Kommentar zum Text „Die Geschichte der Dakini Chuytzhit“
Zu Beginn des Textes erweist die Frau, die diese Geschichte niedergeschrieben hat, ihrem spirituellen Lehrer und den Drei Juwelen ihre Ehrerbietung. Sie sagt, dass sie Chuytzhit aus dem Geschlecht Lin heiße, und dass sie zum Nutzen aller anderen Menschen ihre spirituelle Erfahrung niedergeschrieben habe, die sie im Moment der Trennung des Körpers von der Seele erlebt habe, über den Nutzen von Verdiensten und den Schaden sündhafter Taten sowie darüber, wie sie mit einer Nachricht über die Hölle und den Weisungen Yamas zurückgeschickt wurde.
Ich werde die Übersetzung ein wenig frei vornehmen, da das Sutra aus dem Mongolischen übersetzt wurde.
Chuytzhits Gedanken vor dem Tod
Die Frau namens Chuytzhit sagt, dass sie 16 Tage lang krank gewesen sei. Und obwohl die durch Wahrsagungen und Vorhersagen angezeigte Behandlung durchgeführt wurde, die notwendigen Rituale vollzogen und Gebetszeremonien abgehalten wurden, hatte all dies keinen Nutzen. Und als es ihr schlechter ging, dachte sie:
„Nun werde ich sterben. Obwohl ich früher vorhatte, Nonne zu werden, erlaubten es mir meine Eltern und Verwandten nicht. Zwar habe ich in der Kindheit religiöse Unterweisungen gehört, doch habe ich nicht genug über sie nachgedacht. Was diejenigen betrifft, die über mir stehen, so habe ich den Guru, die Drei Juwelen und die Heiligen nicht ausreichend verehrt. Was diejenigen betrifft, die unter mir stehen, so habe ich den sechs Arten lebender Wesen nicht ausreichend Almosen gegeben.“

Sie erinnerte sich auch daran, dass sie einigen Lehrern und Mentoren Speiseopfer dargebracht hatte. Nachdem sie ihr Leben so zusammengefasst hatte, sah sie, dass sie gar nicht so viele spirituelle Verdienste besaß, und dachte:
„Ich Arme habe, nachdem ich die glückliche Gelegenheit hatte, einen schwer zu erlangenden menschlichen Körper erhalten, doch nachdem ich schlechte Taten begangen habe, werde ich nun sterben und bereuen. Ja, jetzt ist es zu spät, sich zu grämen.“
Außerdem erinnerte sie sich daran, dass sie jedes Jahr 20–30 Kühe und Schafe getötet hatte, und dachte, dass die Früchte all dieser Sünden ebenfalls auf sie fallen würden:
„Wer außer mir wird all dies tragen? Es kann nicht anders sein: Nachdem ich in ein schlechtes Schicksal wiedergeboren werde, werde ich Leiden erfahren.“
Auch dachte sie, dass ihr Mann und ihre Kinder ihr wohl kaum gute Gedenkrituale ausrichten würden, da ihr Mann geizig mit Besitz sei und keine religiösen Gefühle habe. Dennoch beschloss sie, ihm aufzutragen, nach ihrem Tod einen gewissen Teil des Besitzes zu verteilen. Und sie rief die Kinder zu sich und sagte:
„Von dieser Krankheit werde ich wohl nicht mehr frei werden, daher hört die drei letzten Worte meines Testaments aufmerksam an.
Früher habe ich nicht genügend Tugenden angesammelt und aus verschiedenen Gründen eine Vielzahl von Sünden angehäuft. Und nun, um mein Verdienst zu mehren, verteilt ein Drittel unseres Besitzes. Die Hälfte der Jade und Korallen gebt der Tochter, und die andere Hälfte verteilt nach meinem Tod als Wohltat. Wenn ihr gute Taten vollbringt, vermischt sie nicht mit Sünde, strebt nach Tugend, und ihr alle, Vater und Kinder, folgt, soweit ihr könnt, der Lehre. Wenn ihr das aber nicht könnt, dann enthaltet euch wenigstens sündhafter Handlungen. Wenn ihr dies jedoch nicht erfüllt, werdet ihr beim Sterben wie ich bereuen. Wenn schon du, mein Mann, es selbst nicht kannst, dann zwinge wenigstens meine beiden Söhne, der Dharma zu folgen und alles Mögliche für den Dharma zu tun. Bestelle alle notwendigen Gebete. Ihr, Mann und Söhne, enthaltet euch der Sünden, strebt eifrig nach Tugend. Mann, gib dein Wort, dass du keiner anderen Frau erlauben wirst, meine Söhne und meine Tochter zu quälen.“

Der Mann antwortete ihr:
„Wenn ich nach deinem Tod ein Drittel des Besitzes verteile, was sollen wir vier, Vater und Kinder, essen? Jade und Korallen muss man deiner Tochter geben, und wenn ich keine andere Frau nehme, um den Haushalt zu führen, werden die Kinder nicht zurechtkommen, da sie zu klein sind. Ich habe nicht vor, dein Verdienst zu schmälern, aber jetzt werde ich dir ein solches Versprechen nicht geben.“
Da dachte sie, dass er, seinen Worten nach zu urteilen, nicht viele gute Taten vollbringen werde. Dann dachte sie:
„Ja, auch ich selbst habe nicht besonders viel Verdienst angesammelt, habe nicht an den Nutzen der Lehre gedacht. Ich habe den Heiligen oder dem Lehrer nichts dargebracht.“
Sie dachte auch mit Bedauern, dass, wenn er eine andere Frau nähme, ihr Sohn und ihre Tochter leiden würden.
Erfahrung des Zwischenzustands
„Von all diesen Erlebnissen und Gedanken, die sie bedrängten, wurde ihr schwindelig. Und es schien ihr, als sei sie unter die Erde gesunken, und von oben drückten gleichsam viele Menschen auf sie. Sie bekam große Angst. Dann schien es ihr, als irre sie in einem riesigen Ozean umher, und vor Kälte empfand sie solche Schmerzen, als hätten sich auf ihrem Körper Blasen gebildet und seien geplatzt. Danach schien es ihr, als sei die ganze Erde von Flammen erfasst, und in diesem mit lautem Krachen lodernden Feuer verbrannte ihr Körper. Und das war für sie qualvoll. Dann schien es ihr immer wieder, als begännen Blitze zu zucken und ein solcher Donner zu ertönen, als erbebte die ganze Erde. Danach beruhigte sie sich, und an alles, was über lange Zeit weiter geschah, erinnerte sie sich nicht. Es schien ihr, als befinde sie sich in einer Ecke des Hauses, und über ihrem Kopf erschien ein fünffarbiges Leuchten von der Größe eines Schildes. Aus diesem Leuchten gingen zahlreiche Strahlen hervor, und an den Enden dieser Strahlen befanden sich Wesen mit sieben voneinander verschiedenen Köpfen, mit in Rüstungen gekleideten menschlichen Körpern und mit riesigen Augen von der Größe von Mond und Sonne. In ihren 70 Händen hielten sie zahlreiche Schwerter und schrien: „Ha! Hu! Ho! Töte! Schlag! Pack!“ Ihre Schreie klangen wie das Brüllen von tausend Drachen, und sie bekam große Angst.

Doch da erinnerte sie sich an die Unterweisungen ihres Gurus darüber, dass jedes sichtbare Licht das eigene Licht ist, alle sichtbaren Formen die eigenen Formen sind, das heißt Erscheinungen des Geistes, und jeder hörbare Klang der eigene Klang ist. Das heißt, sie erinnerte sich an die Unterweisungen über den Zwischenzustand. Sie erinnerte sich auch an die Unterweisungen darüber, dass die eigene Angst im eigenen Bewusstsein entsteht. Sobald sie daran dachte, beschloss sie, dass in Wirklichkeit nichts davon geschieht, außer der Bewegung des Geistes. All dies verschwand sofort, die Angst verging, sie beruhigte sich. Als sie auf ihr eigenes Bett blickte, schien es ihr, als läge dort der übelriechende Leichnam eines riesigen Frosches, bedeckt mit ihren Kleidern.“
Das heißt, sie sah ihren Körper in Gestalt eines Frosches, so erschien es ihr mit den Augen des Astralkörpers.
Totenriten und Wahrnehmung der Verstorbenen
„Kinder, Verwandte, Nachbarn – alle traten an das Bett heran. Einige begannen, den Leichnam des Frosches auf die Lippen zu küssen, andere fingen an zu weinen und hielten ihn an den Pfoten. Und sogleich ertönte Donner, als brüllten gleichzeitig tausend Drachen. Auf sie begann ein Hagel aus Blut und eiergroßen Eiterstücken niederzufallen und einzuschlagen, was unerträgliche Leiden verursachte. Als das Weinen der Verwandten verstummte, hörten auch Donner und Hagel auf, der Schmerz ließ nach. Sie dachte, dass das Weinen und die Tränen der Verwandten von ihr so wahrgenommen wurden.
Da sagte ihr jüngerer Bruder Etigeu: „Dass wir hier sitzen und weinen, nützt überhaupt nichts. Ohne einen Lehrer kann man kein Ritual für die Verstorbene vollziehen. Man muss einen Lehrer mit 20–30 Schülern einladen, und es wäre gut, wenn wir sie bitten, das Ritual zu vollziehen.“ Die ältere Schwester hatte zuvor den großen Einsiedler Nigurisygutsch Erdeni verehrt: „Ihn werde ich also einladen, das Ritual zu vollziehen. Und ich werde auch einen Lehrer rufen, der die ‚Diamant-Sutra‘ liest, das heißt die ‚Vajracchedika‘.“ Der Mann sagte: „Und ich werde einen Bön-Lehrer einladen.“ Der jüngere der Brüder begann zu widersprechen: „Meine ältere Schwester hat die Bön-Lehre nicht verehrt und ist ihr nicht gefolgt. Tu, was du willst, aber ich werde gehen und meinen Lehrer und diesen großen Einsiedler einladen.“ Nachdem er das gesagt hatte, ging er fort.
Unterdessen brachten der listige Ehemann und der Neffe auf einem Karren Getreide fort und sagten: „Zu Hause haben wir sechs Maß Gerste, wir werden die Nachbarn bitten, sie zu mahlen.“
Sie sah und hörte all das und begann nachzudenken: „Was haben sie vor? Sie werden ein Opfer darbringen, aber nun ist meine Krankheit vor Angst doch gleichsam vergangen. Wenn sie einfach so so viel Mehl an fremde Leute verteilen, werden sie später nicht einmal die Hälfte zurückbekommen“ – dachte sie und begann geizig zu werden. Sie hatte nicht den Gedanken, dass sie gestorben war.
Bald brachte ihr ältester Sohn einen Rezitator und befahl ihm, die „Diamant-Sutra“, die Vajracchedika, zu lesen. Als dieser das Gebetbuch öffnete und das Glaubensbekenntnisritual vollzog, freute sie sich sehr, ihre Seele beruhigte sich.
Am Abend kam ein anderer Lehrer mit 20 Schülern und der große Einsiedler Nigurisygutsch Erdeni. Sie betete zum Lehrer und bat um Segen, doch es schien ihr, dass er sie aus irgendeinem Grund nicht segnete. Sie dachte: „Wenn dieser heilige Lehrer zornig auf mich ist, warum ist er dann hierhergekommen?“ Sie fragte danach, aber der Mann und die Kinder antworteten ihr nichts. Sie saß da und dachte beunruhigt: „Warum sind sie denn alle zornig auf mich?“

Der Einsiedlerlehrer legte seine Hand auf den Kopf des Froschleichnams, vollzog ein Ritual, hielt eine Predigt, las Segenswünsche vor und wiederholte von Zeit zu Zeit: „O, Chuytzhit, deine Todesstunde ist gekommen, lass die Sorgen um Kinder, Besitz und Nahrung hinter dir, denke daran, dass deine Seele in Gestalt des weißen Buchstabens ‚a‘, in Form eines weißen Tropfens in mein Herz eingegangen ist und mit mir ins Paradies Sukhavati geht, in den heiligen Bereich des unvorstellbar strahlenden Buddha; lass uns zu zweit dorthin gehen.“ Als er es befahl, dachte sie: „Ich bin nicht gestorben, ich bin dieselbe wie zuvor, aber wenn der Lehrer es gesagt hat, werde ich gehen.“ Doch sie konnte nicht gehen, da sie sich vor dem Froschleichnam fürchtete. Und den Worten des Lehrers nach zu urteilen, war der Tod verspätet eingetreten, doch Seele und Körper waren bereits endgültig getrennt.
Danach wurden dem Lehrer und den Schülern Fleisch, Wodka und Mehl dargebracht, ihr aber gab man nichts. Der große Einsiedler sagte: „Tochter, gib deiner Mutter ihren Anteil an der Nahrung.“ Die Tochter legte etwas Fleisch und Mehl auf eine Schale und stellte alles zusammen mit Tee neben den Froschleichnam, wobei sie sagte: „Mütterchen, geruhe es anzunehmen.“ Doch weil man ihr nichts gab, sondern alles, wie es ihr schien, neben den Froschleichnam stellte, dachte sie, man ekle sich vor ihr, und, auf ihre Tochter zornig, verfiel sie in Verzweiflung. Sie verspürte unerträglichen Hunger und Durst, saß aber da und ertrug es. Als auf Befehl des großen Einsiedlers die Beschwörung, das Mantra und andere Dharanis laut vorgelesen wurden und ihr Anteil an Fleisch und Mehl ins Feuer geworfen wurde, schien es ihr durch deren Geruch, als habe sie sowohl getrunken als auch gegessen. Ihr Hunger und Durst vergingen, und sie beruhigte sich.“
Geister in feinstofflichen Körpern ernähren sich von den Gerüchen geopferter Speisen.
„Als die Opfergaben und die Bewirtung für den Lehrer und die Schüler zu Ende waren, setzten sie sich hin, um Totengebete zu lesen. Ein anderer Lehrer, Lama Nigurisyguch Erdenija, bereitete sich auf die Kontemplation vor und saß in tiefer Nachdenklichkeit. Doch weil sie alle scheinbar auf sie zornig waren und ihr nicht einmal ein wenig zu essen gegeben hatten, litten ihr Körper und ihre Seele unermesslich und waren sehr unbeständig, wie eine Vogelfeder, die im Wind flattert. Sie dachte: „Es wäre besser, wenn ich Jade und Korallen nähme und mich in das Land des siegreichen Buddha begäbe.“ Und als ihre Tochter und ihre Söhne weinten und „Mütterchen!“ riefen, begann erneut ein Hagel aus Blut und Eiter zu fallen, der sie traf und unerträgliche Qualen verursachte. Und wieder, sobald das Weinen verstummte, hörten der Hagel aus Blut und Eiter sowie der schreckliche Donner, wie das Brüllen tausender Drachen, auf.

Andere auftauchende Visionen waren schrecklich und absurd; entsetzt starrte sie auf sie und fürchtete sich vor irgendetwas. Ihre Stimmung verdüsterte sich oft, und sie litt. Da dachte sie: „Es wäre gut, wenn ich mich neben den Lehrer setzte“, erinnerte sich aber an seine Anweisungen, dass eine Frau sich nicht neben einen Mann setzen solle. Da versteckte sie sich hinter ihm und begann aufmerksam dem Lesen der Gebete zuzuhören. Die Angst verging, und sie wurde sehr ruhig. Sie dachte: „Und jetzt wäre es gut, wenn ich mich irgendwie dem großen Einsiedler nähern könnte.“ Als sie näher herankam, schien es ihr, als sähe sie den allvollkommenen und vierarmigen Buddha Avalokiteshvara, der ihr barmherzig gebot: „Möge ihre Seele sich gleich der meinen in Kontemplation versenken.“ Die Angst in ihrer Seele verging, und sie wurde unermesslich ruhig und freudig.

Die Totenfeier ging weiter. Wie zuvor stellte man ihren Anteil an der Nahrung neben den Froschleichnam. Wie zuvor warf der große Einsiedler ein wenig Nahrung ins Feuer, und wieder schien es ihr, als habe sie gegessen und getrunken. In diesem Augenblick rief draußen irgendein Mensch: „Chuytzhit, komm her!“ Als sie hinausging, um nachzusehen, sagte jemand, der ihrem Vater sehr ähnlich sah: „Komm mit mir, ich zeige dir etwas und schicke dich schnell zurück.“ Sie dachte: „Im Haus ist der Lehrer, viele Novizen, und sie alle sind zornig auf mich. Mein Mann und meine Kinder haben mir nicht einmal ein wenig zu essen gegeben; ich kann nicht länger dort bleiben, also werde ich fortgehen.“
Reise in den Zwischenbereich
Als sie sich auf den Weg machte, gelangte sie in eine schöne Gegend, in der weder Gras noch Bäume wuchsen. Dort erstreckte sich eine weite sandige Steppe ohne einen einzigen Hügel oder eine Erhebung. Ein Reiter hätte 20 Tage gebraucht, um sie zu durchqueren. Mitten in der Steppe glänzten die Wasser eines Flusses, der nirgendwohin floss, weder hinauf noch hinab, und dessen Breite einem Pfeilschuss entsprach. Und über ihn war eine Brücke gespannt, deren Länge ebenfalls einem Pfeilschuss entsprach. Zwischen dieser Steppe und den Bergen befand sich eine riesige, erstaunliche Stadt.
Der Mann, der sie hierhergeführt hatte, sagte:
„Da du in die Stadt gekommen bist, geh und sieh nach, ob du hier Bekannte hast. Ich aber werde über diese Brücke gehen, und du komm ebenfalls dorthin.“
Nachdem er dies gesagt hatte, ging er fort.
Sie dachte: „Vielleicht kenne ich dort jemanden“ – und trat in die Stadt ein. Dort gab es, wie in einem Ameisenhaufen, eine riesige Menge von Männern und Frauen. Einige von ihnen sahen gut aus und trugen gute Kleidung, andere hatten ausgezehrte, aschfarbene Körper und schlechte Kleidung, doch alle klagten über Leiden. Ihre Gesichter waren finster, einige weinten. Da begann sie am ganzen Körper zu zittern und dachte: „Wird mir das etwa auch widerfahren?“ Und unter dieser Vielzahl von Menschen befand sich ihr Hirte Etigel. Als er sie bemerkte, rief er aus: „Ah, ältere Schwester, auch du bist hierhergekommen.“ Sie sagte: „Ja, und du bist auch hier?“ Er sagte: „Ja, auch ich leide hier.“ Sie fragte: „Wie heißt diese Stadt? Warum werden in ihr so viele Menschen gequält? Und was befindet sich hinter der Brücke?“ Doch da sagte irgendein Mann: „Komm schnell mit mir dorthin!“

Als sie sich entschloss, mit ihm zu gehen, teilte jener Mann mit:
„Dies wird der Zwischenbereich des Aufenthalts der Seele für jene genannt, die in der Menschenwelt verstorben sind. Bei einigen der hier Angekommenen ist die Lebensspanne erschöpft. Während 7 Tagen warten sie hier, während für sie die 49-tägigen Gedenkriten vollzogen werden. Andere hingegen, obwohl sie das Maß ihres Lebens noch nicht erschöpft haben, wurden irrtümlich von den Dienern, den Geistern Yamas, hierhergebracht. Sie warten, bis man sie von hier fortschickt, bis zu 10, 15, 20 und 30 Jahre lang. Diejenigen, die gut aussehen, die Nahrung und Kleidung haben, haben in ihrer früheren Geburt um der Höheren willen den Drei Juwelen Darbringungen dargebracht und den Niederen Almosen gegeben, das heißt Almosen an Bettler und andere. Ihre Angehörigen und Freunde beteten und brachten jedem Lehrer eine Darbringung dar und erfüllten damit kleine, mittlere und große Tugend. Wenn die Handlungen jeden Tag mit Gebeten ausgeführt werden, vermehren sie sich mehr als 100- und 1000-fach. Diejenigen aber, die schlecht aussehen, haben zu Lebzeiten keine Verdienste vollbracht und keine Verdienste angesammelt. Nach ihrem Tod brachten die Verwandten keine Darbringungen dar, und wenn sie auch ein wenig Opfergaben darbrachten, so erfüllten sie doch nicht die notwendigen guten Wünsche und vermehrten sie dadurch nicht. Obwohl jene, die keine guten Taten vollbracht haben, hier lange verweilen werden, wird dies ihre Schuld nicht sühnen. Bei einigen ist die Lebensspanne beendet, und hinter dieser Brücke weilen Yama (hier wird sein anderer Name genannt – Erlik Nomun-khan) und sein Gefolge, der Herr der Hölle, der gerechte König. Bei denen, die dorthin gelangen, werden Sünden und Tugenden berechnet. Diejenigen, die selbst Gutes vollbracht haben oder für die die Verwandten gute Taten vollzogen haben, werden befreit und zu höheren Wiedergeburten geschickt. Diejenigen aber, die gesündigt haben und deren Verwandte keine Darbringungen gemacht haben, werden brennen und kochen und unvorstellbare Leiden erfahren.“
Dieser Mann sagte:
„Ich selbst wurde Tag und Nacht gequält, indem ich darüber nachdachte, was wohl mit mir geschehen werde. Früher, als ich hier ankam, erschien einer der Geister Yamas und sagte: ‚Deine Lebensspanne ist nicht beendet, daher ist es noch nicht Zeit, vor dieses Gericht zu kommen; kehre zurück und warte‘, deshalb befinde ich mich hier. Nun, Schwester, geh und erfahre, was der Herr Yama und seine Vertrauten sagen werden. Wenn sie ebenfalls befehlen, hier zu bleiben, kehre zurück.“
Als sie solche Worte gehört hatte, fürchtete sie sich, und dann, nachdem sie die Brücke betreten hatte, sah sie auf dieser Brücke einen Menschen auf dem Rücken liegen, mit ausgestreckten Armen und Beinen. Von oben wurde er von einem heiligen Buch von der Größe einer Stadt niedergedrückt. In seinen Mund goss man geschmolzenes Gusseisen, und sie fragte den Mann, der sie begleitete: „Und welche Sünde hat er begangen?“ Dieser Mann antwortete:
„Dieser stahl, als er in der Menschenwelt weilte, Dinge von anderen, doch indem er ein heiliges Buch in den Händen hielt, schwor er, dass er nicht stehle. Dafür, dass er gestohlene Nahrung aß, wird er hier bestraft, indem man ihm geschmolzenes Gusseisen in den Mund gießt. Und für das Töten lebender Wesen wird er später bestraft werden.“
Das Gericht des Herrn Yama
Als sie, wie ihr befohlen worden war, ans andere Ufer ging, sah sie im Inneren eines riesigen Palastes den Herrn der Hölle, Yama, auf einem großen goldenen Thron. Sein Körper war von gelber Farbe, seine Hände befanden sich in der Haltung der Versenkung, auf dem Kopf trug er eine Kopfbedeckung, und er war in heilige Gewänder gekleidet, die mit dem Bild einer Patra geschmückt waren. Ringsum waren seidene Vorhänge gespannt, darüber ein seidener Baldachin. Vor ihm waren zahlreiche verschiedene Opfergaben niedergelegt.
Zu seiner Rechten hielt ein Geist mit Stierkopf einen Spiegel, auf seiner linken Seite hielt ein Geist mit Affenkopf eine Waage. Vor ihm saß ein Geist mit Schafskopf und hielt ein Buch. Auch andere Dienergeister von verschiedenem Aussehen waren hier, mit unterschiedlichen Köpfen, aufgerissenen Mäulern, entblößten Fangzähnen und Augen von der Größe von Sonne und Mond. In ihren Händen hielten sie furchterregende Waffen — Speere, Schwerter, Bögen, Pfeile, Äxte, Beile, Haken, Sägen, Hämmer, Säbel, Nägel, Zangen und eine unzählige Menge Messer. Und sie alle schrien: „Pack ihn! Pack ihn! Töte! Töte! Ha! Ha! Ho!“ Sie stießen das Knurren wilder Tiere aus, sprangen umher und gerieten in Raserei.

Vor ihnen erwarteten in großer Furcht 300 Männer und Frauen das Gericht. Unter ihnen befand sich ein großer, sonnenverbrannter Mann mit nach vorn vorstehenden Zähnen, gekleidet in einen Filzmantel und einen Pelzumhang. In den Händen hielt er eine Gebetskette und rezitierte ein Mantra.
Das Verhör des Gerechten
Der Herrscher fragte ihn:
„Als du in der Welt der Menschen weiltest, hast du die Einweihung in die Lehre von der geheimen Dharani erhalten, hast du die Texte gelesen, während du den Körper des Buddha kontempliertest? Hast du in deine Seele geblickt? Hast du, ohne dich zu täuschen, auf dein Gesicht geschaut? Das Verständnis der Unwirklichkeit und Illusionshaftigkeit aller Erscheinungen ist die Grundlage für das Erwachen. Erzähle, wie hast du gehandelt?
Jene, die die Drei Juwelen verehrten, heilige Texte abschrieben und lasen, dem Klerus Speise darbrachten, die Wohltaten von Vater und Mutter vergolten, den Bettlern Almosen gaben, Gebete lasen, die keinen schlechten Ruf haben, das Leben der Lebewesen schützten, indem sie ihr Töten vermieden, großes Mitgefühl gegenüber anderen zeigten, mit Körper, Rede und Gedanken den Schwachen halfen und danach strebten, Gutes zu vollbringen, gelangen in den folgenden Wiedergeburten zu höheren Wiedergeburten. Dies sind die grundlegenden Bedingungen für das Erlangen des Wohlergehens der Himmelswesen. Sprich, wie hast du gehandelt?
Erzähle auch, wie hast du dich von körperlichen Sünden gereinigt? Hast du Pilgerfahrten unternommen, hast du ein asketisches Leben geführt und gefastet? Hast du nicht deinen Vater und deine Mutter getötet, die deinen Körper erschaffen haben? Hast du nicht den Lehrer getötet, der deine Seele erschaffen hat? Hast du Mönche und Novizen nicht zum Abfall vom Glauben gezwungen? All diese großen Sünden sind die Ursache von Leiden im Bereich der Hölle, der Pretas und der Tiere.“
Dann setzte er das Verhör fort:
„Hast du einen Eid gebrochen, indem du in einen falschen Zustand verfielst, die Seelen des Lehrers oder der Freunde verwirrtest, hast du Unschuldige gequält, hast du eine große Sünde begangen, indem du fromme Männer und Frauen schlugst und beraubtest? Hast du Lügen gesprochen, Verleumdung, hast du grobe Worte ausgesprochen, leeres Geschwätz geführt, dir angeeignet, was man dir nicht gegeben hatte? Hast du getötet, hast du verkehrten Geschlechtsverkehr gehabt? Hattest du neidische und gierige Gedanken, hast du falschen Ansichten angehangen? Sind falsche Ansichten aus Unglauben an die Lehre entstanden? Hast du verschiedene Lehren missachtet?“

Und dieser Mensch sagte:
„Ich war sehr fromm. Man nennt mich ‚Der durch die Kraft der Verdienste seine Macht Mehrende‘. Ich erwies den Schwachen stets Barmherzigkeit, rezitierte seit meiner Kindheit ein Mantra, wollte Mönch werden, doch Eltern und Verwandte erlaubten es nicht. Obwohl ich heiratete, empfing ich, wenn irgendein Lehrer ins Haus kam, ihn zum Nutzen anderer, geleitete ihn hinaus, erwies ihm nach meinen Möglichkeiten Ehrerbietung und half ihm auf jede Weise. Ich hörte viele Unterweisungen und Predigten, erhielt viele Einweihungen, hatte aber wenig freie Zeit, um über sie nachzudenken.
Damit vor der großen Buddha-Statue eine Öllampe aufgestellt werde, schickte ich 2 Ziegel Tee. Ich brachte der Mönchsgemeinschaft eines Klosters Tee dar. 20 Jahre lang gab ich einem Einsiedler, der sich in einer Berghöhle der Versenkung hingab, seinen Lebensunterhalt. Als er starb, spendete ich einen Ziegel Tee und sprach die entsprechenden Segenswünsche. Damit die Sutra des glücklichen Kalpa abgeschrieben und 1000 Mal gelesen werde, spendete ich der Gemeinde Gold, ein Pferd, 2 Ziegel Tee und vollbrachte eifrig den Segenswunsch.
Durch Opfergaben bereitete ich dem Lehrer Freude, ehrte und half meinem Vater und meiner Mutter auf jede erdenkliche Weise, vollbrachte genügend gute Taten, um nach dem Tod nichts bereuen zu müssen. Niemals verspottete ich Menschen; da ich keine Feinde habe, fügte ich niemandem Böses zu. Ich stahl nicht, raubte nicht, hegte keine Feindschaft. Von meinem 13. Lebensjahr an und bis zu meiner Ankunft hier las ich täglich die Hymne an Manjushri. Ich rezitierte das Mantra 10.000 Mal ohne Unterbrechung. Als der Lehrer eintraf, der das Mantra rezitierte, brachte ich ihm ein Stück Seide dar, schrieb auch die Segenswünsche ab und überreichte sie ihm.

Das sind meine Verdienste. Was aber die Sünden betrifft, so habe ich das Fleisch vieler getöteter Tiere als Nahrung verwendet, doch ich selbst habe nicht getötet. Das sind im Wesentlichen all meine guten Taten und Sünden. Geruht, darüber zu urteilen.“
Das Wiegen der Taten
Der Herr der Hölle sagte: „Prüft im Spiegel und im Buch, ob alles, was er gesagt hat, wahr oder falsch ist.“ Die Geister mit den Köpfen eines Stiers und eines Affen sahen nach und sagten: „Was die guten Taten betrifft, so erfüllte er schon in der Kindheit nacheinander 2 Fasten und 3 Gelübde, rezitierte unzählige Male das Mantra. Alles Übrige, was er erzählt hat, ist wahr. Was aber die Sünden betrifft, so stahlen sie zu dritt einen großen Yak und warfen das Los, wer töten sollte. Das Los fiel auf ihn, und er tötete das Tier.“
Kaum war dies gesagt, erschien vom Himmel ein weißer Mensch und teilte mit: „Dieser Mensch hat eine unvorstellbare Vielzahl guter Taten vollbracht, Sünden aber gibt es an ihm nicht einmal in der Größe eines Sesamkorns. Man kann ihn in den heiligen Bereich des Buddha senden; für ihn ist das Wohlergehen der Himmelswesen und Menschen nicht ausreichend. Hier ist die Menge der guten Taten, die er in früheren Leben angesammelt hat.“ Und er schüttete einen Haufen weißer Steine von der Größe eines Hauses auf. Doch zugleich traf auch ein schwarzer Mensch ein.
Der weiße Mensch ist die Verkörperung seiner Verdienste, sein feiner Teil, die innere Schutzgottheit. Der schwarze Mensch verkörpert die Kraft seiner Sünden, das unreine Karma.
Dieser schwarze Mensch sagte: „Dieser Mensch hat im Laufe seiner unzähligen Wiedergeburten viele Sünden angesammelt. Er kann nicht einmal das Wohlergehen der Himmelswesen und Menschen erlangen; für ihn gibt es keinen anderen Ort als die Hölle. Hier sind die Sünden, die er in einem früheren Leben angesammelt hat.“ Mit diesen Worten schüttete er einen Haufen schwarzer Steine von der Größe von 10 Handvoll auf.
Daraufhin wurden die schwarzen und weißen Steine gewogen; die guten Taten schienen schwerer und zahlreicher, die Sünden leichter und geringer an Zahl. Als mitgeteilt wurde, dass durch die Kraft der guten Taten die Sünden gereinigt worden seien, befahl der Herr Yama: „O! Du wirst Glückseligkeit erlangen, indem du einen menschlichen Körper erhältst und durch das Vollbringen neuer Taten, eine besser als die andere, viele Tugenden ansammelst. Da der Körper eines Menschen sogar besser ist als der Körper eines Himmelswesens, werde ich dich senden, damit du, wie es vom Schicksal vorherbestimmt ist, als Sohn eines Reichen wiedergeboren wirst und, nachdem du den Weg des heiligen Glaubens betreten hast, für immer in die höchsten Bereiche aufsteigst. Und nun geh diesen gelben, bunten Weg entlang.“

Jener Mensch sprach: „Wenn es hier einen Menschen gibt, der in die Welt der Menschen gehen soll, möge er allen sagen, dass sie nach Tugend streben und sich der Sünde enthalten sollen. Diejenigen, die ein schlechtes Schicksal haben, werden sich nicht von Leiden befreien. Diejenigen, die ein gutes Schicksal haben, werden emporgehoben und zu höheren Wiedergeburten gesandt werden.“
Das Verhör des Sünders
Auf ähnliche Weise wurde noch ein anderer Mensch verhört, und dieser erzählte: „Ich wusste nicht, dass bei denen, die hierherkommen, Sünden und Tugenden so genau gezählt werden. Da ich kein überschüssiges Eigentum und keine überschüssige Nahrung hatte und auch meine Frau nicht besonders fromm war, gab ich außer den üblichen Abgaben für andere Opfergaben nicht allzu viel. Ich konnte mit Körper, Rede und Gedanken keine guten Taten vollbringen. Als ich noch die Möglichkeit hatte, erhielt ich vom Lehrer außer der anfänglichen keine weiteren Einweihungen. Meine Frau erlaubte nicht, den Pilgern Almosen zu geben, die an unsere Tür klopften. Schuldig bin ich am Töten von Fischen, die für den Lebensunterhalt für zwanzig Tage ausreichten, sowie von 20–30 Hausvögeln, Schweinen, Schafen und Ziegen. Unter dem Einfluss schlechter Gefährten nahm ich an der Beraubung eines Mannes und einer Frau teil. Jetzt bereue ich es zwar, doch es ist schon zu spät.“
Als er dies unter Tränen erzählt hatte, schlug er sich an die Brust und zitterte; die Geister, die Messer hielten, brüllten: „Ha! Ha! Ho!“ Sie pfiffen, brüllten und sprangen, bereit, sich auf ihn zu stürzen. Und selbst diese Frau, Chuytzhit Dakini, die alles beobachtete, bekam ebenfalls Angst.
Yama befahl: „Nach dem zu urteilen, was er erzählt hat, ist seine Tugend gering. Prüft, ob es wahr ist, dass er keine anderen Sünden auf sich geladen hat.“ Wie zuvor blickten die Geister in das Buch und in den Spiegel und sagten: „Ha! Wenn du außer diesen keine anderen Sünden hättest, könntest du der Strafe entgehen. Die von dir getöteten Fische lassen sich nicht zählen. Sieh selbst im Buch nach. Du hast viele Vögel, Schweine, Schafe und Ziegen gefangen und getötet. Sieh, du selbst hast 29 Vögel, 50 große Schweine und Ferkel, 43 Schafe, Kühe und Yaks getötet. Sieh, während du in den Bergen Schlingen legtest und wilde Tiere jagtest, hast du mehr Ameisen und andere Insekten verbrannt, als Körner in einer Gerstenähre sind. Ihr vier habt euch zusammengetan und, wenn ihr konntet, Pilger zu heiligen Stätten überfallen und beraubt, und wenn ihr es nicht konntet, habt ihr sie bestohlen. Sieh selbst in das Buch und in den Spiegel.“
Als dies berichtet wurde, gebot der Herr Yama: „Ja, du bist genau derjenige, der, ohne Verdienste angesammelt zu haben, ein schlechtes Schicksal erlangen wird. Dafür, dass du im vergangenen Leben schlechte Taten begangen hast, um Nahrung und Kleidung zu erlangen, wirst du in einer ewigen Reihe von Wiedergeburten Qualen leiden. Dass du, der du ein verdorbenes Herz hast, Pilger und Betende überfallen und beraubt und ihnen Schaden zugefügt hast, ist eine größere Sünde als die, dass du, ohne Erbarmen mit dir selbst zu zeigen, die 5 unauslöschlichen und ihnen ähnlichen Sünden begangen und Lebewesen getötet hast. Führt ihn dafür in die Hölle derer, die wieder sterben und wieder lebendig werden, in die Hölle der geraden Linien, in die alles zusammen zerstörende Hölle und in die übrigen 8 heißen und 8 kalten Höllen. Dafür, dass er sündige und gestohlene Nahrung gegessen hat, gießt ihm kochendes, glühendes Gusseisen in den Mund.“

Als ein solcher Befehl erteilt worden war, erschien ein weißer Mensch und sagte: „Was hat er denn getan, dass man ihn nicht zu höheren Wiedergeburten, sondern in die Hölle schickt? Hier ist die Menge der Verdienste, die er in dieser Geburt angesammelt hat.“ Und er schüttete 10 Handvoll weißer Steine auf einen Haufen. Auch ein schwarzer Mensch traf ein und sagte: „Es ist unmöglich, die unvorstellbare Menge an Sünden aufzuzählen, die er im Laufe unzähliger Wiedergeburten angesammelt hat. Hier sind die Sünden, die er in diesem Leben angesammelt hat“, sagte er und schüttete einen Haufen schwarzer Steine von der Größe eines Berges auf. Für ihn gibt es keinen anderen Ort als die schreckliche Hölle.
Als einige Geister diesem Menschen eine Schlinge um den Hals warfen und andere sein Herz mit Haken ergriffen und ihn in die viereckige eiserne Stadt führten, sprach dieser Mensch: „Wenn hier jemand ist, der in die Welt der Menschen geht, dann möge er den Menschen sagen, dass sie keine Sünden begehen sollen wie ich, sonst wird für sie die Stunde der Befreiung von den Leiden nicht kommen.“
Das Verhör des Mönchs-Heilers
Dann wurde auf dieselbe Weise ein Mönch verhört, der auf dem Rücken einen Ledersack mit Arzneien trug. Und er sagte: „In der Welt der Menschen war ich Arzt. Ich war reich, und da ich um Nutzen und Schaden guter und sündiger Taten wusste, ließ ich um meines Verdienstes willen ein Sutra mit goldener Tinte abschreiben und es mehr als 1000 Mal vorlesen. Dafür brachte ich dem Schreiber und dem Vorleser einen Yak, eine Kuh, einen Helm, ein Schwert und sechs Maße Gerste dar. Dem Menschen, der das Ritual 500 Mal gelesen hatte, spendete ich 2 Panzer, 3 Pferde, 17 Yaks, 2 Ackerfelder und sprach die notwendigen Segenswünsche aus. Ganz gleich, wer an meine Tür kam, ob Mann oder Frau, keinem verweigerte ich eine Gabe. Ich selbst las ununterbrochen die ganze Zeit Hymnen, las viele Male Gebete, war nicht gierig und erhielt nichts über das hinaus, was man für die Behandlung gab. Ich half vielen Lebewesen. Wenn man mich zu einem kranken Menschen rief und ich helfen konnte, machte ich mich sofort auf den Weg, um Hilfe zu leisten, damit er nicht sterbe, und tat dies aus guten Beweggründen. Ich wandte keine ungeeigneten Arzneien und Behandlungsmethoden an. Ich hoffe, dass meine Frau und mein Sohn nach meinem Tod große Opfergaben darbringen werden. Was die Sünden betrifft: Da ich mich in der vergänglichen Welt befand, haben in meinem Haus andere Menschen viele Haustiere getötet. Ich selbst aber habe anderen Wesen nicht das Leben genommen.“
Wie zuvor blickten die Geister in den Spiegel und in das Buch und berichteten: „Was die guten Taten betrifft, so ist alles richtig; was aber die Sünden betrifft, so wurdest du, als dein Verwandter namens Dzodur erkrankte, eingeladen, ihn zu behandeln. Aus Gier nach seinem Besitz gabst du ungeeignete Arzneien. Indem du die Krankheit 8 Monate lang hinauszögertest, zehrtest du sein Vermögen auf. Danach aber gabst du eine nützliche Arznei, und jener starb nicht, sondern wurde gesund. Dafür, dass du durch das Hinauszögern der Krankheit einen guten Panzer an dich gebracht hast, wirst du bestraft werden. Außerdem hast du selbst in deinem Haus 175 Kühe und Schafe getötet.“

Wie zuvor zählten die Geister die weißen und schwarzen Steine und berichteten, dass es viel mehr weiße Steine gab. Als man sie jedoch wog, stellte sich heraus, dass die Sünden schwerer wogen, obwohl es mehr gute Taten gab. „Ja“, sprach der Herrscher Yama, „hättest du jenen Kranken nicht schlecht behandelt, hättest du den Körper eines Himmelswesens oder eines Menschen erlangt. Nun aber zwingt ihn ständig, kochendes vergiftetes Wasser zu trinken. Schlagt 1000 eiserne Nägel in seinen Körper. Wenn er sein Vergehen gesühnt hat, wird die Tugend gewichtig werden und die Sünden werden leichter; dann werde ich ihn nach oben schicken.“
Kaum hatte der Herrscher Yama seinen Befehl erteilt, da hakten die Geister das Herz des Sünders mit Haken ein und führten unter Rufen: „Töte! Pack ihn! Pack ihn!“ jenen Menschen fort, der sagte: „Wenn hier jemand ist, der in die Welt der Menschen geht, soll er den Ärzten ausrichten, dass sie keine untauglichen Arzneien geben sollen. Diese Sünde und ihre Folgen sind sehr groß.“
Unterweisung über die Wichtigkeit der Praxis
Es ist also nicht alles so einfach. Nicht alles ist nur Advaita. Für den einen ist es Advaita, für den anderen aber Haken im Herzen. Für den, der sich an Advaita erinnern und alle Energien als seinen eigenen Geist erkennen kann, wird die Schau des klaren Lichts sein. Wer das jedoch nicht vermag, wird alles in vollem Umfang erfahren. Deshalb soll man mit großem Eifer und Hingabe praktizieren und sorgfältig auf das Verhalten sowie auf die Einhaltung aller Gebote und Gelübde achten.


