer Brand ausbreitet. Genau dann erkennt der Yogi wahrhaftig die Natur des Geistes, die einem grenzenlosen, strahlenden Lichtblitz gleicht. Das ist jedoch nur möglich, wenn wir jede Unreinheit aus unserem Bewusstsein entfernen, denn alle verdunkelten und unreinen Zustände blockieren die Ausstrahlung des Sattva. Sie lassen den Lichtblitz des Bewusstseins nicht entstehen.
Das Überwinden von Anhaftung und Abneigung
Anschließend sagt Guru Padma:
Es ist durchaus möglich, dass ihr Anhaftung an einige Sinnesobjekte und Abneigung gegen andere empfindet. Lasst davon ab.
Nachdem man den Weg des Dharma betreten hat, sollte man die Türen zu jeder Anhaftung schließen und große Losgelöstheit erlangen. Wenn in eurem Herzen auch nur die geringste Anhaftung an irgendetwas vorhanden ist, dann wisst, dass dies ein wahrer Mara ist, der Mara der Skandhas. Und wenn die Anhaftung von Verdunkelungen und Unreinheit begleitet wird, dann ist dies der Mara der Kleshas. All diese Maras müssen durch Verneinung, Sublimierung oder Selbstbefreiung überwunden werden.

Auch die Abneigung gegen Objekte sollte überwunden werden. Die andere Seite der Anhaftung ist Ablehnung, Verneinung, eine negative Einstellung gegenüber etwas. All dies sind Funktionen von Wesen, die in Träumen verweilen. Wenn ihr beides überwindet, sagt man, dass ihr euch dem einen „Geschmack“ nähert.
Wenn ihr Anhaftung an etwas Attraktives oder Abneigung gegen etwas Abstoßendes empfindet, erkennt, dass dies eine Täuschung eures Geistes ist. Eine magische Illusion und nichts anderes.
Wenn ihr angenehme oder unangenehme Worte hört, erkennt, dass dies leere Laute sind, dem Echo gleich.
Wenn ihr auf harte Prüfungen und Unglück stoßt, erkennt, dass dies nur ein vorübergehendes Ereignis, ein irrtümlicher Eindruck ist. Erkennt: Die Ursprüngliche Natur ist von euch nicht getrennt. Einen menschlichen Körper zu erlangen ist äußerst schwierig, daher ist es töricht, nachdem man ihn erlangt hat, den Dharma zu vernachlässigen. Nur der Dharma kann euch helfen. Alles andere sind weltliche Verlockungen.
Ich habe eine Geschichte aus dem Leben von Satchidananda Ganapati gelesen. Eines Tages bemerkten seine Schüler, wie sich Satchidananda Ganapati abends hinsetzte und mit einer seltsamen Stimme begann, die Veden zu murmeln. Als sie sich erkundigten, worum es ging, stellte sich heraus, dass ein gewisser Geist Satchidananda Ganapati gebeten hatte, ihm für eine gewisse Zeit seinen Körper zu überlassen, damit er die Veden lesen und sich von seinen Leiden befreien könne. Und Satchidananda stimmte aus Mitgefühl mit dem hungrigen Geist zu.
Dieser hungrige Geist war ein Brahmarakshasa – ein Geist, der früher ein Gelehrter gewesen war, bestimmte tantrische Praktiken ausgeübt und sogar Siddhis erlangt hatte. Doch weil er falsch praktiziert hatte, wurde er statt befreit zu werden als ein solcher hungriger Geist, als Brahmarakshasa, wiedergeboren. Sein Körper brannte unerträglich. Daraufhin bat er Satchidananda Ganapati, ihm seinen Körper für eine gewisse Zeit zu vermieten, damit er die Veden lesen und auf diese Weise sein Karma reinigen könne. Im Gegenzug bot er Satchidananda Ganapati an, Gegenstände vom Meeresboden heraufzuholen, Gegenstände aus der Ferne zu bewegen, Licht und Feuer zu erzeugen und weitere Wunder zu vollbringen. Für Geister ist das leicht. Er bat darum, ihm diesen Dienst bis ans Ende seines Lebens zu gewähren.
Doch als die Schüler davon erfuhren, überredeten sie Satchitananda Ganapati, dies nicht zu tun, weil sein Körper darunter litt. Satchitananda war jedoch nicht dagegen. Schließlich gelang es, ein bestimmtes Ritual durchzuführen, infolgedessen der Geist befreit wurde und als Mensch wiedergeboren wurde. Dieser Geist erzählte, dass er vor etwa achthundert Jahren ein Gelehrter gewesen sei, der viele tantrische Texte gekannt, Sadhanas ausgeführt und übernatürliche Kräfte erlangt habe. Doch in seiner Gelehrsamkeit hatte er Jnana (das Licht der Weisheit) und Verdienste vernachlässigt, weshalb er trotz seines intellektuellen Verständnisses der Lehre eine derart üble Wiedergeburt erlangt hatte.
Das Leben eines Menschen, der den Dharma praktiziert, gleicht dem Gehen auf dünnem Eis oder auf einem über einen Abgrund gespannten Seil. Solange wir nicht einen solchen Geist der Makellosigkeit hervorbringen, werden wir im spirituellen Leben sehr viele Fehler begehen. Und nur die Unterweisungen der Heiligen schützen uns davor.
Feine Aspekte von Karma und Handlungen
Wenn ihr den Dharma wirklich praktizieren wollt, lasst euch selbst im Kleinsten von Tugend leiten. Verzichtet selbst bei der kleinsten Handlung auf das Schlechte.
Ich würde sagen: „sogar im allerkleinsten Gedanken“. Wenn ihr irgendeine Handlung vollzieht, gibt es einen feinen Moment, der der Handlung vorausgeht. Dieser feine Moment wird Samskara genannt, und der noch feinere — Bija. Gerade dank dieser Samskaras erhalten die Handlungen die eine oder andere Bedeutung. Handlungen sind bereits die Folgen.

Zum Beispiel entspricht jeder Handlung eine bestimmte Geisteshaltung. Und nur wenn deine Klarheit groß ist, kannst du diese Geisteshaltung wahrnehmen. Sie ist etwas Unfassbares, eine feinste Schwingung, die eine Handlung oder Tat färbt. Alles Weitere an der Handlung geschieht bereits unter dem Zeichen dieser Schwingung. Deshalb erzeugen manche Handlungen gutes Karma und heiligen das, was getan wird, während andere schlechtes Karma erzeugen.
Ein und dieselbe Handlung kann völlig unterschiedliche Ergebnisse hervorbringen. Alles hängt davon ab, welche Schwingungen in dem Augenblick auftreten, der dieser Handlung vorausgeht. Wenn ihr zum Beispiel einen Keks stehlt und beginnt, ihn zu essen, entsteht, bevor eure Hand nach dem Keks greift, eine Schwingung, die ein Phantombild des Kekses und eures Körpers erschafft. Diese Schwingung besteht aus einem niederen Feuerelement. Die hungrigen Geister haben ebensolche Körper. Deshalb esst ihr diesen Keks. Doch dieses Phantom ist bereits erschaffen worden, und dies geschah augenblicklich, unbemerkt von eurem oberflächlichen Bewusstsein. Und die betreffende Handlung ist bereits mit diesem Phantom verbunden und steht daher unter dem Zeichen der Welt der hungrigen Geister.
Wenn ihr dagegen einen Keks in Achtsamkeit nehmt und ihn gemäß einer rituellen Praxis heiligt, wird eure Geisteshaltung erhaben. Bevor ihr diese Handlung vollzieht, geht aus eurem Inneren, etwa auf Herzhöhe, ein anderes Phantombild hervor, das Sattva, Licht, erzeugt. Auch dieses färbt euren Körper mit einem feinen Feuerelement. Und dieser Keks wird geheiligt. Wenn man einen solchen Keks isst, sammelt sich spirituelle Kraft an, die Lebensdauer verlängert sich und die Gesundheit wird gestärkt.
Auf diese Weise bringt ein und dieselbe Handlung völlig unterschiedliche Ergebnisse hervor. Deshalb können Heilige Gegenstände heiligen, indem sie auf sie hauchen oder Mantras über ihnen rezitieren. Doch Menschen, die nicht praktizieren, verstehen diesen wichtigen Moment nicht.
Auf ähnliche Weise erzeugt jede eurer Handlungen entsprechende Karmas. Wenn sich viele davon angesammelt haben, erscheinen die Früchte. Deshalb kann ein Praktizierender einen Fehler machen, selbst wenn er dieselbe Handlung vollzieht, jedoch mit einer anderen Geisteshaltung. Wird die Handlung richtig ausgeführt, bringt sie Ergebnisse in den Träumen. Eine richtig ausgeführte Handlung bringt günstige Visionen, den Segen der Gottheiten, die Vision des Lichts und so weiter. Eine falsch ausgeführte Handlung bringt üble Erlebnisse in den Träumen.
Greift nicht auf Schmeichelei zurück und pflegt keine unehrliche Freundschaft. Bleibt in Gedanken und Taten ehrlich. Die wichtigste Praxis des Dharma besteht darin, in Gedanken und Taten stets ehrlich zu sein.
Mit aufrichtiger Freundschaft sind hier Beziehungen gemeint, die ausschließlich auf dem Dharma beruhen.


