Wohin ist Ihr Geist gerichtet: das Gesetz des Karmas und die Befreiung
04.06.2026
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Kommentar zum Text „Gorokh-bijoy“ („Der Sieg Gorokhs“)
„Mit jedem Tag schwindet die Jugend.
Der unglückliche Ehemann versteht nichts und zähmt in seinem Haus eine Tigerin.
Wenn der Tag anbricht, bezaubert die Tigerin die Welt.
Die Nacht wird kommen und alle Säfte aus dem Körper saugen.
Die Tigerin hat den Topf mit Milch gestohlen und kocht sie,
und der Kater sitzt daneben und wartet!
Die beste Milch ist auf die Erde vergossen, am Himmel blieb der Krug!
Am Berghang fließt ein Bach, darin schwimmt der Dariputi gegen die Strömung.
Vom Hunger gequält quakt der Frosch, acht Säcke hat er sich auf den Rücken geladen!
Der blinde Bruder singt ein Lied, der lahme Bruder hört zu,
der fingerlose Bruder spielt die Trommel!
Welcher Fisch, o Lehrer, zieht denn gegen die Strömung im Ozean, läuft fröhlich und tummelt sich?
Sei vorsichtig sowohl am letzten als auch am zehnten Tag des Mondmonats.
Durch den Atem der Tigerin schwindet allmählich das Leben.
Und zwölf Monate des Jahres wirst du an einem einzigen Tag durchleben!
Erst wenn du das Antlitz des Lehrers schaust, wirst du die Wahrheit erkennen!
Indem du die geheimen Riten vollziehst, wirst du links den Wind erkennen.
Wenn du das Bewusstsein zügelst, wirst du das Leben bewahren.
Verschwende niemals deinen eigenen Mond,
denn eine Lebensspanne von zwölf Jahren kann man an einem einzigen Tag durchleben.
Höre, höre die Unterweisungen über das Glück!“
„Sag, worin ist das Leben aller Wesen beschlossen?
Durch welchen Kanal kommt das Prana, durch welchen geht es fort?
In welcher Verbindung offenbart sich der Atman?
Unter welchem Zeichen gedeihen Wasser und Krug?
Wovon nährt sich der Wind, während er im Himmel weilt?
In welchem Augenblick verschwindet das Bewusstsein im Atman?
Welcher Mensch erweckt im Schlaf die Vernunft?
Wo lebt das Bewusstsein, wo der Wind? Wo wohnen die fünf Wesenheiten, die Tattvas?
Welche Klänge ertönen außen und innen unaufhörlich?
Wo entstehen sie, wo befinden sie sich?“
Nachdem Gorokh dies gesagt hatte, verneigte er sich und faltete betend die Hände. Nachdenklich rief Min aus: „O Gott, o Gott!“
Lachend sagte Min: „O, welch große Worte! Tattva und Linga sind unsichtbar, warum fragst du also dergleichen?“
Erzürnt sprach König Min ein Wort: „Warum bist du selbst der Schüler und belehrst mich so?“
Lachend antwortete Gorokh: „Du bist groß, doch in Yoga bist du unwissend geworden. Zuerst wollen wir, o Lehrer, über den Körper sprechen. Woher wurde der Körper erlangt? Woraus entsteht er?
Zweitens wollen wir, o Lehrer, über das sprechen, was für diesen Körper am nötigsten ist. Welcher Mensch betet, und welches Gebet nennen wir unaussprechlich?
Drittens erzähle, nachdem du darüber nachgedacht hast, von der fünftönigen Musik, die der Wächter spielt.
Viertens wollen wir darüber sprechen, wo sich Srihat befindet. Verkünde alle Wahrheiten, großer Mann!
Fünftens wollen wir darüber sprechen, wo man das unaufhörliche Donnern hören kann. Wiederhole alle Wahrheiten, die ich dir offenbart habe.
Als Sechstes erzähle vom Allerhöchsten, in welchem Tempel Er wohnt und welche Gestalt er hat.
Als Siebtes wollen wir über das Wesen des Samsara sprechen. Für welchen Menschen bist du Lehrer, und wessen Schüler bist du selbst?
Als Achtes wirst du mir noch von etwas erzählen: Durch welche Kraft werden Wasser, Erde und Himmel zusammengehalten?
Als Neuntes nenne die Merkmale des Windes. Was verzehrt der Wind, da er doch selbst die allgemeine Nahrung ist?
Als Zehntes sage: Denn der Tod geht an niemandem vorüber; wenn die Lampe erlischt, wohin verschwindet das Licht? Wenn es sich vom Körper trennt, wohin geht das Prana? Offenbare, o Herr Min, den hohen Sinn davon!
Als Elftes berichte vom Wort: Wenn das Wort erklingt, wohin geht der Klang?
Als Zwölftes berichte von dem Wunder. Bei der Vernichtung welches Körpers gibt es keinen Schmerz?
Als Dreizehntes erzähle von der höchsten Tat, die Schlaf genannt wird, und wer aus dem Schlaf erweckt?
Als Vierzehntes berichte vom Ort der Mutter und des Vaters. In welcher Welt weiltest du früher? Woher wurdest du geboren, wo befandest du dich in Ruhe? Und welche sieben Körper erschufen dich?
Als Fünfzehntes berichte vom Grund der Schöpfung, erzähle von Adya, von den Gegenständen der Schöpfung.
Als Sechzehntes frage ich, und du antworte, Herr: Was wird Tausendblättriger Lotus genannt, und wie ist er?
Als Siebzehntes frage ich, höre aufmerksam zu, erzähle vom Grund der Vereinigung der großen Wesen.
Höre meine achtzehnte Frage, Lehrer! Erkläre mir, was für ein Mensch du bist?
Als Neunzehntes berichte auch, Gerechter, in welchem Tempel sich das befindet, was Bewusstsein genannt wird?
Als Zwanzigstes berichte, wo sich das Bewusstsein befindet? Wo befindet es sich und wovon nährt es sich unveränderlich?
Als Einundzwanzigstes berichte, Lehrer, vom Licht des Bewusstseins. Woher dringen die Düfte von Sandelholz und Wohlgerüchen?
Als Zweiundzwanzigstes berichte, Herrscher der Min, wohin das Bewusstsein geht, wenn der Schlaf kommt?
Als Dreiundzwanzigstes berichte: Als du im Mutterleib warst, welche Götter befanden sich in deinem Körper?
Als Vierundzwanzigstes werde ich Worte sprechen, die für Uneingeweihte beschämend zu hören sind: Wann sind Mutter und Ehefrau, Bruder und Sohn ein und dasselbe?
Als Fünfundzwanzigstes berichte noch eine Wahrheit, o Asket! Mit wem vereinigt sich der Mond bei Neumond?
Als Sechsundzwanzigstes erzähle unbedingt vom Abschlagen des Kopfes bei Rahu. Es wird gefragt: Wann geschieht dies und wann nicht?
Als Siebenundzwanzigstes berichte, um mich zu belehren, wo das Bewusstsein geboren wird, wo es sich bewegt?
Als Achtundzwanzigstes berichte noch von einer Wahrheit: Wer tut beständig Gutes, wer begeht Sünde?
Als Neunundzwanzigstes berichte noch von einem, o Großweiser! Woher wird der Körper geboren, wo ist sein Ort?
Als Dreißigstes frage ich, höre also die Frage: Was wird Bewusstsein genannt, was Wind?
Als Einunddreißigstes berichte von dem, was ich dich fragen werde: Wer will essen, und wer will sich vereinigen? Wann überwindet Anadi Zeit und Tod? Welcher kosmische Körper zeigt die Anzeichen dafür?»
«Aus Chhaya erscheint der Körper, aus dem Körper – das Bewusstsein.
Als Chhaya zum Körper wurde, wurde Shiva zu Shakti.
Als Zweites wisse: Das unaussprechliche Mantra ist die Essenz der vier Veden.
Ein Wesen, das es beständig wiederholt, kennt den Tod nicht.
Drittens höre von den fünf Körpern und den Sinnesorganen,
aus denen die Gemächer errichtet sind, drei Angula lang.
Wenn in jenen Gemächern Hara und Gauri weilen,
erklingt dort unveränderlich ein fünftöniges Instrument, läutet ein Glöckchen.
Der Siddhi beruhigt das Bewusstsein, indem er sich in Betrachtung versenkt.
Setze Khemai als Wächter ein, und du wirst dich selbst erkennen,
du wirst im Haus Sonne und Mond festhalten, du wirst hören, wie fünftönige Musik spielt.
Als Viertes höre von der Bestimmung des Srihat.
Höre also aufmerksam! Es schützt die himmlische Stadt.
Als Fünftes berichte ich von dem, was im Gefäß von unten nach oben aufsteigt,
aufsteigt, nachdem es sein Haus verlassen hat.
Als Sechstes höre vom Allerhöchsten!
Er existiert in Gestalt und ohne Gestalt – das ist Sein Wesen!
Er erfüllt die Welt mit sich selbst, während Er im eigenen Körper weilt.
Es ist unmöglich, Ihn zu erblicken, obwohl Er in der Nähe ist.
Als Siebtes höre, ich werde von der Bestimmung des Lehrers berichten!
Wisse also: Allein der Guru ist Wahrheit im unwahren Samsara.
Der Allerhöchste ist die Manifestation und das Wirken der drei Gunas:
wisse, ihm gleicht der Lehrer.
Der Guru wird gehärtet wie Gold im Feuer des Wissens.
Ein Tor wird vom Weg abkommen, doch der Lehrer wird ihn auf den rechten Pfad weisen.
Als riebe er Stein an Stein und schlüge das funkelnde Feuer der Weisheit heraus.
Er ist wie Niranjana, der sich im Körper befindet.
Geh und verehre die Füße des Lehrers!
Als Achtes werde ich von Wasser und Festem berichten.
Das Leben bewahrt, erfüllt, den Körper beruhigt der Wind.
Als Neuntes erzähle ich, höre, von der Bestimmung des Windes:
indem der Wind den Körper mit Wohlgeruch erfüllt, bewahrt er darin das Leben.
Als Zehntes erzähle ich, wie der dreifache Herd brennt.
Höre, Gebieter, Lehrer Mochondor!
Ist kein Wind im Körper, bedeutet das für den Körper den Tod.
Feuer strömt zum Feuer, Wasser zum Wasser, die Erde bleibt in der Erde – wisse, dies ist die Wahrheit!
Zu Asche, zu Staub geworden, wird dein Körper verschwinden.
Das Bewusstsein ist ein wunderbarer Wagen, der Wind aber ist sein Wagenlenker.
Auf ihm sitzend eilt die graue Gans rasch dahin.
Der Wind führt den Wagen wie die Sonne.
Emporgestiegen, fliegt die beste der Gänse in die Stadt Brahmas davon.
Als Elftes höre das Urteil über das Wort:
Der Klang fliegt, um sich mit den Himmeln zu vereinen.
Als Zwölftes erzähle ich, Lehrer, von Niranjana im Körper.
Bewusstsein und Verstand sind von ihm verschieden, dies ist der Grund!
Als Dreizehntes erzähle ich, o Lehrer, vom Grund des Klanges.
Ich werde noch von Wenigem berichten, höre, Lehrer, aufmerksam!
Wenn du isst, weht der Brahma-Wind, im Herzen weht der obere Wind,
plötzlich, wie ein Seufzer, weht der Koma-Wind.
Die Ströme bewegen sich im Körper, so zittern die Blätter am heiligen Feigenbaum.
Rasch schließen sich die Augenlider. Der Kraft beraubt, wirst du schließlich zu Boden fallen. Shakti und Shiva gehen zum Allerhöchsten.
Werde dir selbst zum Wächter, um dich zu bewahren.
Naga und die anderen fünf Winde sind die wichtigsten im Körper. Wisse also, im Krug ist der Wind eingeschlossen“.
Die Kodolierinnen sprachen: „All dies ist erstaunlich, mit dem Herzen spüren wir: Wahrlich, Gorokho ist ein Heiliger!“
Die Kodolierinnen sprachen: „Er ist ein Rakshasa! Er kam, indem er durch Zauberei die Gestalt eines Yogis annahm. Sogar einen Toten vermochte er nach sieben Tagen wiederzuerwecken! Durch Täuschung will er unseren Gebieter fortführen“.
Und die Kodolierinnen umringten Mina von allen Seiten. Sechzehnhundert Kodolierinnen hielten Minonath fest.
Und Gorokho beschloss: „Ich werde das Shunya-Mantra hervorholen und sie ihres Verstandes berauben! Ich werde sie alle vertreiben, dann werde ich mich ihres Herrschers bemächtigen“.
Und wie Feuer entflammte der Yogi-Nath! Gorokhonath sprach, nachdem er Mond und Sonne zu Zeugen angerufen hatte: „Mit dem Mund esst ihr, mit dem Mund reinigt ihr euch, mit dem Mund vereinigt ihr euch auch mit dem Allerhöchsten. Der Fluch Gorokhos möge euch in Fledermäuse verwandeln! Von nun an lebt auf Bäumen, ernährt euch von Wurzeln und Früchten. Mit diesem Fluch habe ich mit euch Schluss gemacht“.
Nachdem er dies gesagt hatte, schnippte der Yogi-Nath mit den Fingern. In Fledermäuse verwandelt, flogen alle Kodolierinnen davon. Alle Kodolierinnen flogen fort und ließen Minonath zurück. Alle Kodolierinnen flogen davon, die Stadt wurde leer.
Und da sprach Min, wie es einem Lehrer gebührt. Die Verblendung verschwand, Min kam zur Einsicht, Minonath erwachte aus dem Schlaf! Min erlangte göttliches Wissen und nahm die yogische Haltung ein. Da beschloss auch Gorokhonath, die yogische Haltung einzunehmen. Sie setzten Bindunath in die yogische Haltung. So machten sie sich, nachdem sie die yogischen Haltungen eingenommen hatten, auf den Weg!
Und zu dritt erreichten sie Bhudzhiyanagor. Minonath vollzog das Ritual des Körpers, während er in der yogischen Haltung saß. Von unten nach oben lenkte der Lehrer die Pranas. So ist das göttliche Wissen!
Min erinnerte sich an die alten Unterweisungen, er erinnerte sich an alle Bija-Mantras. Wenn du dich mit dem Geist den alten Geboten zuwendest, wirst du dich allmählich mit Brahman vereinen. Minonath stärkte seinen Körper, indem er Yoga praktizierte.
„Hört, hört, ihr guten Menschen, die Erzählung von Gorokhos Siegen!
Denkt nach, blickt zurück und schaut nach vorn!
In welche Richtung ihr euch mit dem Verstand wendet, dort werdet ihr euch auch befinden!
Tausendmal verneige ich mich vor den Füßen des Lehrers!
Wisset, die Erzählung von der Unterweisung Mins ist beendet!“
Kontrolle der Ausrichtung des Verstandes
Wir werden jetzt die symbolische Sprache Gorokhonaths nicht kommentieren, denn hier gibt es so viele Fragen, dass ungefähr zwei Bände an Kommentaren zu den Fragen nötig wären, die er gestellt hat, da hier die höchsten Wahrheiten des Kundalini- und Raja-Yoga dargelegt werden. Mit der Zeit, wenn ihr die Lehre ausreichend studiert habt, werdet ihr sie nach und nach selbst beantworten können. Gorokhonath erweckte Minonath. Es heißt: „Denkt nach, blickt zurück und schaut nach vorn. In welche Richtung ihr euch mit dem Verstand wendet, dort werdet ihr euch auch befinden.“
Wer ist ein Yogin, wie sollte sich ein Mönch verhalten? Er sollte ununterbrochen kontrollieren, in welche Richtung sein Verstand gerichtet ist. Vielleicht verstehen wir nicht ganz, und am Anfang der spirituellen Praxis zeigen sich bei uns viele verschiedene Dinge, zum Beispiel fehlt der Glaube oder die Sicherheit in der eigenen Wahl. Wenn jedoch Sicherheit in der eigenen Wahl vorhanden ist, fehlt die Entschlossenheit oder Beharrlichkeit, es zeigt sich eine Neigung zum Kompromiss. Wenn Entschlossenheit oder Beharrlichkeit vorhanden ist, fehlt das richtige Verständnis. Ich sage solchen Schülern: „Denkt immer nach und blickt zurück, um festzustellen, in welche Richtung euer Verstand gerichtet ist.“
Es gibt Schüler, die, indem sie nachdenken, ihre Verwirklichung aufschieben. Jetzt wird alles entschieden. Da ihr den Weg des Dharma betreten und einen so großen Weg zurückgelegt habt, lasst die Unterweisungen nicht umsonst verloren gehen. Lasst die Lehre in euch nicht unverwirklicht bleiben. Nutzt diese kostbare Chance! Vielleicht versteht ihr noch nicht ganz, welches Glück euch zuteilgeworden ist – einer hohen Lehre zu folgen. Dennoch ist es so. Doch wenn man einer hohen Lehre folgt, ist auch der Anspruch hoch. Eine hohe Lehre unterscheidet sich von niedrigen dadurch, dass sie in einem Leben befreit. Nicht wie ein Sutra in mehreren, sondern in einem. Üblicherweise gilt, dass hohe Lehren für Menschen mit hohen Fähigkeiten bestimmt sind. Das bedeutet, dass wir, selbst wenn wir solche Fähigkeiten nicht besitzen, uns bemühen müssen, sie zu entwickeln. Niemand kann das tun außer wir selbst.
Wenn wir die Wichtigkeit unserer Praxis, die Wichtigkeit des gegenwärtigen Augenblicks nicht verstehen, erlauben wir uns, unaufmerksam zu sein. Wenn wir das Gesetz des Karma und die Reinkarnation erkennen, finden wir uns keinesfalls mit unserer Unaufmerksamkeit ab. Unsere nächste Geburt hängt davon ab, in welche Richtung unser Verstand jetzt blickt.
Beispiele karmischer Verbindungen aus vergangenen Leben
Ich hatte einen Schüler, der ein Mönch war. Ich kannte ihn auch in einem früheren Leben. Damals war er ein König, und ich war ein Yogi. Ich kam zu ihm und bat ihn um Spenden, gemäß dem Dharma jener Zeit, und manchmal predigte ich ihm. So viel ich ihm auch predigte, seine Seele blickte in die Welt. Eines Tages sagte ich zornig zu ihm: „Mein Fuß wird diesen Ort nie wieder betreten. Ich will nicht mit dir sprechen, es ist nutzlos. Du bist ein völliger Idiot! Alles, was ich sage, geht an deinen Ohren vorbei.“ So zornig ging ich von ihm fort. Dank des Karmas, das geschaffen worden war, kam er auch in diesem Leben. Dennoch vermochte er auch in diesem Leben nicht zu hören, was ich ihm sagte.
Wir haben eine Novizin, die in einem vergangenen Leben ein Prinz zur Zeit der aztekischen Zivilisation in Südamerika war. Ich stand damals auf der Seite derjenigen, die gegen sie kämpften, dennoch war die karmische Verbindung günstig. Ebenso wie in diesem Leben hatte sie in jenem Leben Angelegenheiten, Pflichten, Sorgen und Verwandte. Doch erinnert sie sich jetzt daran? Auch jener Mönch hatte in seinem vergangenen Leben ein Königreich, Frauen, Sorgen und alles Übrige. Erinnert er sich jetzt daran?
Eine der Nonnen war in einem ihrer Leben eine ägyptische Königin, und ich war mit ihr verbunden, da sie mich in der politischen Macht protegierte. Sie hing an sich selbst, an ihrem Status als Königin. Hat das jetzt eine Bedeutung? Haben jene Beziehungen, die damals bestanden, eine Bedeutung? Ja, sie haben sie. In welchem Sinne? Nur im Sinne des Dharma; in einem anderen Sinne haben sie keinerlei Bedeutung.
Ein Mönch und eine Nonne aus unserer Sangha waren in einem früheren Leben Testpiloten von Raumschiffen in der Welt der Asuras. Sie waren männliche Freunde und kamen während eines Unfalls am selben Tag ums Leben. In diesem Leben erhielt der eine einen weiblichen Körper, der andere einen männlichen Körper. Dank der alten karmischen Verbindung setzte sich ihre Anhaftung auch in diesem Leben fort. Erinnern sie sich daran?
In einem früheren Leben war ich ein spiritueller Lehrer. Über mehrere Leben hinweg war ich ein Praktizierender. In anderen Leben war ich Priester, Heerführer, Opferpriester, Wahrsager und Seher. Auf dieselbe Weise trägt jeder von euch einen Schweif vergangener Leben hinter sich. Dennoch kann ich sagen, dass dieses Leben jetzt das wichtigste ist, es ist die Kulmination. Aus diesem Leben heraus könnt ihr einen Start vollziehen und aus dem Kreis von Geburt und Tod ausbrechen. Wenn ein solcher Start jedoch nicht gemacht wird, wird es neue Geburten, neue Körper und neue Unwissenheit geben. Deshalb ist dieses Leben das wichtigste. Alles hängt davon ab, in welche Richtung ihr euren Geist wendet. Wohin ihr euer Bewusstsein richtet, worauf ihr es fixiert, dort wird auch eure nächste Geburt sein – das ist eine Tatsache, das ist das unerbittliche Gesetz des Karma.
Das Gesetz des Karma und die Richtungen der Wiedergeburt
Wer den Leidenschaften unterworfen ist, wird in die Welt der Leidenschaft gelangen und sie weiter befriedigen. Wer Anhaftungen unterworfen ist, wird in die Welt der Anhaftungen gelangen, wo er wieder zwischen Zuneigung und Abneigung sein wird. Wer Tamas und Unwissenheit unterworfen ist, wird in die Welt des Tamas gelangen, gleichsam in die Finsternis, in einen unklaren, dumpfen Zustand. Vielleicht in den Körper eines Tieres. Wer von Ebenen der Klarheit, von subtilen Zuständen ergriffen ist, wird in die Welt subtiler Zustände gelangen, ein Deva werden, Yantras und schöne Paläste, erlesene Landschaften betrachten, schöne Melodien hören, sich jedoch in einem Zustand der Nicht-Befreiung befinden.
Wer von der Tendenz der Asuras ergriffen ist, wird in die Welt der Asuras gelangen, in einer Welt schneller, wilder, dynamischer, aktiver Energien geboren werden, wenn ihre Kraft so beschaffen ist, dass nicht einmal Zeit bleibt, an den Dharma zu denken. Derjenige von euch, der die Bewusstheit der Präsenz verwirklicht, wird in die Welten der Bewusstheit und Präsenz gelangen, wo er Klarheit und einen den Göttern ähnlichen Körper haben wird. Wer den Zustand der formlosen Dhyānas verwirklicht, wird in die Welt der formlosen Dhyānas gelangen; er wird nicht befreit werden, sondern sehr lange als unendliches Bewusstsein leben, ohne einen Körper zu haben. Er wird keinen Körper mehr im Samsara oder in der Welt der Formen erhalten, er wird einen Körper haben, der dem Raum des Bewusstseins gleicht. Dennoch wird er nach einiger Zeit wieder hinabsinken, wenn sein Samadhi erschöpft ist.
Wer das Samadhi des 1., 2., 3. und 4. Dhyāna erreicht und sich in diesem Samadhi festigt, wird als Gott in der Welt der Form wiedergeboren und sich in himmlischen Wohnstätten an wunderschönen Gestalten erfreuen. Dennoch wird er von seinem Dhyāna-Zustand berauscht sein. Wenn dieser jedoch erschöpft ist, wird er, wie ein in den Himmel geschossener Pfeil, hinabsinken und erneut einen Körper in der Welt der Menschen oder in anderen Welten erhalten.
Wer die Dhyānas übersteigt und den wunderschönen Zustand der nichtdualen Präsenz entfaltet, wird frei von allen Welten und von keiner von ihnen ergriffen sein, er wird zu Brahman selbst werden. Er kann den Körper eines Gottes erhalten, doch es wird kein gewöhnlicher Körper sein, er wird vollständig erwacht sein. In welcher der Welten er sich auch befinden mag, sein Bewusstsein wird das Bewusstsein des Erwachens sein, und sein Körper wird der Körper einer Gottheit sein. Das ist das Gesetz des Karma. Wir können nur das erhalten, was wir in unser Bewusstsein aufnehmen.
Methode der Unterweisung: das Verwerfen von Illusionen und Anhaftungen
Auf welche Weise unterweise ich meine Schüler? Werft alle Illusionen ab, entsagt allen Anhaftungen. Wenn in euch auch nur ein Millimeter Anhaftung vorhanden ist, werdet ihr im nächsten Leben einen neuen Körper erhalten und erneut neue Karmas abwaschen müssen. Werft eure eigenen inneren Illusionen ab, vertraut nicht dem falschen Selbst. Welche Gedanken, Emotionen und Gefühle auch immer in euch entstehen, beobachtet sie, haltet sie nicht für euch selbst, all dies ist nicht wichtig.
Konzentriert euch vollständig auf die Lehre, setzt all eure Kräfte ein, um Nutzen aus der Lehre zu ziehen. Die Lehre der Siddhas ist Saft, ist Nektar, ist Quintessenz, sie ist das Höchste, was es auf Erden gibt. Und wenn es etwas anderes gibt, dann wird es vom Niveau her ungefähr dasselbe sein, da die Siddhas gleich sind, international, und ihre Lehren im Allgemeinen ähnlich sind. Die unsterblichen Daoisten, die unsterblichen Naths oder Mahasiddhas lehren ungefähr ein und dasselbe.
Konzentriert euch auf die Lehre, um ihr Wesen, ihre Quintessenz vollständig zu verstehen, sie auf euch selbst anzuwenden, damit ihr alle zusätzlichen Aspekte der Lehre anwenden und Nutzen daraus ziehen könnt. Praktiziert ununterbrochene Kontemplation, verrichtet eure Gebetspraxis, eure monastische Praxis. Lebt jeden Tag im Kloster so, als wäre es euer erster und letzter Tag. Lasst alle weltlichen und sogar spirituellen Pläne für die Zukunft los. Zieht nichts in Betracht: weder das weltliche Leben noch alte Bindungen noch die eigene Wahrnehmung, sondern nur die Heiligen. Bringt eine solche kompromisslose Makellosigkeit in Praxis, Kontemplation, Meditation und Dienst hervor. Erlaubt eurem Bewusstsein nicht, sich zu verändern, baut keine Beziehungen zueinander auf wie weltliche Menschen.
Das Leben eines wahren Yogin
Wenn ihr so handelt, werdet ihr zu wahren Yogins, zu Menschen des Dharma. Pflegt keine Freundschaft mit jemandem, der kein Yogin ist, kein Mensch des Dharma. Verurteilt sie nicht, aber haltet euch von ihnen fern, obwohl ich denke, dass es solche hier nicht gibt. Für einen Menschen des Dharma existiert nur der Dharma. Für einen Menschen, der Gott erkennen will, gibt es nur Gott.
Man sollte offen und freundlich sein, dennoch sollte man in grundsätzlichen Fragen stets nur an der Wahrheit festhalten. Offenheit bedeutet nicht, Maya in sich hineinzulassen. Freundlichkeit bedeutet nicht, mit Unwissenheit und weltlichen Wünschen Freundschaft zu schließen.
Dienst als Weg der Verwirklichung
Wenn ihr täglich beharrlich in euren Praktiken trainiert, zeigen sie Wirkung. Wenn ihr euch dem Dienst widmet, habt ihr eine günstige Art der Verwirklichung — eine ganz leichte, keine schwierige, die leichter ist als Techniken und Kundalini-Yoga. Wenn ihr Dienst verrichtet, verrichtet Dienst und keine Arbeit, haltet beständig den erhobenen Zustand der Selbsthingabe aufrecht. Alles hängt davon ab, ob ihr einen solchen Zustand aufrechterhaltet oder nicht. Wenn ihr Arbeit verrichtet, aber dieser Zustand fehlt, dann verliert ihr einfach Energie. Wenn ihr jedoch Dienst mit Selbsthingabe verrichtet, wird dies zur vortrefflichsten formlosen Praxis.
Wenn der Handelnde verschwindet, wenn das unterscheidende „Ich“ verschwindet, das an das Ergebnis gebunden ist, Hoffnungen und Pläne schmiedet, Ängste und Anhaftungen hat, dann wird der wunderbare Diamant der Nichtdualität erscheinen und sich enthüllen. Ohne Anstrengung, ohne Techniken, ohne Konzentration wird er plötzlich von selbst erscheinen, wenn ihr euch auf die richtige Weise dem Dienst widmet.