Kommentar zu Dōgens Text „Die Kraft des Mönchsgewandes“
Mönchtum
Dieser Text heißt „Die Kraft des Mönchsgewandes“. Er wurde von Meister Dōgen im Jahr 1240 verfasst und ist dem kāṣāya gewidmet – dem Mönchsgewand. Es ist dasselbe wie das saṅghāṭī.
In Indien und in China erhielten in den Zeiten der wahren Lehre und der nachahmenden Lehre sogar Laien das kāṣāya. Heute, da die Lehre des Buddha in den von Indien entfernten Ländern schwächer wird und in Verfall gerät, besitzen selbst diejenigen, die sich Kopf und Gesicht rasieren und sich Schüler des Buddha nennen, kein kāṣāya. Sie glauben nicht, wissen nicht und verstehen nicht, dass man ein kāṣāya besitzen muss; wahrlich, sie sind des Bedauerns würdig. Wie könnten sie seine Form, Farbe und Maße kennen, wie könnten sie wissen, auf welche Weise man es tragen soll.
Natürlich spricht Dōgen nicht von Farbe und Maßen des Mönchsgewandes, sondern vom spirituellen Wesen des saṅghāṭī. Jeden Morgen, wenn wir aufstehen und das saṅghāṭī anlegen, sollten wir uns erinnern: „Ich bin ein Mönch. In dieser grenzenlosen Welt der Menschen, in diesem großen Universum bin ich weder ein Wesen der Hölle noch ein Preta, noch ein Asura, noch ein Gott der Begierde, sondern ein Mensch. Und in der Welt der Menschen besitze ich die kostbare menschliche Geburt und bin ein Mönch.“ An eine solche Wahl sollte man sich täglich viele Male am Tag erinnern.
Wenn man die Menschheit der Erde mit einer Bevölkerung von fünf Milliarden in einem virtuellen Größenverhältnis als Dorf mit hundert Menschen darstellt, dann wären etwa 55 von 100 Frauen und 45 Männer, nur 1 Mensch von 100 hätte eine Hochschulbildung, etwa 70 wären Asiaten, 60 wären nicht weiß, etwa 5 Menschen in diesem virtuellen Dorf würden über den größten Teil der materiellen Mittel verfügen, wobei sie alle aus Amerika wären, etwa 60 Menschen würden ständig unter Qualen durch Unterernährung, Kälte und Obdachlosigkeit leiden, nur einer hätte einen Computer und nur 5–8 hätten die Möglichkeit, den Dharma zu praktizieren.
Wir sehen das nicht, doch es gibt eine riesige Anzahl von Menschen in Ländern der Dritten Welt (in Zentralasien, in China, in Südamerika, in Afrika), die eine sehr arme und elende Lebensweise führen. Sie befinden sich am Rande des Überlebens, sterben an einfachen Krankheiten und verschiedenen Epidemien, besitzen einen unangepassten Körper und eine geringe Intelligenz. Wir hören selten von ihnen, dennoch machen sie den größten Teil der Erdbevölkerung aus. Viele von ihnen leben in Ländern, in denen es keine demokratischen Freiheiten gibt, wo man für seine spirituelle Praxis ins Gefängnis kommen und Gewalt ausgesetzt werden kann. Von einer Praxis des Dharma kann dort selbstverständlich nicht einmal die Rede sein.
Im Vergleich zu ihnen sind wir sehr erfolgreich und wohlhabend, wir haben die kostbare menschliche Geburt. Wir besitzen all dies als etwas Selbstverständliches, doch tatsächlich ist das im Maßstab der gesamten Erdbevölkerung ganz und gar nicht so. Deshalb treffen wir, wenn wir darüber nachdenken, welches Gewand wir tragen, immer die richtige Wahl.
Das Gewand der Befreiung
Das kāṣāya nennt man das Gewand der Befreiung. Es befreit von allen Hindernissen, die mit Handlungen, Verunreinigung und den Folgen von Handlungen verbunden sind. Wenn ein Drache auch nur ein kleines Stück des kāṣāya erhält, kann er von Fieber geheilt werden. Wenn ein Büffel das kāṣāya mit einem seiner Hörner berührt, verschwinden all seine vergangenen Taten. Wenn Buddhas den Weg erlangen, tragen sie stets das kāṣāya. Wisse also, dass seine Kraft unübertroffen ist und die höchste Verehrung verdient. Es ist traurig, dass wir in einem fernen Land in der Epoche des Niedergangs der Lehre geboren wurden, doch wir hatten das Glück, der Lehre zu begegnen, die von Erwachtem zu Erwachtem, von Lehrer zu Schüler weitergegeben wird. In welcher anderen Übertragungslinie wurde die Lehre des Buddha ebenso richtig weitergegeben wie in unserer? Wer würde nicht, wenn er der Lehre vom Gewand begegnet, Opfergaben darbringen und sie verehren? Ihr sollt diese Opfergaben mindestens einmal am Tag darbringen, selbst wenn ihr dafür eine unzählige Anzahl von Leben hingeben müsstet. Ihr sollt das Gelübde ablegen, dem Gewand Geburt um Geburt, Generation um Generation zu begegnen, es zu unterstützen, zu verehren und ihm Opfergaben darzubringen.
Wenn wir die Gelübde eines Mönchs annehmen und das saṅghāṭī anlegen, bedeutet das, dass sich unser Karma verändert, das heißt, die Struktur unseres Eindrucks von uns selbst verändert sich. Sogar im Traum sehen wir uns in einem illusorischen Körper in der Gestalt eines Mönchs. Es ist dem gleich, einen anderen karmischen Weg zu wählen – einen Weg, der zur Befreiung führt.

Deshalb müssen wir sehr aufmerksam sein, wenn wir Sanghati tragen; wir müssen denjenigen achten, der Sanghati trägt. Vielleicht haben wir keine besonders respektvolle Haltung uns selbst gegenüber, doch dann müssen wir das Sanghati selbst achten, da wir uns in ihm befinden. Wenn wir uns innerhalb des monastischen Sanghati befinden, können wir es uns nicht erlauben, unbewusst und respektlos gegenüber den in der Sangha, in der monastischen Hierarchie etablierten Autoritäten zu handeln, ebenso wenig gegenüber den Freunden im Dharma, dem Dienst, der eigenen Praxis, den Heiligen und der Lehre.

Wir müssen uns daran erinnern, dass wir uns innerhalb des Sanghati (des monastischen Gewandes) befinden, umso mehr, als wir eine so große Tradition praktizieren, nicht nur die des Sutra, sondern auch die des Tantra sowie des Anuttara-Tantra. Man kann sagen, dass dies seine Kraft dreifach verstärkt. Natürlich liegt das wahre Wesen des Sanghati nicht darin, dass es ein besonderes Gewand aus Stoff ist, sondern in der Bedeutung, die wir in es hineinlegen.
Überwindung der Hindernisse von Zeit und Raum
Von dem Land, in dem der Buddha geboren wurde, trennen uns Tausende von Meilen, Gebirgsketten und Ozeane. Wir sind nicht in der Lage, dorthin aufzubrechen, doch dank der Folgen unserer vergangenen heilsamen Handlungen schließen uns weder Berge und Ozeane noch Unwissenheit länger an diesem verlassenen Ort ein.
Dattatreya predigte und erschien den Menschen vor vielen Tausenden von Jahren; der Buddha – vor zweieinhalbtausend Jahren; solche Mahasiddhas wie Saraha, Gorakhnath, Matsyendranath, Shankara – vor tausend Jahren. Doch dank der Linie der Lehre könnt ihr so praktizieren, als befänden sie sich alle gerade jetzt unmittelbar neben euch.
Wir sind der wahren Lehre begegnet und bereit, sie unermüdlich zu praktizieren, Tag und Nacht zu praktizieren; wir bewahren, unterstützen und schützen ununterbrochen das Kashaya.
Der Ausdruck „ununterbrochen das Kashaya bewahren, unterstützen und schützen“ bedeutet, das eigene Bild als Mönch, als Praktizierender ständig aufrechtzuerhalten. Das bedeutet nicht, das eigene Bild als Mensch aufrechtzuerhalten, der einfach nur Kleidung trägt, denn ein wahrhaft praktizierender Mönch befindet sich in einer bewussten reinen Sicht, ist in Achtsamkeit und kontemplative Präsenz eingetaucht; er ist die Makellosigkeit selbst, man kann sagen, er ist der illusorische Körper, der die Energien des Absoluten verkörpert.
Auf diese Weise verkörpert sich die Kraft des Kashaya durch unsere Praxis, und dazu tragen nicht nur ein oder zwei Erwachte bei, sondern alle Buddhas, die so zahlreich sind wie die Sandkörner im Fluss Ganges. Selbst wenn es um individuelle Praxis geht, sollte man sie verehren, sich an ihr erfreuen und von ganzem Herzen aufrichtige Dankbarkeit für das unschätzbare Geschenk ausdrücken, das von den Lehrern übermittelt wurde.
Die Frage ist, wie wir uns zum monastischen Gewand verhalten. Dies ist auch unsere innere Einstellung. Wenn wir es als unschätzbares Geschenk betrachten, wird es für uns zu dem, was uns die unschätzbaren Gaben des Dharma eröffnet. Wenn wir es als Formalität betrachten, wird es für uns zu einer Formalität.
Die Kraft des Gewandes des Buddha, den Dharma des Buddha, konnte niemand verstehen und erfassen außer den Patriarchen, die die wahre Lehre des Buddha übermittelt haben.
Die Größe des monastischen Gewandes werdet ihr viel später verstehen, vielleicht nach zwölf Jahren, wenn euer Geist all jene Veränderungen durchlaufen hat, die er durchlaufen muss. Es kommt vor, dass wir vergessen, dass wir gekommen sind, um uns zu verändern, und die trägen unbewussten Teile unseres Geistes widersetzen sich aus Gewohnheit den Veränderungen. Dies geschieht unbewusst. Sie kriechen immer wieder hervor wie die Köpfe einer vielköpfigen Hydra: Man schlägt einen ab, und drei erscheinen von Neuem. Die Aufgabe eines Mönchs besteht darin, diese Köpfe ständig mit dem Schwert des wachsamen Gewahrseins abzuschlagen. Das ist beharrliche tägliche spirituelle Arbeit, und jeder muss wissen, dass man dem nirgendwo entkommen kann, wenn die Entscheidung getroffen wurde, den Weg der Reinigung zu praktizieren.
Die richtige Übertragung der Lehre
Wenn ihr dem Weg der Buddhas folgt, nehmt freudig das Gewand des Erwachten, den Dharma des Erwachten an und fahrt fort, die wahre Lehre selbst an Hunderte und Tausende künftiger Generationen weiterzugeben. Das ist es, was erneut verkörperter Dharma bedeutet.
Die richtige Übertragung der Lehre gleicht nicht dem Vermischen von Wasser mit Milch, sondern der Inthronisierung des Kronprinzen. Wenn es nicht genug Milch gibt, kann man mit Wasser vermischte Milch trinken, doch man darf Milch nicht mit Butter, Lack oder Wein vermischen. Wenn die Übertragung richtig erfolgt, kann sogar ein gewöhnlicher Lehrer einer mittelmäßigen Linie Milch sein; umso mehr gilt dies, wenn die wahre Lehre von Buddhas oder Patriarchen übertragen wird.
Eine Laienschülerin schrieb mir einen Brief, in dem sie erzählte, dass sie Yoga praktiziert, Übertragungen in Mantras erhalten hat, Rajneesh und Sri Chinmoy studiert hat, verschiedene Praktiken in den Unterrichten der Sangha erhalten hat und dass sie unterschiedliche Erfahrungen hatte. Sie schrieb: „Ich brenne vor Verlangen, Yoga zu unterrichten. Könnte ich vom Kloster ein Zertifikat erhalten, um andere in Yoga zu unterrichten, weil in Organisationen ein Zertifikat verlangt wird. Ich habe eine Ausbildung, ich habe einen Hubschrauberführerschein, außerdem noch irgendeine Qualifikation.“
Ich antwortete, dass wir keine Zertifikate für Yoga-Clubinstruktoren ausstellen; wir stellen Zertifikate für Meister und Lehrer aus, und dafür muss man mindestens zwölf Jahre lang lernen und alle Prüfungsaufgaben bestehen. Wenn Ihr Niveau nach zwölf Jahren Mönchtum entsprechend ist, werden Sie ein solches Zertifikat erhalten; wenn nicht, werden Sie weitere zwanzig, dreißig oder sogar fünfzig Jahre praktizieren müssen, also so lange, wie es erforderlich ist.
Die Übertragung der Lehre ist eine äußerst ernste Sache, und geistiger Einfluss auf andere ist etwas, das die Verwirklichung deines eigenen Niveaus voraussetzt. Deshalb beabsichtigen wir, Meistermönche auszubilden, die wahre Verwirklichung und Heiligkeit erreicht haben, und dafür braucht es Jahre. Genau dafür ist das gesamte System des Mönchtums bestimmt. Selbstverständlich braucht ein wahrer Mönch keinerlei Zertifikat; es ist sogar lächerlich zu denken, dass man um solcher Dinge willen praktizieren könnte. Das beste Zertifikat wird ein erwachtes Bewusstsein sein, das aus dem Kreislauf von Geburt und Tod rettet; wenn es vorhanden ist, wird alles Übrige euch einfach zu Füßen fallen.

Die wahre Übertragungslinie
Sogar die Herrscher der Welt sagen, dass sie lediglich das Gewand des früheren Herrschers tragen. Wie kann dann ein Kind des Buddha ein anderes Gewand tragen als das Gewand des Buddha? Mönche und Laien reisten häufig zwischen Indien und China, doch keiner von ihnen sagte, dass es ihm in Indien gelungen sei, einen Patriarchen zu treffen, der die wahre Lehre besaß, die unmittelbar vom früheren Patriarchen übertragen wurde. Somit behaupteten sie, es gebe angeblich keine Linie der unmittelbaren Übertragung der Lehre. Diese Menschen lernten bei Lehrern, indem sie Sutras und Abhandlungen erfassten, und brachten Sanskrit-Texte zurück. Sie sagten nicht, dass sie Patriarchen getroffen hätten, die den Dharma unmittelbar geerbt hatten. Sie sprachen nicht von Patriarchen, die die Kashaya des Buddha übertrugen. Deshalb drangen diese Menschen nicht in die Tiefe der Schatzkammer des Dharma ein und klärten nicht den Sinn der unmittelbaren Übertragung der Lehre.
Wenn wir praktizieren, ist in der Lehre das Prinzip des Samaya sehr wichtig. Gewöhnlich spricht man davon, die vierzehn Wurzelfälle zu vermeiden, und einer der vierzehn Punkte ist gerade mit der Lehre verbunden. Das Samaya der Lehre bedeutet, dass wir die Lehre als Weg annehmen, sie verstehen und ins Leben umsetzen. Das bedeutet, dass wir den Algorithmus der Lehre wahren, nicht von ihm abweichen und versuchen, all jene Gipfel zu verwirklichen, die sie anbietet. Wenn wir die wahre Lehre in unserem Bewusstsein verwirklichen, schließen wir uns der Übertragungslinie der großen Heiligen an.
Shakyamuni übergab Mahakashyapa die Schatzkammer des Wahren Dharma-Auges zusammen mit dem Gewand, das er vom Lehrer Buddha Kashyapa erhalten hatte. Das Gewand wurde über dreiunddreißig Generationen vom Lehrer an den Schüler weitergegeben. Seine Form, Farbe und Maße wurden unmittelbar übertragen. Die Lehre darüber, wie man das Gewand wäscht und trägt, war nur denen bekannt, die bei einem Lehrer lernten, der diese Lehre unmittelbar übertrug.
Die Lehre des Tathagata kam aus Indien, wo die Lehrer der Vergangenheit und der Gegenwart über die Ansichten gewöhnlicher Menschen hinausgingen. Da die Welten der Buddhas und die Welten der fühlenden Wesen unbegrenzt sind, übersteigt all dies — Lehre, Praxis, Praktizierender, die Essenz des Großen und des Kleinen Fahrzeugs — die Fähigkeit gewöhnlicher Menschen, es zu erfassen. In China jedoch greifen die Anhänger oft auf indische Lehren zurück und halten eine spätere Auslegung für die wahre Lehre des Buddha, was irrig ist. Wer nach Erwachen strebt und die Kashaya erhalten möchte, muss die wahre Übertragung der Kashaya erhalten. Nehmt niemals ein neues Gewand. Jene, die als richtig übertragene Kashaya bezeichnet wird, wurde unmittelbar vom Tathagata Bodhidharma übertragen.
Wer kann die Worte „nehmt niemals ein neues Gewand“ kommentieren? Bedeutet das vielleicht, dass man ein gewaschenes, bereits von jemandem getragenes Sanghati nehmen soll? Was ist damit gemeint? Erfindet niemals eure eigene Lehre, die nicht durch die Erfahrung der Heiligen geprüft ist, denn ein solches „neues Kaschaya“ wird sich schnell an allen Nähten auflösen; es wird einer billigen Fälschung aus minderwertigem Material gleichen.
Indem wir den Lehren der Heiligen folgen, haben wir die Gewissheit, dass wir dasselbe Ergebnis erreichen können. Darin liegt der grundlegende Unterschied zwischen jenen, die die Übertragungslinie der Lehre praktizieren, und jenen, die sie nicht praktizieren, sondern sich einfach am inneren Erleben orientieren. Die Sache ist die, dass das innere Erleben auf die Erfahrung eines einzelnen Menschen als Persönlichkeit beschränkt ist. Selbst wenn diese Persönlichkeit außergewöhnlich ist, ist sie nicht imstande, in einem kurzen Leben die ganze Tiefe der Erkenntnis der Verwirklichung der Mahasiddhas zu erfassen, die die Lehre verfeinerten und dafür Hunderte, Tausende oder sogar Zehntausende von Jahren aufwendeten — und das nicht allein, sondern es war eine ganze Armee von Mahasiddhas.
So beschaffen ist das richtig überlieferte Kaschaya, das von Dharma-Erben und Dharma-Nachkommen getragen wird. Das neue Kaschaya, das man in China sehen kann, ist völlig ungeeignet. Alle Kaschayas, die von indischen Mönchen der Vergangenheit und Gegenwart getragen wurden, ähneln den richtig überlieferten Kaschayas der Patriarchen. Keiner von ihnen trug ein Kaschaya jener Art, wie sie heute von den Mönchen der Schule der Gebote in China getragen werden.
Jeder Praktizierende sollte seine Praxis und seine Haltung zur Praxis, seine Erfahrungen und sein Bewusstsein regelmäßig mit diesem wahren Kaschaya abgleichen.
Der Geist der Makellosigkeit
Es gab einen Heiligen namens Shanavasa. Man sagt, als er geboren wurde, trug er bereits weltliche Kleidung, und als er Mönch wurde, verwandelte sich seine weltliche Kleidung in ein Sanghati. Ebenso gab es die Nonne Pundarika, die in einem Kaschaya zur Welt kam, und so geschah es Geburt um Geburt, weil dies die Folge ihres Verdienstes war (sie hatte Buddha Shakyamuni in einem ihrer früheren Leben eine Matte dargebracht).
Wenn wir das wahre Sanghati tragen, verkörpern wir in jedem Wort und jeder Handlung den Geist der Makellosigkeit eines Mönchs. Wenn wir einen solchen Geist der Makellosigkeit nicht verkörpern, wird unser Sanghati verunreinigt, deshalb müssen wir es waschen. Je älter ihr als Mönch im Sinne des Mönchsalters werdet, desto mehr solltet ihr euch an diesen Geist der Makellosigkeit erinnern.
Oft sage ich Folgendes: „Was für einen Laien zulässig ist, ist für einen Novizen unzulässig; worauf ein Novize nicht achtet, darauf wird ein Mönch achten; was ein Mönch vergisst, darf ein Initiierter nicht vergessen; und was ein Initiierter versäumt, daran muss ein älterer Mönch oder Lehrer stets denken.“
Ihr alle sollt ältere Mönche werden — nicht dem Amt nach, sondern innerlich. Ihr sollt zu jemandem werden, der den Gipfel der Makellosigkeit verkörpert, die Vollkommenheit selbst in allem. Doch das lässt sich nicht an einem einzigen Tag erreichen. Man sagt, nicht der Tempel rettet, sondern der Weg, der zu ihm führt. Das bedeutet: Wenn ihr den Weg geht, entsteht der Tempel in eurem Herzen. Und diesen Weg muss man jeden Tag ohne Unterbrechungen gehen.



