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Erleuchtete Aktivität: Sichtweise, Meditation und Verhalten

28.05.2026
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Erleuchtete Aktivität: Sichtweise, Meditation und Verhalten

Heute, am 1. Februar, ist der Tag der Erscheinung von Rishi Vasistha.

Rishi Vasistha ist einer der Strahlen der Schöpfung und unendliches Bewusstsein. Hier heißt es, dass durch Untätigkeit verschiedene Probleme im Königreich entstanden. Wenn wir in der materiellen Welt leben, müssen wir richtig handeln. Wir dürfen die Lehre vom Nichthandeln nicht falsch verstehen.

Das richtige Verständnis des Nichthandelns

Nichthandeln betrifft jene Ebene, auf der es keinen Handelnden, keine Früchte, kein Karma gibt — die transzendente Ebene. Auf dieser transzendenten Ebene zu handeln, wäre ein Irrtum, absurd. Dies ist Sichtweise und Kontemplation. In der Kontemplation, wenn ihr handelt, irrt ihr euch. In der Kontemplation muss man im Gegenteil den Geist loslassen, sich entspannen, im natürlichen Zustand sein, nichts hinzufügen, nichts ausschmücken, nichts nachjustieren. Selbst Anstrengung muss leicht ausgeführt werden — dann wird es Kontemplation sein, kontemplatives Nichthandeln.

In der Sichtweise kann es tatsächlich keinen Handelnden, keine Handlung geben. In der Kontemplation kann es keine Handlung geben, aber im relativen Verhalten gibt es immer Handlung, und sie muss richtig sein. Wenn wir im Relativen bestimmte Handlungen nicht unternehmen, ist auch das ein Fehler.

Was die Sichtweise betrifft: Wenn wir die Sichtweise verlieren und dort zu handeln beginnen, sagt man — du hast die Sichtweise verloren, Verlust der Sichtweise in der Handlung; du hast zu handeln begonnen — du hast die Sichtweise verdunkelt. Wenn wir in der Kontemplation zu handeln beginnen, das heißt, statt zu kontemplieren, beginnen wir mit dem Geist auf der feinen Ebene des Gewahrseins etwas auszudenken, dann sagt man — du hast die Kontemplation in der Handlung verloren. Und umgekehrt, wenn wir dort nicht handeln, wo man auf der physischen Ebene richtig handeln sollte, dann sagt man — du hast die Handlung verloren.

Wir müssen als Sadhus so leben, dass wir nichts verlieren: weder Handlung noch Sichtweise noch Kontemplation — das ist das Ideal eines Sadhu. Richtige Sichtweise, richtige Kontemplation und Meditation, richtige Handlung.

Atma Jnana ist die Sichtweise, Atma Dhyana ist die Kontemplation, und Atma Kriya ist die Handlung. In der relativen Dimension muss man richtig handeln. Wenn wir überhaupt eine Position des Nichthandelns einnehmen, irren auch wir uns — das nennt man Atma Kriya.

Einheit von Sichtweise, Meditation und richtigem Handeln

Die Kunst des bewussten Handelns

Wie handelt man richtig? Die Heiligen sagen: Man muss aus der Sichtweise heraus handeln, man muss aus der Kontemplation heraus handeln. Sie sagen nicht, dass man nicht handeln soll. Sie sagen — man muss entsprechend Ort, Zeit und Umständen handeln. Aber sie sagen: Man soll nicht aus dem Verstand heraus handeln, man soll nicht aus dem Ego heraus handeln. Wenn du so handelst, wird deine Handlung karmisch sein. Man muss aus dem Prinzip der Bewusstheit heraus handeln.

Wenn wir aus dem Prinzip der Bewusstheit heraus entsprechend Ort, Zeit und Umständen handeln, nennt man das Lila (Spiel). So handeln Götter, göttliche Wesen. Die Kunst des bewussten Handelns müssen wir nicht weniger lernen als die Kunst der Meditation und Kontemplation.

Unsere Meditation, unsere Bewusstheit, unsere Sichtweise müssen sich richtig im Leben manifestieren. Es kann nicht sein, dass ihr hier ein großer Meditierender seid, und neben euch ist irgendein Mensch, und ihr könnt euch nicht einmal mit ihm verständigen — kaum macht ihr den Mund auf, gibt es hier irgendwelche Konflikte, Emotionen. Was ist das, große Meditation? Das ist Meditation auf null Niveau.

Eure Meditation muss sich im Leben manifestieren, sie muss in eure Wahrnehmung, in eure Persönlichkeit, in eure Handlungen, in euren Dienst eingebracht werden. Es kann nicht sein, dass ich ein großer Meditierender bin, aber bei irgendeiner kleinen Sache kann ich nicht einmal verstehen, wie man sie macht. Das bedeutet, meine Klarheit schwebt irgendwo dort im Zentrum der Galaxie, dort hat sie sich irgendwo verloren, und hierher ist sie nicht gekommen. Sie war irgendwo in der Meditation bei mir, aber als ich aus der Meditation herauskam, habe ich sie nicht mitgenommen oder zurückgelassen, und hier bin ich wie ein fünfjähriges Kind. Auch das ist falsches Handeln.

Bewusstes Handeln als klarer Dienst im Alltag

Die erleuchtete Aktivität der Heiligen

Wahre Sadhus können handeln. Sie handeln klug, ganz und gar nicht töricht, sehr kunstvoll, sehr subtil und nicht wie karmisch bedingte Menschen. Das ist Handlung, das ist Lila, Spiel.

Wenn wir hinschauen, können alle handeln, außer dem untätigen Absoluten: Rishi Vasistha, Rishi Vishvamitra, Gott Shiva, Gott Vishnu, Dattatreya — sie alle sind Meister des Handelns, sie sind nicht nur Meister der Meditation. Wenn sie nur Meister der Meditation wären, würden wir keine verschiedenen Geschichten über sie erzählen, wir hätten solche statischen Ikonen aufgehängt — da stehen sie, sitzen sie, und so müssten wir es auch tun.

Doch es gibt Lebensbeschreibungen, Zeugnisse ihrer erleuchteten Aktivität. Es gibt verschiedene Spiele, und ihre Handlungen werden nicht als Karma beschrieben, sondern als Lila (Spiel). Das ist eine unglaublich feine, unglaublich kunstvolle, für das menschliche Bewusstsein unbegreifliche, sehr tiefe erleuchtete Aktivität.

Wir alle müssen die richtige erleuchtete Aktivität lernen. Ohne Karma-Yoga, ohne Seva, ohne Dienen, ohne Chankramanam, ohne Kontemplation geht es nicht. Wie bringt man Kontemplation ins Leben, in Handlungen ein, wie handelt man, wie kommuniziert man, wie folgt man Ethik und Kultur, wie bringt man Kontemplation in Rituale, in die Meditation ein? All dies beginnt sich nach und nach als göttliches Mysterium zu offenbaren, und dann hört unser Leben auf, unser Leben zu sein, und wird zur göttlichen Vorsehung, die sich durch uns selbst manifestiert, und wir werden zu Leitern göttlicher Energien.

Anzeichen richtigen Handelns

Wir müssen auf richtige Handlungen achten. Doch was bedeuten richtige Handlungen? Es gibt ja keine einheitlichen Rezepte für richtiges Handeln. Es wurden viele ethische Kodizes geschrieben: die 10 Gebote auf den Tafeln, die Bergpredigt, die buddhistische Tripitaka, der Kodex von Yama-Niyama, verschiedene ethische Kodizes der Sadhus — doch das sind Wegweiser. Was steht hinter all dem?

Die Heiligen sagen, dass richtige Handlungen nicht aus dem Verstand hervorgehen, sondern aus Ihrer Bewusstheit, aus Ihrer Selbsthingabe an Gott, aus Ihrer Präsenz. Wenn Ihre Selbsthingabe, Ihre Präsenz nicht verloren ist, sondern lebendig ist und sich im Handeln im täglichen Leben zeigt — das sind richtige Handlungen.

Das erste Anzeichen — innere Leere

Wenn Sie im richtigen Handeln sind, ist bei Ihnen das Ego als solches abwesend. Man kann Sie nehmen, zu Füßen legen, jemand ging vorbei und wischte sich an Ihnen ab, bemerkte Sie nicht, dachte — ein Lappen, dabei sind es Sie — und in Ihrer Seele entstand nicht einmal etwas; sagen Sie ihm „Namaste“. In Ihnen existiert innere Leere, Sie haben keine Emotionen, negativen Bewertungen, Verurteilung, überhaupt keine Anhaftungen. Sie werden wie der illusorische Körper Gottes.

Innere Leere ist das erste Anzeichen dafür, dass Sie sich im richtigen Handeln, im richtigen Gewahrsein befinden. Sie leiden nicht. Zumindest haben Sie kein Leiden. Andere mögen Leiden haben, Sie aber können es nicht haben, denn Leere, erfüllt von göttlichem Gewahrsein und Kontemplation, kann kein Leiden haben.

Sie denken mehr darüber nach, wie Sie anderen kein Leiden zufügen, wie Sie das Leiden anderer verringern können; und was sich selbst betrifft — warum sollten Sie über sich nachdenken, Sie selbst sind ja immer okay. Das ist das erste Anzeichen. Ein solcher Sadhu ist immer okay, er selbst ist immer okay. In ihm gibt es nichts, was leiden könnte, er hat nicht jene Mechanismen und Zahnräder, die bei den Menschen leiden. Die karmischen Mechanismen sind in ihm aufgelöst, Gott übergeben, und dann hilft er anderen. Er nimmt eine zusätzliche Last, eine zusätzliche Verantwortung auf sich — wie man anderen helfen kann, nicht zu leiden, wenn bei jemandem diese karmischen Mechanismen noch wirken.

Das zweite Anzeichen — Dienst am göttlichen Willen

Ein solcher Sadhu ist immer auf Dienst ausgerichtet, immer. Er spürt den göttlichen Willen unmittelbar, er hat keine persönlichen Ziele im Leben, keine persönlichen Motivationen im Leben. Er hat ein einziges Ziel — wie er das Signal des göttlichen Willens auffangen kann, wie er ihn an diesem Ort, zu dieser Zeit, unter diesen Umständen noch besser weiterleiten kann.

Er denkt die ganze Zeit an Gott, und er selbst ist bereits eins mit Gott, und er zieht nur den göttlichen Willen in Betracht. Er berücksichtigt seine Vorlieben nicht — es gibt einen höheren Befehl. Er berücksichtigt keine Anhaftungen, weltlichen Prinzipien, Konventionen — er hört immer auf den göttlichen Willen. Er will ihn immer klar und präzise ausführen. Er dient immer als Leiter, als Medium des göttlichen Lichts.

Das ist das zweite Anzeichen dafür, dass Sie richtig in der Sichtweise, in der Meditation verweilen und sie im Verhalten zum Ausdruck bringen. Das ist ein Sadhu ohne persönliches Ego, ein erleuchteter Sadhu. Ein solcher Sadhu hört auf einer bestimmten Stufe auf, ein Mensch, eine Persönlichkeit im Sinne des Karmas zu sein. Er wird zum illusorischen Körper des Göttlichen, zu einem leeren Kanal, zu einem Medium des Göttlichen.

Stiller demütiger Dienst als Durchführung des göttlichen Willens

Freiheit von persönlichen Zielen

Er selbst leidet bereits nicht mehr, und wenn er nicht befreit ist, dann ist er zu Lebzeiten fast befreit. Freiheit existiert für seine Seele, er hat nicht das Ziel, persönlich Befreiung zu erlangen. Nach Befreiung streben diejenigen, die gebunden sind, die persönliche Ziele haben und sich nicht von persönlichen Zielen befreit haben.

Ein persönliches Ziel ist keine Freiheit. Sobald bei Ihnen auch nur ein kleines persönliches Ziel auftaucht — das war’s, ein Käfig, Sie sind hineingeraten. Werte, die vom Ego ausgehen, irgendeine gedankliche Anhaftung, jede Anhaftung — sobald sie auftaucht, sind all das verschiedene Arten von Unfreiheit. Er aber ist von all dem frei.

Befreien müssen sich diejenigen, die an all diese Dinge gebunden sind; er aber ist davon frei. Vielleicht ist seine Befreiung nicht vollkommen, doch im Wesentlichen ist er von dem größten Teil jener menschlichen Dinge, durch die Karma die Menschen begrenzt, bereits frei. Er setzt sich die persönliche Befreiung als solche nicht zum Ziel — persönliche Befreiung erscheint bereits als ein niedrigeres Ziel, als ein niedrigerer Status.

Was ist höher? Höher ist die makellose Ausführung des göttlichen Willens, die makellose Manifestation durch sich selbst. Darin liegt das hohe Prinzip des Dienens. Dienen im absoluten Sinn ist nicht für einfache Menschen, nicht für gebundene Seelen, sondern bereits für befreite Seelen. Sie haben schon nichts anderes mehr zu tun, wie die Götter im Himmel — sie beschäftigen sich mit nichts anderem als mit der Durchführung des göttlichen Willens.

Der Zustand eines solchen Dienens ist der Zustand der Befreiung hier und jetzt. Wenn ihr ein persönliches Ziel habt — seid ihr nicht befreit. Wenn ihr Anhaftung habt — seid ihr nicht befreit. Wenn ihr Vorlieben habt — seid ihr nicht befreit; irgendwann werdet ihr euch davon lösen, euch davon befreien müssen.

Wenn ihr aber genau hier, genau jetzt nur ein einziges Ziel habt — ein makelloser Leiter des göttlichen Willens zu sein, indem ihr euch selbst vollständig entfernt — dann seid ihr genau hier und jetzt befreit. Natürlich gibt es verschiedene Qualitäten, verschiedene Ebenen dieser Freiheit.

Wenn ihr befreit seid, habt ihr keine Wünsche, keine persönlichen Wünsche, außer den Wünschen des Körpers. Der Körper hat seine Physiologie, seine Wünsche — er muss erhalten werden: Nahrung, Schlaf. Doch der Geist hat keine Wünsche, das Ego hat keine Wünsche, keinen einzigen, außer dem, ein Leiter des göttlichen Willens zu sein.

Wenn ihr ein Leiter des Göttlichen seid, versteht ihr, dass euch nichts daran hindert, ein Leiter des Göttlichen zu sein, außer dem Geist. Um ein Leiter des Göttlichen zu sein, braucht es nichts, überhaupt nichts. Es ist keine Frage anderer Menschen, keine Frage der Bedingungen, keine Frage von irgendetwas — es ist ausschließlich eine innere Frage.

Der Schlüssel zur Lösung unserer eigenen Probleme liegt darin, wie man zu einem so vollkommenen Leiter des Göttlichen wird, wie man hier und jetzt befreit wird, wie man sich von allen kleinen Zielen, den kleinen Aufgaben des Egos befreit — das ist eine große Arbeit, sie kommt nicht sofort.

Die Geschichte von Vasishtha und der königlichen Dynastie

Man muss sehr aufmerksam sein. Wenn wir Geschichten über solche wie Vasishtha, über große Heilige, hören, müssen wir erkennen: Das sind nicht mehr Seelen, die nach Befreiung streben, sondern eine befreite Emanation des Absoluten, die in verschiedenen Erscheinungsformen, in verschiedenen Körpern, in verschiedenen Situationen spielt, entsprechend Ort, Zeit und Umständen.

Schon das Hören über solche großen Seelen reinigt. Und was immer ihr auch hört — dort wird es überhaupt sehr wilde Geschichten geben, einer verfluchte den anderen und so weiter — was immer ihr auch hört, nehmt es als Spiele befreiter Seelen wahr, der befreiten Seele Vasishthas. Denn im menschlichen Sinn kann man sie nicht wahrnehmen.

„Und das Heer der Feinde, das die Nachkommen Bharatas zerschlug und die Erde mit seinen Kräften, bestehend aus vier Waffengattungen, erschütterte, zog der König der Panchalas rasch durch das ganze Land und unterwarf es. Und mit zehn Armeen besiegte er jenen König in der Schlacht. Da floh König Samvarana zusammen mit seiner Gemahlin, seinen Ratgebern, Söhnen und Verwandten in großer Furcht. Und er begann an dem großen Fluss Sindhu in einem Hain zu leben, der nahe einem Berg lag und vom Fluss umspült wurde. So lebten die Nachkommen Bharatas lange Zeit, in einer Festung niedergelassen, und als sie dort volle tausend Jahre gelebt hatten, besuchte der große Weise Vasishtha die Nachkommen Bharatas. Und als er dort das achte Jahr verbracht hatte, wandte sich der König selbst an ihn: Sei unser Hauspriester. Und Vasishtha gab den Nachkommen Bharatas seine Zustimmung.“

„Später war Vasishtha der Guru des Gottes Rama selbst, des Sohnes des berühmten Königs Dasharatha, eines Vertreters der Sonnendynastie. In jenen Zeiten hatten alle Herrscher geistige Lehrer und unternahmen ohne deren Segen keinen einzigen ernsthaften Schritt, weder in der Staatsführung noch im persönlichen Leben. Dadurch blühten ihre Königreiche immer, und gerade Vasishtha wurde zu jenem herausragenden Lehrer, der Rama in der ‚Yoga Vasishtha‘ Unterweisungen gab, dank derer die ganze Welt von diesem Gespräch den heiligen Darshan empfangen konnte. Der weise Vasishtha, dem sowohl die Vergangenheit als auch die Zukunft bekannt waren, wusste, dass die von Rama gespielte Szene ein Akt des universellen Dharma war; dennoch spielte er selbst die ihm zugewiesene Rolle in diesem göttlichen Spiel.“

Die göttliche Lila der Schöpfung

Die ganze Sache ist die, dass die Welt ein sehr komplexes System ist. In wissenschaftlicher Sprache ausgedrückt — ein quantenhaftes, nichtgleichgewichtiges stochastisches System, in dem verschiedene Energien spielen. Die Energien im Universum sind eine große Lila, ein Spiel. Die gesamte Schöpfung ist ein einziges Wesen, obwohl es uns so scheint, als sei sie getrennt. Doch in dieser Schöpfung gibt es, obwohl sie ein einziges Wesen ist, Energien.

Zum Beispiel die Energie Lakshmis (Iccha Shakti), die Energie Sarasvatis (Jnana Shakti), die Energie Durgas, Kalis (Kriya Shakti) und viele andere Shaktis. Jede Gottheit ist eine bestimmte Kraft. Diese Kräfte sind übervernünftig, eigenständig, sie spielen ihr eigenes Spiel, betreiben ihre eigene Politik. Sie haben ihre eigene Einflusssphäre, ihr eigenes Mandala, ihre eigenen Pflichten, die ihnen von Brahma, dem Schöpfer, gegeben wurden.

Die ganze Welt, die gesamte Schöpfung, ist eine sehr komplexe Mandala, in der das Leben nicht nach dem Gesetz des Karma geschieht. Nach dem Gesetz des Karma leben nur die Menschen, weil sie begrenzt sind. Das Leben im großen göttlichen Universum hingegen geschieht nach dem Prinzip der Lila.

Lila ist kein Gesetz. Ein Gesetz verpflichtet, Lila aber verpflichtet nicht — sie ist ein Prinzip, das Prinzip der Schöpfung. Dennoch setzt sich diese Lila fort, und jeder hat seine eigene Rolle in dieser Lila. Und heilige Weise nehmen ihre Rolle in diesem Spiel demütig an. Auch Vasishtha nahm seine Rolle an. Er nahm die Rolle an, der Guru Ramas zu sein, die Rolle, der Mentor der königlichen Sonnendynastie zu sein, und viele solcher Rollen.

Im Unterschied zu gewöhnlichen Menschen identifizieren sie sich nicht mit diesen Rollen und spielen sie so, wie Menschen in einem Theaterstück spielen. Ebenso müssen auch wir im Leben, wenn wir den Heiligen nacheifern wollen, eine solche Rolle annehmen — unsere bewusste Rolle in dieser Schöpfung: die Rolle eines Sadhu, die Rolle eines Mönchs, eines Karma-Sannyasi, die Rolle eines Verwalters in der Sangha, die Rolle eines Kochs — gleichgültig welche.

Welche es auch sein mag, im Universum gibt es keine großen und kleinen Rollen. Ob etwas groß oder klein ist, hängt nur von deinem Geist ab. Welche Rolle es auch sein mag, wir müssen sie achten und sie gut spielen. Es kommt nicht vor, dass in einem Theaterstück jemand die Rolle eines Königs übernimmt und man sagt: „Das ist eine wichtige Rolle, du musst sie gut spielen.“ Und jemand anderes spielt die Rolle eines Soldaten, und man sagt: „Das ist nur die Rolle eines Soldaten — du kannst Fehler machen, du kannst falsch spielen, es ist egal.“ Nein, das darf nicht sein.

Sowohl die Rolle des Soldaten als auch die Rolle des Königs müssen gleichermaßen gespielt werden — gleichermaßen wirklich, mit voller Hingabe. Denn das ganze Schauspiel ist ein göttliches Mysterium. Wir können Teilnehmer dieses göttlichen Mysteriums sein, wenn wir selbst unsere Rolle vollkommen spielen.

Die Rollen der Heiligen und der Dienst am göttlichen Willen

Alle Heiligen, wie Vasishtha, sind diejenigen, die ihre Rolle vollkommen beherrschen, die ihre Rolle vollkommen spielen. Es gibt die Rolle eines Novizen — das ist eine bestimmte Rolle, sie zu spielen ist nicht schwer. Es gibt die Rolle eines Mönchs — eine bestimmte Rolle, die Rolle eines Sadhu — eine bestimmte Rolle, die Rolle eines Mahamandaleshwar — eine bestimmte Rolle, verschiedene Rollen. Mit diesen Rollen identifizieren wir uns nicht, doch diese Rolle ist eine bestimmte Kraft, die Rolle des Hüters des Dharma, eine bestimmte Kraft, eine bestimmte Funktion in der Schöpfung, die es ermöglicht, den Lebewesen Nutzen zu bringen und dadurch den göttlichen Willen zu offenbaren.

Wozu wird uns eine Rolle gegeben? Diese Rolle wird uns erstens entsprechend unseren Neigungen, unserem Karma gegeben. Zweitens wird sie uns als Seva, als Dienst, gegeben. Durch diese Rolle können wir den Lebewesen Nutzen bringen, den göttlichen Willen offenbaren, durch diese Rolle zu Leitern des göttlichen Willens werden. Das heißt, entsprechend unserem Karma ist unsere Rolle eben so.

Vasishtha als Familienmentor der Sonnendynastie

„Vasishtha — ein Kenner der Veden und Shastras — übte großen Einfluss auf die königliche Dynastie aus; dank seiner Weisheit konnten die Herrscher der Sonnendynastie im Einklang mit dem Dharma regieren. Einmal gestand Vasishtha Rama, dass er sich entschieden geweigert hatte, das Amt des Mentors der Dynastie anzunehmen, als Ramas Vorfahren es ihm anboten. Doch Brahma, der Schöpfer selbst, erschien und sagte: „Mein Sohn, du weißt, was die Zukunft in sich birgt; nimm diese Pflichten ohne Zögern auf dich. In den kommenden Jahren wirst du etwas Großes erlangen, denn Parabrahman hat sich in der Sonnendynastie verkörpert.“ Als Vasishtha dies hörte, neigte er zustimmend den Kopf und wurde der Familienmentor in der Sonnendynastie.“

Rishi Vasishtha als Mentor, der den König im Geist des Dharma leitet

Die Geschichte der Verkörperung Vasishthas

„Vasishtha war der Sohn Brahmas, doch infolge des Fluchs des Königs Nimi verlor er seinen Körper und wurde erneut aus dem Samen der Götter Mitra und Varuna geboren, die in Leidenschaft zu der himmlischen Apsara Urvashi entbrannt waren. Es gibt eine Geschichte über das Opfer des Maharadschas Nimi. Als Maharadscha Nimi ein großes Opfer darbringen wollte, beschloss er, Vasishtha zum obersten Priester zu ernennen, doch dieser lehnte ab, da er bereits eine ähnliche Einladung von Herrn Indra angenommen hatte. Vasishtha bat Maharadscha Nimi zu warten, bis er das ihm von Indra anvertraute Opfer vollendet hätte, doch Maharadscha Nimi tat dies nicht. Er urteilte, dass das Leben sehr kurz sei und Warten keinen Sinn habe. So beauftragte er einen anderen Priester mit der Durchführung der Yajna. Dafür wurde Vasishtha zornig auf König Nimi und verfluchte ihn: Möge dein vergänglicher Körper leblos zu Boden fallen. Auch Maharadscha Nimi geriet in Zorn und verfluchte Vasishtha als Antwort: Stirb auch du. Infolgedessen fielen beide tot nieder. Vasishtha wurde erneut aus dem Samen von Mitra und Varuna geboren, die später von Urvashi verführt wurden.“

„So beschreibt Vasistha selbst seine Herkunft in der ‚Yoga Vasistha‘: Rama, das allgegenwärtige Bewusstsein oder kosmische Wesen, leuchtet ewig in allen Wesen. Wenn in diesem kosmischen Wesen eine Schwingung entsteht, wird Gott Vishnu geboren, so wie eine Welle auf der Oberfläche des Ozeans entsteht, wenn er in Bewegung gerät. Aus diesem Vishnu wird der Schöpfer Brahma geboren und beginnt, im Universum eine unendliche Vielfalt von lebenden und nichtlebenden, vernünftigen und unvernünftigen Wesen zu erschaffen, und es entsteht ein Universum, das scheinbar niemals zerstört worden ist. Der Schöpfer sah, dass alle Lebewesen im Universum an Krankheit und Tod, Schmerz und Leiden litten; in seinem Herzen entstand Mitgefühl, und er suchte nach einem Weg, der die Lebewesen davon wegführen könnte. Deshalb errichtete er auf der Erde Heiligtümer und edle Eigenschaften: Askese, Barmherzigkeit, Wahrhaftigkeit und Tugendhaftigkeit, doch das war wenig. All dies verschaffte den Menschen nur vorübergehende Linderung des Leidens, aber keine endgültige Befreiung. Während der Schöpfer darüber nachdachte, erschuf er mich, zog mich zu sich heran und legte einen Schleier des Nichtverstehens über mein Herz. Sofort vergaß ich, wer ich bin und was mein Wesen ist. Ich flehte den Schöpfer Brahma, meinen eigenen Vater, an, mir den Weg aus diesen Leiden zu zeigen. In Leiden versunken, konnte und wollte ich nichts tun und war träge und untätig. Als Antwort auf meine Bitten offenbarte mir mein Vater das wahre Wissen, das augenblicklich den Schleier des Nichtverstehens entfernte, den er selbst über mich gelegt hatte. Der Schöpfer sagte zu mir: Mein Sohn, ich habe das Wissen verborgen und es dir dann offenbart, damit du seine Größe erfahren kannst, denn nur dann wirst du die Leiden unwissender Wesen verstehen und ihnen helfen können.“

Kommunikation mit göttlichen Energien

In euch existiert Brahma, das universelle Meta-Bewusstsein, das dieses Universum erschaffen, es aus dem quantenhaften unmanifestierten Zustand, aus dem Punkt der Singularität, manifestiert hat, die Elemente in Bewegung setzte, die Zeit in Gang brachte, die Metrik des Raumes und die Topologie dieser Welt erschuf. Es ist ein überintelligentes, allumfassendes, allgegenwärtiges Bewusstsein. Doch für euch persönlich kann es sich als eine konkrete Gottheit manifestieren, ähnlich einem Menschen mit einem Kopf, zwei Händen oder vier Händen; es kann auch sprechen, für es gibt es keine Begrenzungen. Für jedes Wesen kann es jene Form annehmen, die ihm nahesteht; darauf beruht der Yoga der Verehrung von Gottheiten.

Und wenn ihr euren Geist durch Mantra, Meditation und theurgische Praktiken ausreichend gereinigt habt, kann Brahma eines Tages auch zu euch kommen, so wie er zu Vasistha und zu anderen Wesen gekommen ist, und ihr könnt mit ihm in Kontakt treten. Es ist, als würde euer göttliches Ich, nachdem es eine bestimmte Form angenommen hat, zu euch herabsteigen. Natürlich sollte man nicht bei allem, was man sieht, denken, Brahma komme zu mir — das ist das Los der Heiligen; es braucht große Nüchternheit, um den eigenen Geist nicht mit der wahren Erscheinung der göttlichen Weisheit der universellen Gottheiten der Weisheit zu verwechseln.

Am Anfang wird einfach euer Geist zu euch kommen, vielleicht verschiedene Formen annehmen, auch das ist normal. Doch manchmal kommen in Samadhi göttliche Energien zu den Heiligen, und diese göttlichen Energien sind untrennbar mit ihnen und zugleich getrennt. Denn Brahma, der Schöpfer dieses Universums, kann all eure vergangenen Leben erzählen, euer Schicksal, die Zukunft, verschiedene Knotenpunkte des Karmas und wie diese Karmas in Lila verwandelt werden können. Er kann segnen, so wie die Göttin Gayatri Vishvamitra segnete, indem sie ihm ein Mantra gab, irgendeine Übertragung vollzog; all das ist möglich, weil das innere göttliche Licht in euch gegenwärtig ist — die Frage ist, es zu öffnen und zu ihm vorzudringen.

Die Götter erscheinen nur dann, wenn wir es verdienen, das heißt, bei den Göttern gibt es ein solches Prinzip: Bitte nicht, sondern verdiene es.

Deshalb lesen wir, wenn wir ein Mantra rezitieren, zwar das Mantra, aber wir rechnen nicht damit, dass die Götter, die göttlichen Energien, die göttlichen Kräfte vor uns erscheinen. Sie werden erst dann vor uns erscheinen, wenn unser Bewusstsein ihrem Bewusstsein gleichkommt, wenn wir ausreichend gereinigt, ausreichend nichtdual, leer geworden sind, damit sie mit uns kommunizieren können, damit wir sie sehen können. Vielleicht wären sie aus Mitgefühl auch früher erschienen, doch unsere Wahrnehmung ist oft verdunkelt, vernebelt; wir werden sie einfach nicht sehen und nicht hören.

Selbst wenn irgendeine Gottheit erscheint, wird sie so machen (schnippt mit den Fingern): Hörst du mich? Wie geht es dir? Verbindung? Wir werden dastehen — ich sehe nichts, ich höre nichts, keine Wahrnehmung. Denn im Geist und in den Sinnen müssen Reinigungen geschehen. Doch wenn wir ausreichend rein werden, ist dies möglich: Unser innerster, feinster Teil unseres göttlichen Ichs wird sich sogar mit unserem relativen Geist, mit unserer relativen Wahrnehmung, mit dem physischen Körper verbinden — das ist eine der Arten der Verwirklichung, eine der Arten von Siddhi und Darshan.

Der Weg des Dienens als direkter Weg der Verbindung mit dem Göttlichen

Wenn wir eine solche Haltung annehmen — den Dienst am göttlichen Willen, die makellose Durchführung des göttlichen Willens —, ist dies eine der direkten Möglichkeiten, eine Verbindung, einen solchen Kontakt mit den göttlichen Dimensionen zu haben.

Es ist eine Sache, wenn ein Mensch sich zur Meditation hinsetzt und denkt: „Jetzt werde ich den Geist anhalten, im Gedankenfreien verweilen, irgendwann in Dhyana eintreten, aus der ersten Dhyana in die zweite aufsteigen, aus der zweiten in die dritte“, und er geht diesen Weg, die Meditation endet, er tritt wieder in den gewöhnlichen Zustand ein — das ist ein sehr langer Weg, ein Weg der Anstrengung, ein Weg der Trennung. Doch wenn ihr im Gedankenfreien verweilt, ohne Ziel, als Leiter des göttlichen Willens genau jetzt, als vollständig frei von allem.

Ja, und ein solcher Mensch denkt: Wenn ich die fünfte Dhyana oder die siebte erlange, werde ich vielleicht den Darshan einer Gottheit empfangen, den Darshan des nichtdualen Lichts, einer Gottheit in Form oder der inneren Gottheit ohne Form, des Satguru im Inneren, der Shunyata (Leere). Doch wenn ihr ohne Erwartung im Dienst verweilt, dann geschieht ein solcher Darshan ununterbrochen. Denn das Prinzip des Leitens des göttlichen Willens ist der Darshan des Göttlichen hier und jetzt, genau hier, genau jetzt, ohne Unterbrechung, ohne Trennung in Meditation und Nicht-Meditation.

Doch wie kann man ein Leiter des göttlichen Willens sein?

Das Leiten des göttlichen Willens ist in erster Linie nicht mit einer konkreten relativen Handlung verbunden; eine konkrete relative Handlung ist ebenfalls vorhanden, als Form der Manifestation der Lila. Es ist verbunden mit der Fähigkeit, den göttlichen Willen mit reinem Verstand im Zustand der Selbsthingabe zu hören, und danach mündet dies in Handlung. Vasishtha und andere Rishis sind diejenigen, die ununterbrochen den göttlichen Willen hören, und wenn sie den göttlichen Willen hören, erscheint Brahma, Brahma nennt ihn Sohn, spricht mit ihm, gibt Unterweisungen.

Doch wie hört man den göttlichen Willen? Wenn du den göttlichen Willen hörst, musst du dein Ego verwerfen, deinen Geist verwerfen, Anhaftungen, deine Vorlieben, Bewertungen verwerfen, leer werden wie ein vom Wind getragenes Blatt und jenen Willen annehmen, der höher ist als du, ganz gleich, worin er sich zeigt, ihn aber annehmen, und vollständig annehmen, ohne irgendetwas, ohne Murren, ohne Bewertungen, Urteile, ohne Anklammern, einfach annehmen, das Sahasrara-Chakra höher stellen — nur dann kannst du ein Leiter des göttlichen Willens sein.

Die wahre Natur der Befreiung

Und wenn wir in einem solchen Zustand ständiger Annahme leben und diese Annahme von Bewusstheit, von kontemplativer Präsenz begleitet wird, dann geschieht dies: Der Zustand der Befreiung tritt ein, wir spüren, dass wir uns tatsächlich befreien. Das heißt, Befreiung sind ja keine ausgedachten Regenbögen am Himmel, obwohl es auch Regenbögen geben kann, sondern Befreiung ist das reale Gefühl: Da war eine Anhaftung — man hat sich befreit, hier ist schon ein Prozent Befreiung vorhanden. Da war Hochmut, man hat sich befreit — hier hat man schon zwei Prozent Befreiung verdient. Da war die Neigung, übel zu reden, andere in Gedanken zu verurteilen — man hat sich befreit — drei Prozent Befreiung — so sammelt ihr diese Prozente quantitativ.

Ihr befreit euch wirklich nicht irgendwo im Himmel, sondern im Leben, genau hier, von dem, was euch gebunden hat. Alle eure Lebensprogramme, die in euren feinstofflichen Körper eingeschrieben sind, die karmischen Aufgaben, die euch Maya, Prakriti, gegeben hat — dies, dies, dies zu erfüllen — von ihnen befreit ihr euch. Das ist Befreiung. Nicht so, dass wir träumen und einfach ein Bild der Befreiung als etwas so unaussprechlich Schönes in den himmlischen Welten erschaffen, das irgendwo dort mit uns geschieht, während wir hier in diesem Leben weiterhin durch verschiedene karmische Programme unseres Egos begrenzt sind — ganz so ist es nicht. All diese Dinge sind miteinander verbunden.

Und die Befreiung selbst kommt, wenn wir unsere Persönlichkeit tatsächlich befreien: Man dachte über sich selbst als Frau, weibliches Verhalten, weibliche Logik, weiblicher Weg, Selbstbehauptung durch Weiblichkeit — und auf einmal hast du dich befreit, es ist dir gleich, Frau, Mann, ich bin nicht der Körper — dadurch hast du dich befreit, dir weitere drei Prozent zur Befreiung angerechnet. Und es gibt viele solcher Identifikationen; in dem Maße, wie wir uns von ihnen befreien, kommt auf diese Weise die wahre Befreiung. Und alle inneren Erfahrungen, alle inneren Lichter werden als Ergebnis der Befreiung erlebt.

„Mit diesem Wissen bewaffnet befinde ich mich hier und werde bis zum Ende dieser Schöpfung hier sein. In jeder Epoche wünscht der Schöpfer und erschafft einige Weise und mich zur spirituellen Erleuchtung aller. In anderen Schöpfungszyklen verkörperte er sich anders.“

Die Begegnung mit dem weisen Raben Bhusunda

Weiter heißt es in der „Yoga Vasishtha“, wie Vasishtha dem weisen Raben Bhusunda begegnete. Bhusunda erzählte Vasishtha von seinen Verkörperungen. Das ist es, was der Rabe Bhusunda, der berühmte Langlebige, der mehrere Zyklen der Weltschöpfung überlebt hatte, darüber sagt.

„Zu verschiedenen Zeiten wurden Universen von verschiedenen Göttern erschaffen; manchmal war es Vishnu (der als Beschützer gilt), manchmal Brahma, und zu einer anderen Zeit war es Shiva. Natürlich erinnere ich mich an Weise wie dich, an Göttinnen, Dämonen, Könige der jüngeren und der fernen Vergangenheit. O Weiser, bereits zum achten Mal wirst du als der Weise Vasishtha geboren, und zum achten Mal begegnen wir einander. Einmal wurdest du aus Luft geboren, einmal aus Wind, aus Wasser, aus einem Berg und aus Feuer. Alles, was in diesem Zyklus geschehen ist, geschieht genauso in den drei vorherigen Zyklen, doch ich erinnere mich an die Ereignisse von zehn solchen Zyklen. In jedem Zyklus gab es Weise, die die Wahrheit verkündeten und die Veden offenbarten, indem sie immer wieder heilige Schriften erschufen.“

Vasishtha und Arundhati

Vasishtha hatte eine Gemahlin namens Arundhati. Vasishtha gilt als wahrer Meister der Selbstentsagung und der Vernichtung von Begierden. Niemand konnte sich vorstellen, dass dieser große Mann ein Familienleben führte, eine Frau, ein Haus und einen Haushalt hatte. Seine Frau Arundhati war eine sehr hingebungsvolle Ehefrau; von außen schien es, als sei sie sehr an ihn gebunden. Doch Vasishtha hielt streng das Gelübde der Enthaltsamkeit; auf feinstofflicher Ebene war es eine Beziehung zwischen Schüler und Lehrer, aber alle hielten sie für eine gewöhnliche, liebevolle Familie. So verbarg der große Meister seine Praxis und verfeinerte sie, ohne unter der Beobachtung des Gottes Indra und ungläubiger Menschen zu stehen.

Vasishthas Haus befand sich am Ufer des Flusses Sarasvati; seine Gemahlin diente ihm treu, indem sie Speisen zubereitete und den Haushalt führte. Es gibt eine Geschichte darüber, wie der Fluss Sarasvati... zwischen Vasishtha und Vishvamitra brachen oft Streitigkeiten aus. Eines Tages wurde Vishvamitra zornig, als er erfuhr, dass Vasishtha an den Ufern des Flusses Sarasvati Askese übte. Er rief Sarasvati und befahl ihr, Vasishtha unverzüglich zu ihm zu bringen. Sarasvati war in einer schwierigen Lage: Wenn sie Vasishtha zu Vishvamitra bringen würde, würde Vasishtha sie verfluchen; andererseits, wenn sie ihn nicht brächte, würde sie von Vishvamitra verflucht werden.

Schließlich beschloss sie, Vasishtha zu Vishvamitra zu bringen, indem sie nach und nach ihr Ufer in der Nähe des Ortes unterspülte, an dem Vasishtha seine Askese vollzog. Sarasvati richtete es so ein, dass er in ihre Strömung geriet. Dann brachte sie ihn zu dem Ort, an dem Vishvamitra wartete. Als Vasishtha vor ihm erschien, freute sich Vishvamitra, doch ohne Vishvamitra zu erlauben, Vasishtha zu ergreifen, trug sie ihn in ihrer Strömung nach Westen davon. Darüber erzürnt sprach Vishvamitra einen Fluch aus, dem zufolge im Fluss Sarasvati Blut fließen sollte. So wurde das Wasser des Flusses blutrot. Große Weise, die später dort vorbeikamen, hatten Mitleid mit Sarasvatis Unglück, und als Antwort auf ihre Gebete machte Shiva sie zu Anapurnatirtha.

Geschichten aus dem Leben Vasishthas

Die Geschichte des Yajna von Harishchandra

Eines Tages vollzog König Harishchandra ein Yajna, bei dem Vishvamitra der Priester war. Verärgert über Harishchandra nahm Vishvamitra all seinen Besitz an sich, der ihm als Belohnung für die Priester, oder Dakshina, zustand. Vasishtha gefiel das nicht, und zwischen ihm und Vishvamitra brach ein Streit aus, wobei beide so erbittert wurden, dass sie einander verfluchten. Einer von ihnen rief: Verwandle dich in einen Vogel! Und der andere sagte: Werde zu einer Ente. So wurden sie beide zu Vögeln und kämpften viele Jahre lang weiter.

Der Fluch des Königs Saudasa

Für ein Vergehen in einem früheren Leben wurde Saudasa von Vasishtha verflucht und verwandelte sich in einen Rakshasa. Die Geschichte begann damit, dass König Saudasa eines Tages in den Wald ging, um dort zu leben, wo er einen menschenfressenden Rakshasa tötete; doch er vergaß, dessen Bruder zu töten, der ebenfalls ein Menschenfresser war. Dieser Bruder beschloss, sich an Saudasa für den Tod seines Bruders zu rächen. Um dem König zu schaden, wurde er Koch in dessen Haus.

Einmal wurde der spirituelle Lehrer des Königs, Vasishtha Muni, zum Essen eingeladen, und der Rakshasa bereitete für ihn ein Gericht aus Menschenfleisch zu. Nachdem Vasishtha Muni, der über mystische Kraft verfügte, die angebotene Speise geprüft hatte, stellte er fest, dass die Nahrung nicht zum Verzehr geeignet war, da sie aus dem Fleisch eines menschlichen Wesens zubereitet worden war. Er wurde sehr zornig und verfluchte Saudasa sofort, indem er ihm wünschte, sich in einen Menschenfresser zu verwandeln. Als Vasishtha Muni begriff, dass das Menschenfleisch vom Rakshasa und nicht vom König zubereitet worden war, nahm er für 12 Jahre Askese auf sich, um seine Schuld zu sühnen.

Unterdessen nahm König Saudasa Wasser und rezitierte das Shapa-Mantra, wobei er sich darauf vorbereitete, Vasishtha zu verfluchen. Doch Saudasas Frau, Madanti, verbot ihm, dies zu tun. Eines Tages, als Saudasa durch den Wald spazierte, sah er einen Brahmanen im Geschlechtsverkehr mit seiner Frau. Da Saudasa zu einem Rakshasa geworden war, wollte er den Brahmanen trotz der Bitten seiner Frau fressen. Saudasa tötete ihn; daraufhin verfluchte die Frau des Brahmanen Saudasa und sagte: Sobald du in intime Beziehungen mit einer Frau trittst, wirst du sterben.

Nach 12 Jahren, als König Saudasa von Vasishthas Fluch befreit wurde, wünschte er sich einen Sohn, doch die Königin erinnerte ihn an den Fluch der Frau des Brahmanen. Nach dieser Erinnerung war der König gezwungen, auf intime Beziehungen mit seiner Frau zu verzichten, und blieb durch den Willen des Schicksals ohne Sohn. Später zeugte der große Weise Vasishtha mit Erlaubnis des Königs ein Kind im Schoß Madantis. Madanti trug das Kind 7 Jahre lang in ihrem Leib und konnte es nicht gebären. Da schnitt Vasishtha ihren Bauch mit einem Stein auf und half dem Kind, geboren zu werden. Deshalb nannte man den Jungen Ashmaka — das durch einen Stein geborene Kind.

Vasishtha als Lehrer

Vasishtha war der Lehrer von 10.000 Schülern; im Laufe der Zeit kamen zahlreiche Schüler zu ihm, die nach seinen Unterweisungen dürsteten. Die Hütte des Weisen verwandelte sich in einen Ashram, in dem Tausende die weisen Worte Vasishthas, seine Gedichte und seine Erläuterungen zu den Versen der Veden genossen. Die Schüler nannten Vasishtha liebevoll „Ulapati“, was ursprünglicher Lehrer bedeutet. Unter seinem Dach beherbergte er mehr als 10.000 Schüler, denen er täglich mündliche Unterweisungen und Empfehlungen zu den Praktiken gab. Vasishtha war ein Meister absoluter Ruhe; er hatte Zorn und alle Begierden vollständig bezwungen.

Das spirituelle Erbe des Rishi Vasishtha

Rishi Vasishtha hinterließ uns ein reiches spirituelles Erbe. Das Wissen, das Vasishtha der Welt übermittelte, findet sich in den Veden, den Upanishaden und der Literatur der Puranas. Er ist der Autor mehrerer Hymnen des Rigveda. Vasishtha übermittelte die Lakshmi-Sadhana (eine Methode zur Erlangung von Wohlstand), die auch in unserer Tradition praktiziert wird. Dank dieser Methode waren die Schüler des Weisen ihr ganzes Leben lang niemals mit Armut oder Kummer konfrontiert.

Außerdem verfasste Vasishtha das Daridra Dahana Shiva Stotram — ein Shiva-Stotram, das Armut und Unglück vernichtet. Wer dieses vom großen Vasishtha verfasste Stotram beständig dreimal täglich rezitiert, zerstört alle Krankheiten. Das Stotram bringt schnell Glück und Erfolg und vermehrt die Nachkommenschaft. Wer es rezitiert, erreicht unweigerlich den Himmel.

Vasishtha übermittelte das große Mahamrityunjaya-Mantra, das Unsterblichkeit verleiht. Dieses Mantra kann jederzeit zur Meditation verwendet werden, zum Schutz vor jeglichem Übel. Es gibt viele Mantras zum Schutz vor Übeln wie Tod und anderem Leid, doch das Mrityunjaya-Mantra wird in den heiligen Schriften als das beste gepriesen. Dieses Mantra richtet sich an den dreiäugigen Herrn Shiva und ist im Rigveda sowie im Yajurveda enthalten, mit dem Hinweis, dass es von Maharishi Vasishtha empfangen wurde.

„Yoga Vasishtha“ — der grundlegende Text der Lehre

Die vollständigste Essenz der Lehre Vasishthas ist im „Yoga Vasishtha“, in der Vasishtha Samhita und in einigen Teilen der Veden dargelegt. Yoga Vasishtha ist eine einzigartige Schöpfung der indischen Philosophie und ein Text, der zum Hauptkanon der Texte unserer Lehre gehört — dem praktischen Advaita der Siddhas, zu denen auf gleicher Ebene solche Texte wie Tripura Rahasya und Moksha-Dharma stehen.

Der heilige Text ist eine systematische Darlegung der Ideen des Yoga und des Advaita Vedanta, übermittelt in der symbolischen Sprache von Gleichnissen und Allegorien in Form von Gesprächen des jungen Rama mit seinem spirituellen Lehrer Vasishtha. Er ist zugleich ein hochkünstlerisches Werk voller Reichtum und tiefer Bilder.

Vasishtha sagte: In Wirklichkeit wird die Realität einfach durch das Studium dieses Buches „Yoga Vasishtha“ erkannt; daran ist nichts Schwieriges. Durch das Studium des „Yoga Vasishtha“ erlangt der Mensch unendliche Ruhe. Gib alle geistigen Unruhen auf und widme jeden Augenblick deines Lebens dem Studium und dem Verständnis dieser Schrift.

Wenn bei Ihnen eine bestimmte Situation entsteht, wenn Sie Rat, eine Anleitung oder eine Antwort brauchen, können Sie den „Yoga Vasishtha“ zur Hand nehmen. Dabei darf der „Yoga Vasishtha“ niemals auf dem Boden liegen; er muss an einem ordentlichen Ort aufbewahrt werden, und ihm ist Respekt zu erweisen. Nachdem Sie sich an den Baum der Zuflucht gewandt haben, wenden Sie sich innerlich an Vasishtha um Unterweisung — stellen Sie eine geistige Verbindung her, bitten Sie um den Segen, Ihnen Unterweisungen zu geben, und öffnen Sie dann den „Yoga Vasishtha“ auf der entsprechenden Seite und lesen Sie die Unterweisung, die Ihnen zufällt.

Die in diesem Buch dargelegte Lehre steht dem Advaita und dem kaschmirischen Shivaismus geistig nahe. Sie gilt als einer der grundlegenden Texte der indischen Philosophie, der die Lehre aus intuitiver Sicht darlegt. Das Buch erklärt die Prinzipien der Lehre und veranschaulicht sie durch eine riesige Anzahl von Geschichten. Der Text selbst wurde von dem Weisen Valmiki niedergeschrieben — dem legendären Weisen, der der Autor des epischen Gedichts Ramayana ist.

Grundlagen der Lehre Vasishthas

Die Lehre Vasishthas betrifft alle Fragen, die mit der inneren Erkenntnis der eigenen Natur sowie mit dem Zyklus von Schöpfung, Zerstörung und Erhaltung der Welt verbunden sind. Kurz gesagt besteht die Lehre darin, dass alles eine Manifestation des unendlichen Bewusstseins ist, einschließlich der materiellen Welt.

Vasishtha übermittelt in seinen Unterweisungen zahlreiche Lehren, darunter:

  • Pratibimba-vada — die Theorie der Spiegelungen
  • Ajata-vada — die Theorie der Nicht-Schöpfung
  • Maya-vada — die Theorie der Illusionshaftigkeit
  • Drishti-Srishti-vada — die Theorie der augenblicklichen Erschaffung der Realität
  • Sphota-vada — die Theorie der Schwingungen

Vasishtha sagt: Die Spiegelung eines Gegenstandes im Spiegel kann weder real noch unreal genannt werden; ihre Realität ist unbeschreiblich. Ebenso ist der vom höchsten Selbst gespiegelte Körper nicht real und auch nicht unreal.

Das Studium dieses heiligen Textes vermittelt ein Verständnis des Ausspruchs „Aham Brahmasmi“ (Ich bin Brahman) durch die Erklärung der Existenz des einen unendlichen Bewusstseins anhand zahlreicher Beispiele und Vergleiche.

Vasishtha sagt, dass die Welt lediglich eine Projektion des Geistes ist und nicht aus sich selbst heraus existiert. Der Geist erschafft eine bestimmte Welt und lässt uns an ihre Realität glauben. Rishi Vasishtha sagt, dass ein starker Glaube an die Realität dieser Welt ein Gefühl von Stabilität, Unerschütterlichkeit und einer gewissen Eigenexistenz ihrer Getrenntheit schenkt. Und je stärker dieser Glaube ist, desto länger existiert diese Welt.

Wenn es dem Bewusstsein jedoch gelingt, seine eigenen Tricks zu erkennen, dann wird der Glaube an die Realität dieser Projektionen enden, der Prozess der Projektion wird aufhören, und anstatt von der äußeren Welt abhängig zu sein, werden wir von ihr unabhängig.

Feinstoffliche Schichten des Bewusstseins und Projektionen des Geistes

Es gibt eine Schicht des begrifflichen Geistes, des oberflächlichen Bewusstseins, eine feinere Schicht des Unterbewusstseins, und hinter dem Unterbewusstsein eine noch feinere Schicht, die gerade für Projektionen verantwortlich ist. Diese Schicht des Geistes ist sehr fein, sie ist feiner als unsere alltägliche Wahrnehmung. Aus ihr gehen all unsere karmischen Handlungen hervor. Diese Schicht des Geistes ist sehr fein und sehr beweglich. Selbst wenn wir mit unserem Geist etwas nicht wollen, kann sie ein wenig darüber nachdenken und bereits etwas zeichnen.

Wir haben uns noch nicht einmal vorgenommen, etwas zu durchdenken, und sie hat es bereits bewertet, sie hat bereits irgendein Bild geschaffen. Das kann nicht nur ein kleines Bild sein, es kann sogar ein großes Bild sein — etwa Dämonen so hoch wie ein neunstöckiges Haus oder Gottheiten. Diese Schicht des Bewusstseins ist sehr schöpferisch, und sie zeichnet mit enormer Geschwindigkeit. Gerade diese feine Schicht des Geistes ist mit Reinkarnation, Wiedergeburt verbunden. Dort sind all unsere feinen karmischen Eindrücke, karmischen Spuren enthalten.

Feinstoffliche Schichten des Bewusstseins und Auflösung geistiger Projektionen

Bei der Wiedergeburt, wenn beim Menschen die feinsten Schichten des Geistes freigelegt werden, tritt er in diese Dimension ein — dies wird im tibetischen Buddhismus Antarbhavavidya genannt — Bardo Dharmata. In einem Text, zum Beispiel im tibetischen Totenbuch Bardo Thödol, wird beschrieben, wie der Mensch verschiedene Sphären des Lichts sieht. Aus diesen Lichtsphären treten Strahlen hervor, die in sein Herz eintreten, es erscheinen gewaltige Gottheiten, furchterregende Klänge, Donnerschläge, Lichtstrahlen. Und der Mensch versteht nicht, dass all dies Projektionen seines eigenen Geistes sind. Dort entfaltet sich Brokat, verschiedene Muster, und zu jedem Element, jeden Tag, während der 49 Tage des Bardo, entfaltet sich ein ganzes umfassendes Bild von Erfahrungen.

Ein weiser Mensch, wenn er ein Sadhu war, der ernsthafte meditative Erfahrung, den Zustand der Kontemplation, Selbsthingabe besitzt und sich zu integrieren versteht — für ihn kann dies zum Moment der Erlangung des Lichtkörpers werden, zum Moment der Befreiung. Anstatt sich vor diesen Gottheiten zu fürchten, kann er im nichtdualen Zustand verweilen, im Zustand der Selbsterkenntnis, und die Energien dieser Gottheiten als sein Selbst erkennen. Dann werden sie sich auflösen.

Wenn es sich jedoch um einen unwissenden Menschen handelt, der nicht meditiert, dann wird er sich vor diesen großen Manifestationen, den Donnerschlägen, den Lichtstrahlen fürchten. Es heißt, dass er sich irgendwo verstecken wollen wird, etwas Einfacheres, irgendein matteres Licht finden möchte. Dann werden mattere Arten von Licht der sechs Welten des Samsara entstehen, und er wird beginnen, sich an eines der Lichter zu klammern:

  • matt-weiß — das Licht der Welt der Götter
  • matt-blau — das Licht der Welt der Menschen
  • matt-rot — das Licht der Welt der Asuras
  • matt-gelb — das Licht der Welt der Pretas
  • schwarz — die Farbe der Welt der Hölle
  • matt-grün — das Licht der Welt der Tiere

Vor diesen Projektionen seines Geistes wird er sich fürchten, er wird erschöpft und müde werden, sie werden für ihn sehr betäubend und gewaltig sein, obwohl sie aus ihm selbst hervorgehen — in gewissem Sinne ist er selbst das. Und dann wird er in das matte Licht eintauchen wollen und in dieses Licht eintauchen. So wird die Wiedergeburt in einer der sechs Welten des Samsara geschehen.

Selbsthingabe und Befreiung

Der Sadhu erreicht diese Schicht des Geistes, und sein Geist projiziert nicht mehr. Er löst alle Projektionen des Geistes auf, und der Geist zeichnet nicht mehr den zukünftigen Körper, zeichnet nicht mehr unbewusst die zukünftige Loka. Wenn es bewusst geschieht, dann ist es nur der illusorische Körper, nur das reine Land als Mandala — dies ist eine vollständig kontrollierte Wiedergeburt, wenn Savupya-Mukti oder Salokya-Mukti geschieht. Dies ist eine der Arten der Befreiung — die projizierende Kraft des Verstandes ist gezähmt, sie steht unter Kontrolle und sie ist befreit.

Wodurch wird sie befreit? Durch die Gewohnheit, im Sahaja Samadhi zu sein, durch die Gewohnheit, im Zustand der Selbsthingabe zu sein, durch die Hingabe an das Göttliche.

Selbsthingabe bedeutet, dass diese feine Schicht des Geistes... ich folge nicht meinem begrifflichen Geist, ich folge nicht meinem Unterbewusstsein. All diese feinen Schichten des Geistes unterordne ich einer noch feineren. Das Feinste in uns ist Gott, Brahman, das Absolute, Herr Dattatreya. Und ich kann diese feine Schicht erkennen, mich ihr unterordnen und mich ihr hingeben, mich ihr vollständig überlassen. Ich vertraue ihr uneingeschränkt, ich erlaube meinem Geist, sich zu befreien — genau das ist Selbstbefreiung, Selbsthingabe, Selbsterkenntnis. Dies ist die wesentliche Unterweisung der Lehre des Laya-Yoga.

In jedem Moment kann ich mich ganz hingeben, meine emotionale Aktivität, meine geistige Aktivität dieser feinsten Schicht. Diese Ausdrucksweise, dass diese Schicht des Geistes meine ist, doch sie ist nicht nur eine Schicht meines oder Ihres Geistes — sie ist im Prinzip eine Schicht der Weltschöpfung des Universums, die feinste Quantenebene des gesamten Universums. Und wenn Sie in sie eintreten, dann wird sie natürlich auch zu Ihrer Schicht des Geistes, weil auch Sie in sie eingetaucht sind wie ein Fisch ins Wasser. Auch Sie befinden sich gerade jetzt direkt in ihr.

Den Zustand der Meditation muss man nicht machen, man muss ihn nicht erschaffen — er ist bereits da. Weder durch Dhyana, Dharana noch durch Visualisierung — diese göttliche lichttragende Schicht des Übergeistes existiert bereits. Sie müssen sie nicht erschaffen, und Sie können sie nicht einmal in tausend Jahren des Mantrenlesens erschaffen. Sie sind bereits in sie eingetaucht, Sie sitzen bereits jetzt direkt in ihr. Wie sehr beeindruckt Sie das? Sie sind in gewissem Sinne bereits befreit, aber Ihr Geist versteht das nicht, und Sie können es nicht nutzen, deshalb sind Sie zugleich auch nicht befreit.

Man kann es mit einem Milliarden-Dollar-Schein vergleichen — er befindet sich im Futter Ihres Mantels. Wir sammeln dort Geld, suchen dort, doch er ist bereits hier, aber Sie können ihn auch nicht nutzen, man muss ihn erst noch herausnehmen. Auf die gleiche Weise sind wir in diese lichttragende Schicht des höchsten Geistes gerade jetzt eingetaucht, können sie aber nicht nutzen, können uns nicht mit ihr wiedervereinigen, können sie nicht erkennen. Darin liegt der ganze Punkt.

Dennoch wird sie dadurch nicht schlechter. Sie betrachtet es gewissermaßen so: Nun, was soll’s, ob ihr sie nutzen könnt oder nicht, ich aber bin immer rein, ich aber bin immer vollkommen. In gewissem Sinne spielt es keine Rolle, ob Sie sie nutzen können oder nicht, ob Sie sie erkennen können oder nicht — sie verändert ihre Natur dennoch nicht, sie ist unveränderlich, sie hängt nicht von Ihnen ab, überhaupt nicht. Sie hängt nicht davon ab, wie rechtschaffen, rein oder verdunkelt Sie sind, wie tapasvoll Sie sind oder wie hedonistisch Sie im Gegenteil sind. Sie sagt gewissermaßen: Du kannst sein, wie du willst, kein Problem, ich bleibe trotzdem dieselbe, du bist trotzdem in mir. Es ist wie ein Fisch im Wasser — ob der Fisch mit dem Schwanz nach rechts oder nach links schlägt, er ist trotzdem im Wasser. Auf dieselbe Weise befinden wir uns darin.

Der Weg zur Erkenntnis der göttlichen Schicht des Bewusstseins

Frage: Wie kann man diese göttliche Schicht des Bewusstseins erkennen und sich ihr hingeben?

Dann enden diese Projektionen des Geistes, die zu zukünftigen Wiedergeburten führen und zukünftiges Karma erschaffen. Und um sich dieser Schicht des Bewusstseins hinzugeben, muss man auf sie eingestimmt sein, ihr ergeben sein, denn sie ist Gott selbst, der göttlichste Teil in uns. Eingestimmtheit, Glaube, Hingabe und die Fähigkeit, im Gewahrsein, in der Kontemplation, wachsam, in Avadhana zu sein — all dies zusammen.

Demut, Vergebung, Gehorsam — das sind jene Tugenden, die dazu führen, dass wir auf diese innerste lichttragende Schicht des Geistes eingestimmt sind. Dabei muss dies wahre Demut sein. Äußere Demut sieht so aus, dass ein Mensch äußerlich demütig ist, während der Geist im Inneren tanzt. Gemeint ist jedoch innere Demut. Manchmal zeigt ein Mensch diese innere Demut nach außen hin vielleicht gar nicht, doch innerlich ist er tatsächlich demütig, sehr demütig. Das heißt, vor dieser göttlichen lichttragenden Schicht des Bewusstseins gibt er sich ihr vollständig hin, obwohl seine Karmas ihm vielleicht nicht immer erlauben, nach außen hin demütig zu sein — dies ist vor allem eine innere Qualität.

Dasselbe gilt für den Gehorsam — er hört vollständig, lauscht, er ist auf diese göttliche Schicht eingestimmt, er ist nicht taub, er lauscht in sie hinein, er lauscht sehr feinfühlig in sie hinein. Für ihn ist das Wichtigste: Er hört die Stimme Gottes.

Mehr noch, Vasishtha sagt: Wir selbst können nun diese Welt lenken. Praktisch ist die „Yoga Vasishtha“ eine einzigartige spirituelle Enzyklopädie, ihr Niveau ist sehr hoch, dennoch ist sie sehr zugänglich.

Verbindung mit der spirituellen Linie der Lehre

Der Guru sagt: Indem wir Zuflucht nehmen und Schüler unserer Tradition werden, verbinden wir uns mit der spirituellen Linie der Lehre, stellen eine Verbindung zu den Siddhas und Rishis her. Die Rishis und Siddhas, die sich in der Dimension der vedischen Tradition befinden... diese Tradition selbst beruht auf der Lehre der alten Rishis, der alten Weisen, und die alten Rishis selbst werden als Nachkommen der Zivilisation der alten Arier dargestellt.

Die Siddhas, die Rishis — sie sind bereits jenseits des Spiegels, sie sind dorthin hinübergegangen, sie leben dort. Der größte Teil ihrer Energien, ihres Bewusstseins ist dorthin übertragen worden, in diese feinste lichttragende Schicht des Bewusstseins, weil sie alle Brahma-Jnana besitzen. Brahma-Jnana zu besitzen bedeutet, diese göttliche lichttragende Schicht des Bewusstseins, diese Quantenunbestimmtheit der Weltschöpfung, vollständig und ganz zu erkennen und auf dieser Ebene zu leben.

Auf der physischen Ebene leben sie gewissermaßen von Zeit zu Zeit, indem sie sich manchmal manifestieren, sich in Form von Avataren verkörpern, als illusorische Körper erscheinen oder irgendwelche Spiele vollziehen, doch das ist nicht mehr der Hauptteil ihrer Persönlichkeit — es sind ihre Manifestationen. Und wenn wir eine Verbindung zu Dattatreya, Vasishtha, den sieben Rishis, Heiligen und Gottheiten herstellen, dann wird angenommen, dass wir diesen Teil anrufen, den göttlichen Teil, in dem sie sich etabliert haben — eben diese feinste göttliche Schicht des Bewusstseins.

Wenn wir mit der Lehre in Berührung kommen, nehmen wir teil an der Zivilisation der alten Arier, der Zivilisation der Götter, die im Treta-Yuga und Dvapara-Yuga bestand. Wenn wir verstehen wollen, welche Anschauung sie hatten, müssen wir die Anschauung des Rishi Vasishtha verstehen. Wenn wir eine so würdige Vergangenheit hatten, ist es sehr wichtig, dass wir selbst würdige Erben einer solchen Zivilisation des Gottmenschen und der Götter selbst sind.

Die vedische Zivilisation der alten Arier ist ein Mandala des Gottmenschen und der Götter, deren Ziel, im Unterschied zur modernen Gesellschaft, das sakrale Ziel der Erkenntnis des Absoluten und der Selbstvervollkommnung war, die beständige Entwicklung und Vervollkommnung der Seele. Eine solche Zivilisation gründete auf der Anschauung der Rishis, ihrer Begründer. Rishi Vasishtha ist einer dieser Begründer. Wenn sich ein Hingebungsvoller mit aufrichtigem Herzen an Vasishtha wendet, empfängt er unweigerlich seine Gnade.

Gebet an Rishi Vasishtha

Der Guru hat uns das Gebet des Rishi Vasishtha übermittelt. Ein Gebet um die Beseitigung der Unwissenheit, um Segen und um Weisheit:

O Großer Rishi, Hüter der Weltschöpfung, Sohn Brahmas, des Schöpfers selbst, o Weisester unter den Weisen, o Heiligster unter den Heiligen, o Vasishtha, zu dir rufen wir mit Liebe und Glauben. Zu dem, dessen Weisheit Myriaden von Welten erleuchtet, der mit mächtigen Worten, mit wahrer Kraft in der königlichen Versammlung brüllend wie ein Löwe, Prinz Rama erweckte, dessen Segnungen in einem unaufhörlichen Strom fließen.

O Herr unter den Weisen und Unsterblichen, den Götter und Menschen verehren, ich bitte dich, gieße den magischen Nektar deiner Weisheit über uns aus; ein einziger Tropfen davon wird alle Illusionen, alles Karma und alle Kleshas auflösen. Ich flehe dich an, schenke uns den Segen der Weisheit, des Glaubens und der Kraft. Sende deine Strahlen des Mitgefühls, zerstreue die Dunkelheit der Unwissenheit, vertreibe die inneren Maras aus Geist und Herz.

Ich bitte dich, erwecke in uns die reine Sicht und die Größe der Gottheit, erleuchte uns mit dem makellosen Verständnis des einen Geschmacks, schenke uns das höchste Wohl, das Wissen um unsere Gottgleichheit, nach der alle Heiligen und Götter suchen.

Om Vasishthaya namaha!

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