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Die Natur des Geistes als Festung und die Gefahren auf dem Weg der Kontemplation

04.06.2026
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Die Natur des Geistes als Festung und die Gefahren auf dem Weg der Kontemplation

Kommentar zum Text von Longchen Rabjam „Der kostbare Schatz des Dharmadhatu“

„Seine allumfassende Festung ist spontan jenseits der Richtungen gegenwärtig. Die weit geöffnete Festung des ursprünglichen Raumes hat kein Oben, kein Unten und keine Mitte. Die Festung des ungeborenen Dharmakaya erfüllt alles ohne Begrenzung. Die Festung des kostbaren Mysteriums ist spontan und unverändert gegenwärtig. Alles, was sich in Samsara und Nirvana manifestiert und existiert, ist vollkommen in der ursprünglichen Festung der einen Gleichheit.“

Die Shlokas beschreiben nacheinander den Zustand der Natur des Geistes. Hier wird sie mit einer Festung verglichen: „eine allumfassende Festung, die spontan jenseits aller Richtungen gegenwärtig ist“. Dieser weit geöffnete Raum hat keine Orientierungspunkte wie oben, unten oder Mitte – all dies sind unsere eigenen Vorstellungen, bedingt durch die Fixierung „ich bin dieser Körper“. Dadurch, dass wir uns im Körper empfinden, haben wir ein Gefühl von Schwere, wir spüren die Gravitation, und dann gibt es den Begriff von oben und unten. Sobald das Gefühl „ich bin der Körper“ verschwindet, verschwindet auch das Empfinden von Gewicht. Oben und unten sind bedingte Begriffe.

Diese „Festung des kostbaren Mysteriums existiert spontan und unverändert“. Im Außen geschehen viele Dinge, dennoch haben all diese Dinge aus der Sicht des fundamentalen Zustands des Atman keine Bedeutung. Wenn Sie daher verwirrt sind und nicht wissen, wie Sie mit diesem Problem umgehen sollen, denken Sie so: „Es gibt keine Probleme, sondern es gibt einen Mangel an Meditation.“ Treten Sie in den Zustand der Kontemplation ein, vertiefen Sie ihn, und dann wird sich Ihr Problem lösen.

Ein Mensch praktizierte Traum-Yoga. In seinen Träumen vergaß er sich ständig, doch eine gewisse Achtsamkeit blieb dennoch bestehen. Wenn er sich vergaß, hatte er Zusammenstöße mit anderen Menschen, es entstanden verworrene Labyrinthe, aus denen er nicht herausfinden konnte. Doch von Zeit zu Zeit erinnerte er sich daran, dass dieses Problem nicht gelöst werden konnte; er setzte sich im Traum einfach hin und meditierte. Dann stellte sich seine Klarheit augenblicklich wieder her, und der Traum verschwand sofort.

Das Prinzip der Vollkommenheit und der einen Gleichheit

Ein Yogi betrachtet die Welt als ein einheitliches Feld vollkommener Gleichheit

„Alles, was sich in Samsara und Nirvana manifestiert und existiert, ist vollkommen in der einen Gleichheit.“ Das Prinzip der Vollkommenheit, der Heiligkeit (Arya), ist ein grundlegendes Prinzip, das man sich klarmachen sollte. Jedes Mal, wenn wir irgendwo irgendeine Unvollkommenheit, Unreinheit oder einen Mangel sehen, sehen wir die Unvollkommenheit unserer eigenen Sicht, während im absoluten Sinne alles, was sich manifestiert, vollkommen perfekt ist. Daher übt sich der Yogi darin, alles und immer als absolut vollkommen zu sehen. Die Sache ist die, dass Dinge, Situationen und alles Übrige von Anfang an vollkommen sind, doch unser annehmender und ablehnender Geist versieht manche Dinge mit Unvollkommenheit.

Wenn Sie kontemplieren, ist das natürlich keine Metaphysik. Es ist falsch zu denken, die Lehre des Laya-Yoga sei Metaphysik. Der Weg der Kontemplation ist sehr präzise und nicht mit Konzepten verbunden. Es ist eine Ausrichtung des Bewusstseins, eine Einstellung, die der Schüler für sich klären und aufrechterhalten muss. Solange der Schüler es nicht geklärt hat, braucht er natürlich Konzepte; er muss für sich klären, was eben diese Kontemplation bedeutet, um nicht in Abweichungen zu geraten. Es ist sehr wichtig, sich in der Anfangsphase möglichst viele Dinge, die mit dem Dharma verbunden sind, klarzumachen, damit es in der spirituellen Praxis keine Lücken gibt. Denn es kann sein, dass wir bereits im neunten Jahr praktizieren, und sich uns dennoch vieles Neue eröffnet.

Gefahren von Abweichungen in den höheren Lehren

Es gibt verschiedene Arten der Kontemplation, dennoch sind die Anweisungen des Lehrers und die Lehre sehr wichtig, damit wir ohne Abweichungen kontemplieren. Merken Sie sich, dass keine Lehre so viele Abweichungen hervorbringt wie das höchste Tantra. Auf den niedrigeren Wegen ist es schwer, abzuweichen. Der Lehrer sagt: „Vollziehe Arati, rezitiere Japa, nimm Prasad zu dir, verrichte Dienst.“ Hier kann man sich nicht irren, weil alles wörtlich ist. Hier gibt es keine Freiheit deines Willens; du tust einfach Jahr für Jahr das, was dir empfohlen wurde, und reinigst dich. Auch auf dem Weg des Kundalini-Yoga ist es unmöglich, sich zu irren: „Mache Sahita-Kumbhaka im Verhältnis 1:4:2.“ Doch auf dem Weg des Laya-Yoga ist es sehr schwer, diesen Prozess mit Worten zu vermitteln; außerdem haben Sie viel Kreativität und innere Freiheit, da es schließlich Ihr eigenes Bewusstsein ist. Deshalb muss der Yogi in seiner Praxis sehr umsichtig und wachsam sein, bis er den wahren Zustand erlangt.

Es gibt zum Beispiel solche Fälle. In Kiew gibt es einen Menschen namens Igor Kalinauskas. Er ist ein Schüler Oshos, ein Sannyasin, Meister der Schule „Goldene Blume“. Auch er übt sich in Kontemplation. Seine Worte „hier und jetzt sein“, „sich nicht anhaften“, „ohne Vergangenheit und Zukunft“ wiederholen eins zu eins das, was wir sagen, was die Heiligen sagen. Seine Trainingsmethode war folgende: Jeden Tag trank er Alkohol und war sich seiner selbst bewusst, um nicht betrunken zu werden. So ging es drei Jahre lang weiter. Schließlich landete er auf der Intensivstation. Nachdem er die Intensivstation verlassen hatte, sagte er, dass er diese Methode vollständig ausprobiert, ausgeschöpft und abgeschlossen habe. Es gibt jedoch Menschen, die, ohne über ausreichende Bewusstheit zu verfügen, sagen, sie praktizierten nach Kalinauskas, doch in Wirklichkeit trinken sie einfach nur.

Wenn wir kontemplieren, können bei uns sehr viele solcher Abweichungen auftreten. Wir können denken, wir seien bereits Mahasiddhas oder Avadhutas. Doch es ist wichtig, Folgendes zu verstehen: Als Dattatreya Alkohol trank, verwandelte er ihn vorher in Nektar. Wer würde denn lebendigen Alkohol trinken, um sich seine Pranas zu verderben? In seiner reinen Sicht war er bereits in Amrita (den Nektar der Unsterblichkeit) verwandelt. Wenn man es jedoch anders macht, ist das ein großes Problem, aber das ist ein Extremfall. Wir können denken, wir seien bereits Buddhas, deshalb müssten wir nichts tun. Eine solche Philosophie begegnet häufig. „Wenn du bewusst bist, ist es gleichgültig, wo du bist“ – das sind Worte Saraswatis. Doch wenn man ihr zu erklären beginnt, was „bewusst sein“ bedeutet, was die Bewusstheit ist, die die Mahasiddhas meinen, weiten sich ihre Augen, sie erfährt viel Neues und stimmt zu.

Die Worte sind dieselben, doch die Tiefe, die hinter den Worten steht, ist verschieden. Deshalb müssen wir, wenn wir hohe Lehren praktizieren, dreimal wachsamer sein als bei der Praxis niederer Lehren, denn in den hohen Lehren ist es sehr leicht, einen Fehler zu machen und die Sutras oder die Worte der Heiligen falsch auszulegen. Es gibt zu viel Freiheit im inneren Verständnis. Wenn ein Schüler zum Beispiel bei einem Lehrer lernt, weiß der Lehrer, was hinter diesen Worten steht. Er sagt: „Ja, ja, warte, du wirst alles noch selbst sehen. Ich werde zu dir im dunklen Retreat kommen, wenn vor dir Götter von der Größe des ganzen Universums erscheinen, wenn dein Geist so aufgewühlt wird, dass du selbst nicht wissen wirst, wohin du vor ihm fliehen sollst. Wir werden noch darüber sprechen. Du hast noch alles vor dir, also sei ruhig.“ Der Lehrer weiß, welche Tiefe hinter diesen Worten steht, doch der Schüler kann dies nicht wissen. Wenn er nicht bei einem Lehrer lernt, kann er etwas Oberflächliches aufschnappen und sich dann sein ganzes Leben lang mit Illusionen darüber trösten, er habe etwas verwirklicht. Natürlich ist das ein bedauerliches Scheitern in der Praxis.

Padmasambhava sagte dazu Folgendes: „Viele Menschen sagen, sie praktizierten Dzogchen, doch in Wirklichkeit praktizieren sie Unsinn.“ Und ich habe an Padmasambhavas Worten nie gezweifelt, denn er ist einer wie kein Zweiter in ganz Tibet. Yeshe Tsogyal gab er solche Unterweisungen: „Zu denken, man werde durch die Sichtweise des höchsten natürlichen Zustands das Ziel erreichen, ist der Mara der Sichtweise.“ Nicht ohne Grund sagte er, dass Mara in Gestalt einer Sicht oder Anschauung zu dir kommen und dich beruhigen kann, wenn du denkst, du würdest durch einen solchen oberflächlichen Ansatz verwirklichen (nur durch den Ansatz der Sichtweise), und gleichsam in einem Zustand der Selbstzufriedenheit erstarrst.

Wir müssen die Worte der Heiligen sehr ernst nehmen. Je weiter wir voranschreiten, desto mehr schätzen wir die Lehre und wissen, dass das Nichtverstehen irgendwelcher Worte, irgendeiner Nuance uns Jahrzehnte der Praxis kosten kann, vielleicht sogar Dutzende von Leben. Ein Fehlgriff oder eine Unterlassung im Dharma kann uns sehr teuer zu stehen kommen; wir haben kein Recht, Unterweisungen zu ignorieren, wenn wir tiefe Verwirklichung wünschen.

Die grenzenlose Grundlage des erwachten Geistes

„Auf dieser grenzenlosen Grundlage, die sich in alle Richtungen ausbreitet, erhebt sich die Zitadelle des erwachten Geistes, der sich weder zu Samsara noch zu Nirvana neigt, als Gipfel des offenen Raums der Natur der Erscheinungen.“

Das Fundament unseres Geistes ist die grenzenlose Grundlage, die sich in alle Richtungen ausbreitet. Sie neigt sich weder zu Samsara noch zu Nirvana, denn Samsara und Nirvana sind Kategorien der Trennung und Dualität, die in den Geistern des Individuums, des Subjekts, existieren. Es heißt, dies sei „der Gipfel des offenen Raums der Natur aller Erscheinungen“. Gipfel bedeutet den höchsten strahlenden Punkt. Dies ist der Raum, der die Natur aller Erscheinungen durchdringt.

Predigt in der Welt der Götter

Ein großer Heiliger predigt in einer strahlenden Versammlung der Götter

Wenn sich in der Welt der Götter irgendein großer Heiliger anschickt zu predigen, wissen die Götter im Voraus davon; deshalb versammeln sie sich dank einer mystischen Verbindung zur Versammlung. Wenn dieser große Heilige herabsteigt, können sie ihn nicht sofort sehen. Die Fortgeschrittensten unter ihnen sehen sein Nahen mit geistiger Schau, während jene mit geringeren Verdiensten es nicht sehen. Doch wenn er sich nähert, gleicht dies einem gewaltigen leuchtenden Schein, der am Himmel entsteht. Wenn er noch näher kommt, ist es wie ein gewaltiges strahlendes Licht. Wenn er, auf seinem Thron sitzend, predigt, steigt er herab, materialisiert sich augenblicklich, und jeder der Götter sieht ihn direkt vor sich, so, als würde er nur ihm allein predigen; zugleich sieht er ihn aber auch auf dem Thron sitzen.

Wenn in der Welt der Götter jemand predigt, tut er dies auf der Ebene der feinstofflichen Rede, wobei die Rede sofort in mehreren Richtungen entsteht, als würden gleichzeitig viele Lebewesen sprechen. Diese Rede ist sehr melodisch, sie fügt sich zu einem sehr harmonischen Klang, der bei den zuhörenden Göttern POA bewirkt. Manchmal sagt dieser große Heilige überhaupt nichts, sondern verweilt nur in der Präsenz. Dennoch dringt diese Präsenz so sehr in jeden Gott ein, der der Predigt in der Versammlung lauscht, dass sich sein Bewusstsein verändert und das Licht stärker wird.

Jeder Gott besitzt kraft seiner Verdienste mystische Kräfte. Selbst bei Göttern, die auf derselben Ebene leben, sind diese mystischen Kräfte verschieden. Doch wenn ein großer Heiliger kommt, der die Natur des Geistes verwirklicht hat, kann niemand sich mit ihm vergleichen. Er kommt nicht als Körper, sondern als Raum, als strahlende Präsenz, und aus ihm entsteht eine materialisierte Form, die gesehen und gehört werden kann. Die Lehre, die den Göttern gepredigt wird, ist eben die Lehre von der Natur des Geistes, die dem Raum gleicht. Dies gilt als das innerste spirituelle Geheimnis aller Lehren.

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