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Der Weg zur Göttlichkeit: vom Karma zum göttlichen Spiel

31.05.2026
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Der Weg zur Göttlichkeit: vom Karma zum göttlichen Spiel

Vedische Kultur und die Grundlagen des spirituellen Weges

Wir sind hier, weil wir den Weg des Göttlichen gehen wollen, weil wir Sanatana-Dharma als unseren Weg gewählt haben. Und dem Weg des Sanatana-Dharma zu folgen bedeutet, vom menschlichen Zustand zum göttlichen zu gehen. Sanatana-Dharma sagt nicht, dass der menschliche Zustand ein Zustand ist, in dem wir ewig verbleiben müssen. Und es sagt nicht, dass dies der höchste und größte Zustand sei. Ganz und gar nicht. Im Gegenteil, Sanatana-Dharma sagt, dass der menschliche Zustand ein sehr begrenzter Zustand ist und dass man nicht an ihm festhalten soll, dass der Mensch keineswegs die Krone der Evolution ist. Und es sagt, dass man den menschlichen Zustand so schnell wie möglich in Richtung eines höheren verlassen muss.

Sanatana-Dharma sagt, dass unser Schicksal ein anderes ist, und dass unser Schicksal darin besteht, vom Menschen zum Gottmenschen und vom Gottmenschen zur Gottheit zu gehen. Wenn wir uns an den menschlichen Zustand, an die menschliche Welt, an menschliche Gewohnheiten, die menschliche Mentalität, die menschliche Kultur, menschliche Werte klammern und daran festhalten (und damit sind vor allem materialistische Werte gemeint), dann werden wir niemals Weisheit, Glück oder Entwicklung erlangen. Und das Schicksal aller, die dem Weg des Sanatana-Dharma folgen, besteht darin, zur göttlichen Dimension, zum göttlichen Zustand zu gehen.

Die Ursache vieler Probleme in der Gesellschaft liegt gerade darin, dass die Menschheit beim Menschlichen stehen geblieben ist und das Menschliche als Krone der Evolution anerkannt hat. Darwin sagte, der Mensch sei der Gipfel, der Gipfel der Nahrungskette, der Gipfel der evolutionären Kette, und alle glaubten ihm. Doch in Wirklichkeit ist das nicht so. Wenn Darwin ein Sadhu gewesen wäre, wenn er ein Yogi gewesen wäre, hätte er mit seiner spirituellen Sicht viele erhabene Seelen, Heilige, Siddhas und Götter gesehen. Und er hätte gesehen, dass das gesamte Universum von diesen göttlichen Wesen gelenkt wird. Der Mensch ist keineswegs der Gipfel der Evolution.

Leider bringt eine solche irrige Sichtweise der Menschheit viele Probleme, denn indem sie sie annahm, weigerte sich die Menschheit, den Weg der Evolution zu gehen, weigerte sich, den Weg der Entwicklung zu gehen, sie wollte stehen bleiben, dieselbe bleiben wie zuvor. Einfach bequem leben, gut, harmonisch, wohlhabend leben, keine Probleme haben. Doch gerade dann, wenn der Mensch so zu denken beginnt, treten verschiedene äußere Kräfte auf, die ihn auf die Fehlerhaftigkeit seiner Entwicklung hinweisen: Krisen, Naturkatastrophen — das sind eben solche äußeren Kräfte, initiiert von den Göttern, die für die Entwicklung unserer Zivilisation verantwortlich sind und den Menschen dazu anregen, zu denken, das Bewusstsein anzuspannen, nach Auswegen zu suchen, damit er in seiner evolutionären Entwicklung nicht stehen bleibt.

Doch für Sanatana-Dharma sind solche Entwicklungswege, Wege des Auswegs, vollkommen offensichtlich, und sie existieren immer. Sanatana-Dharma verbindet die Zukunft der Menschheit mit der Göttlichkeit. Es verbindet die Zukunft der Menschheit mit Befreiung, Erleuchtung, dem Übergang in die Klasse der Siddhas, der erleuchteten Weisen, der göttlichen Wesen. Denn Göttlichkeit liegt der Schöpfung zugrunde, Göttlichkeit ist das sakrale, verborgene Wesen aller Erscheinungen und Dinge im Universum. Und wenn wir wirklich Glück wollen, dann müssen wir den Weg zu dieser Göttlichkeit suchen.

Wenn wir diesen Weg suchen, nennt man uns Sadhus. Doch wenn wir ihn nicht suchen, sondern in unserer Menschlichkeit verweilen, auf unserer Menschlichkeit bestehen, sagen: „Ich bin ein Mensch, und ich will es bleiben, mir geht es gut, Hauptsache, die Bedürfnisse meines Körpers werden bestätigt, meine materiellen Bedürfnisse meines Körpers werden bestätigt, und das genügt mir“, dann nennt man uns Karma-Bandha — durch ihr Karma Gebundene (jene, die begrenzt sind).

Göttlichkeit als Befreiung vom Karma

Unter Göttlichkeit verstehen wir vor allem Freiheit vom Karma, Freiheit von den Begrenzungen des menschlichen Zustands, denn der menschliche Zustand ist eben die Folge von Karma, die Folge des Wirkens karmischer Gesetze. Und in gewissem Sinne bedeutet, den Weg des Sanatana-Dharma zu gehen, gegen den Strom zu gehen, gegen die dominierende Kultur, gegen die dominierenden Bedeutungen und Werte in der Gesellschaft, gegen das, was man uns in der Schule gelehrt hat. So scheint es zunächst. Doch in Wirklichkeit hat die menschliche Kultur ihren eigenen kleinen Teil. Und wir müssen gegen nichts vorgehen, wir müssen einfach den Platz der menschlichen Kultur, der menschlichen Werte in der gesamten riesigen Mandala des großen Universums des Sanatana-Dharma verstehen.

Und wenn wir die Mandala des Universums des Sanatana-Dharma und die menschliche Welt sehen, werden wir sehen, dass es zu nichts Widersprüche gibt, dass Sanatana-Dharma, Advaita, zu nichts Widersprüche haben, sondern dass einfach alles an seinem Platz ist. Und wir müssen die Akzente, die Prioritäten setzen. Und wir müssen die menschlichen Bedeutungen, Ziele und Werte an ihren Platz stellen, die Bedeutungen, Ziele und Werte der Sadhus an ihren Platz. Und dann werden wir den ganzen Kosmos, das gesamte riesige vedische Universum in seiner Ganzheit sehen können. Und das wird so sein, als hätten wir den Platz für den Kindergarten, für die Schule, für die Hochschule, für das Aufbaustudium und die Promotion gefunden. Wir haben alles an seinen Platz gestellt.

Wenn wir all dies an seinen Platz setzen können, offenbart sich vor uns der majestätische Baum des Sanatana-Dharma und des spirituellen Weges des Sanatana-Dharma.

Brahman — die fundamentale Grundlage des Seins

Worauf gründet also das Prinzip des Sanatana-Dharma? Es gründet auf der fundamentalen Grundlage des Seins — auf dem ursprünglichen Meta-Verstand des gesamten Universums und der ganzen Schöpfung, den die vedische Tradition Brahman nennt. Brahman ist Anfang und Ende, Alpha und Omega von allem; es ist der Ursprung des Lebens, die erste Ursache unseres Seins, die erste Ursache der Geburt des Universums, der Zeit, des Erscheinens des Raumes, des Erscheinens der fünf Elemente. Es ist die ursprüngliche Ursache aller Ursachen.

Kontemplation Brahmans als ursprünglicher Quelle des Seins

Den Weg der Göttlichkeit, den Weg der Erleuchtung zu gehen bedeutet, diese Ursache tief zu erforschen, diese ursprüngliche Quelle in sich selbst zu entdecken und sie zu verstehen. Und wenn wir sie verstehen, wird dies Jnana oder Gyan genannt — Wissen. Und im Leben gibt es einen Moment, in dem wir nichts davon wissen, und einen, in dem wir davon wissen. Wenn wir nichts davon wissen, wird dies Ajnana, Avidya, Unwissenheit genannt. Und wenn wir davon wissen, wird dies Jnana, Wissen genannt.

Zwei Arten von Wissen: Paroksha und Aparoksha

Dabei gibt es zwei Arten von Jnana: Paroksha und Aparoksha. Paroksha-Jnana ist geliehenes, gehörtes oder gelesenes Wissen. Aparoksha ist direktes Wissen, das unmittelbar im eigenen Bewusstsein erkannt wurde.

Zum Beispiel haben Sie früher gelebt und niemals etwas von Brahman, vom Absoluten — der ursprünglichen Ursache aller Ursachen — gewusst. Solche Gedanken kamen Ihnen nicht einmal in den Sinn. Sie lebten Ihr Leben. Das ist Ajnana, Unwissenheit. Manchmal gab es Momente, in denen Sie über etwas nachdachten, manchmal gab es Momente des Leidens, Sie lebten einfach. All dies ist Ajnana, Unwissenheit. Das heißt, Sie erkannten nicht, was hinter allen Erscheinungen im Universum, hinter Ihrem Leben steht: eine gewisse einheitliche Grundlage, einen einheitlichen Meta-Verstand. In theistischen Religionen nennt man dies Gott.

Doch dann begannen Sie nachzudenken, begannen die Meister zu lesen, und etwas begann zu erwachen. Sie erfuhren, dass es eine gewisse Erste Ursache aller Ursachen gibt, ein gewisses Bewusstsein, das allen Erscheinungen zugrunde liegt. Gerade dieses Bewusstsein ist die Ursache Ihrer Eltern, Ihrer Sippe, Ihres Lebens, der gesamten menschlichen Zivilisation, überhaupt aller Wesen. Und Sie begannen, davon zu hören und zu lesen. Sie haben es nicht erkannt, aber zumindest hat sich Ihr Geist ihm zugewandt. Und Sie erhielten ein gewisses Wissen, auch wenn es vom Verstand stammt.

Dies ist Paroksha-Jnana — Wissen, das durch Schriften auf der Ebene von Büchern oder Philosophie aufgenommen wurde. Und es gibt sehr viele Menschen, die dem Weg des Paroksha-Jnana folgen. Es gibt viele Priester, Missionare, die über Gott sprechen, Gelehrte, Pandits. Und das ist normal, das ist nicht schlecht. Aber es schenkt keine wahre Verwirklichung, keine vollständige Befreiung. Es ist lediglich geliehenes, verstandesmäßiges, gehörtes Wissen.

Und Advaita-Vedanta, Sanatana-Dharma, besonders das Pratyaksha-Advaita der Siddhas, sagen, dass dies gut ist, dass Paroksha-Jnana besser ist als Ajnana, dass man aber weitergehen muss, dass man Aparoksha-Jnana erlangen muss — die direkte unmittelbare Schau. Nur Aparoksha-Jnana beseitigt die Unwissenheit und ermöglicht es der Seele, aus dem Samsara auszubrechen.

Der Weg zur direkten Erkenntnis

Die Lehre des Pratyaksha-Advaita, des direkten Advaita der Siddhas, die tantrischen Lehren, die Lehre von Guru Brahmananda — dies ist der Weg zur Erlangung von Aparoksha-Jnana, der direkten unmittelbaren Schau. Shankara hat einen sehr berühmten Text, der „Aparoksha-Anubhuti“ heißt — nicht vermittelte Erkenntnis, das heißt direkte Erkenntnis. Und die kostbare Lehre des Laya-Yoga der Siddha-Tradition, Pratyaksha-Advaita — all dies ist der Weg zur direkten, nicht vermittelten Erkenntnis der Höchsten Quelle.

Es gibt einen universellen Meta-Verstand, die Höchste Quelle, Gott, das Absolute Bewusstsein, die Fundamentale Grundlage des Seins. Und wir müssen irgendwie eine Verbindung zu Ihm herstellen. Wir müssen unsere Beziehung zu Ihm bestimmen. Wir müssen Ihn in uns selbst und unsere Identität mit Ihm erkennen. Wir müssen Ihn irgendwie verstehen, erfahren und unser Leben auf der Grundlage dieser Erfahrung neu begreifen.

Sat-Chit-Ananda — die drei Aspekte Brahmans

Also wird eine solche Höchste Quelle in der vedischen Tradition Brahman genannt, und Ihre Haupteigenschaften sind Sein, Bewusstsein, Glückseligkeit — Sat-Chit-Ananda. Doch die Worte „Sein, Bewusstsein, Glückseligkeit“ erscheinen wie abstrakte philosophische Kategorien, sie sagen nichts aus. Wir müssen dies tief verstehen, wiederum durch Aparoksha-Jnana, nicht durch den Verstand. Das ist keine Philosophie.

Sieben Chakren, Kundalini und die feinstoffliche Energie Chitrini in der Meditation

Sat —   Nichtduale Leere, Sein

Also, was bedeutet Sein? Sein bedeutet nichtduales Gewahrsein jenseits von Name, Form, Subjekt und Objekt, das die gesamte Schöpfung durchdringt und sich ebenso im innersten Zentrum unseres Ichs, unseres Bewusstseins, befindet. In uns gibt es ein ungehindertes, leeres, objektloses, subjektloses, nichtduales Sein. Wir können es erfahren, wenn unser Geist zum Stillstand gekommen ist, frei von Vrittis, von Gedanken. Es ist ein haltloses, auf nichts gestütztes, unbegreifliches Bewusstsein. Und es befindet sich im innersten Zentrum unseres Ichs. Doch leider verdeckt unser Geist es immer. Unsere gedankliche Tätigkeit, unsere Anhaftungen, sie lassen uns nicht darauf konzentrieren.

Im absoluten Sinn ist das grenzenlose Sein (Sat) die Grundlage und Quelle aller Erscheinungen im Universum. Aus dieser Grundlage wird Ishvara geboren — der Schöpfergott. Ishvara (der Schöpfergott, Brahma) ist das Höchste Bewusstsein, das bestimmte Absichten angenommen hat.

Brahma erschafft das Universum entsprechend dem Karma der Seelen. Die Seelen sind ebenfalls Teile dieses Ursprünglichen Bewusstseins. Und sagen wir es so: Dieser Teil des Ursprünglichen Bewusstseins besitzt keine Weisheit. Dann setzt Brahma den Prozess der Schöpfung des Universums in Gang, damit die Seelen entsprechend ihrem Karma Körper erhalten und bestimmte Erfahrungen in dieser Welt machen können. Das ist vergleichbar damit, wie jemand für Kinder einen Spielplatz baut.

Ishvara und die Eigenschaften Bhagavans

Brahma (oder Ishvara) ist ein solches Bewusstsein, das die Quelle und das Ende der Schöpfung kennt, das Geburt und Tod der Lebewesen kennt, das sowohl Vidya als auch Avidya kennt (Erleuchtung und Gebundenheit). In den vedischen Texten wird Ishvara (oder Bhagavan) als der beschrieben, der mit Bhaga ausgestattet ist. Bhaga sind bestimmte Eigenschaften spiritueller Macht, Weisheit und Kraft. Und es gilt: Wer mit sechs Eigenschaften (Bhaga) ausgestattet ist, der ist Ishvara.

Welche Eigenschaften sind das?

  • Höchste Herrschaft
  • Höchste Göttliche Kraft, Vidya Bala
  • Yashas — Höchste Ausstrahlung (der weltliche Begriff dafür ist Ruhm)
  • Shri — Höchste Energie (kann sowohl Erfolg und Wohlergehen als auch Energie, Kraft, Gesundheit und materiellen Wohlstand bedeuten)
  • Vairagya — Getrenntheit von den eigenen Energien, von den eigenen Manifestationen
  • Jnana-Shakti — Vollkommenheit der Weisheit und Svatantriya-Shakti — Energie der Freiheit

Und so ist Ishvara, im Unterschied zur Jiva (Seele), derjenige, der in Vollkommenheit mit vielfältigen unendlichen Eigenschaften ausgestattet ist. Und sie alle entspringen dem Aspekt Sat.

Im Unterschied zu Ishvara sind wir, die Seelen, ebenfalls Teile des einen Bewusstseins, doch sind wir mit diesen Aspekten nicht in Vollkommenheit ausgestattet. Uns fehlen die Höchste Göttliche Kraft, die Höchste Göttliche Herrschaft, Leidenschaftslosigkeit und Weisheit; wir unterliegen leicht dem Einfluss der materiellen Natur.

Wenn das Absolute Bewusstsein dem Einfluss der Zeit nicht unterliegt und für das Absolute Bewusstsein die Zeit eine unteilbare Substanz ist und dies das Spiel seiner Energien ist (Akhanda-Kala), dann sind wir, die Seelen, Khanda-Kala unterworfen — dem Einfluss der teilbaren Zeit. Und auf uns alle übt die Zeit Druck aus.

Das Wirken von Kala Shakti — des Drucks der Zeit

Warum wird zum Beispiel ein Mensch erwachsen, altert, wird dann krank, stirbt und wird dann wieder geboren? Weil die Zeit auf ihn drückt. Der Druck der Zeit (Kala Shakti) ist das, was alle Lebewesen erfahren. In der Welt der Menschen gibt es zum Beispiel ein Sprichwort: Wenn Sie über sechzig sind, aufgewacht sind und Ihnen nichts weh tut, bedeutet das, dass Sie gestorben sind. Denn die Zeit drückt auf alle Lebewesen — Kala Shakti.

Und diese Zeit kommt in Form einer Energie, die aus der feinstofflichen Welt, aus der Dimension Taijas, durch Brahmadvara — das Sahasrara-Chakra — herabsteigt und in die Kanäle eintritt. Die Verteilung dieser Kala Shakti regulieren die Grahas — die planetarischen Gottheiten. Manchmal, wenn in unserem Horoskop starke Grahas wirken, spüren wir verschiedene Probleme oder Unwohlsein, oder in der äußeren Welt geht uns etwas verloren; das bedeutet, dass der Druck der Zeit stärker geworden ist.

Es wird angenommen, dass die Gottheiten sich an alle Handlungen, Worte und Gedanken erinnern, die wir in der Vergangenheit vollbracht haben, und dass sie einfach unparteiische Spiegel sind. Und sie geben uns Karma-Phala zurück — die Früchte unserer vergangenen Gedanken und Handlungen. Einfach unparteiische Reflektoren — alles, was wir in der Vergangenheit getan haben, alles, was wir uns gewünscht und in diesem Leben gewollt haben, geben sie uns einfach zurück. Und das ist ihre Pflicht, das ist ihre Seva — ihr Dienst. Durch Karma-Phala erhalten wir die Früchte und Ergebnisse unserer Handlungen.

Also befinden wir uns alle als Seelen (Jivas) unter dem Druck der Zeit. Kala Shakti drückt, drückt auf den Menschen und wischt ihn dann vom Brett, so wie man eine Schachfigur vom Schachbrett nimmt. Es gab große Könige, große Politiker, große Persönlichkeiten, aber wo sind sie jetzt? Tausend Jahre werden vergehen; es ist schwer zu sagen, wie Odessa sein wird, ob es Odessa überhaupt geben wird. Tausend Jahre werden vergehen, vielleicht werden hier Archäologen sein. Sie werden die Kultur alter Völker erforschen, sie werden sehen, dass diese Völker Advaita studierten. Für sie wird das Wort Advaita ungewöhnlich sein, vielleicht werden sogar alle vergessen, wer weiß. Das alles ist Kala Shakti, der Druck der Zeit.

Und wir sind Kala Shakti unterworfen. Kala Shakti wirkt sechzig Sekunden pro Minute, sechzig Minuten pro Stunde, sieben Tage in der Woche und 365 Tage im Jahr. Das ist ein ununterbrochener Strom. Und dieser Strom reißt, wie ein reißender Fluss, alle lebenden Seelen mit sich, reißt sie mit sich, reißt sie mit sich. Nur starke Sadhus, erleuchtete Weise, können dem Druck der Zeit widerstehen. Warum? Weil sie fähig sind, in die Dimension Sat einzudringen. Sat ist die Dimension Gottes. Und dort gibt es keine Wirkung der Zeit. Dort ist die Zeit unteilbar und keine solche Substanz wie bei uns, die in Form einer geraden Linie aus der Vergangenheit in die Zukunft fließt. Und wenn Sadhus in den Aspekt Sat eindringen, befreien sie sich von der Wirkung der Zeit, sie werden Ishvara ähnlich, Gott selbst, dem Absoluten, das der Zeit nicht unterworfen ist.

Chit — das sich selbst erkennende Bewusstsein

Ein anderer Aspekt des Absoluten ist Chit. Chit ist Bewusstsein, das sich selbst erkennt. Es ist Bewusstsein, das, indem es sich von Sat trennt, über sich selbst meditiert, sich selbst erkennt, sich seiner selbst bewusst wird, sich widerspiegelt und über sich selbst reflektiert. Wenn wir zum Beispiel meditieren und in der Leere verweilen, entsteht in uns das Gewahrsein dieser Leere. Und wenn dieses Gewahrsein entsteht, spüren wir plötzlich ein Licht, das kommt, und eine sehr feine Klarheit; in uns wirkt Chit, das heißt die ungehinderte Fähigkeit zur Erkenntnis, das alldurchdringende Bewusstsein, das fähig ist, alles in dieser Welt, alles in allen anderen Welten zu erkennen. Das ist Chit.

Ananda — die Energie der Glückseligkeit

Schließlich ist der dritte Aspekt Brahmans Ananda. Ananda ist Energie, die Energie der Glückseligkeit, die sich ungehindert über alles ausbreitet. In dieser Welt ist alles auf Energie und auf dem Empfang der Energie der Glückseligkeit aufgebaut. Wenn wir essen, irgendwelche Objekte erhalten, strebt jeder von uns danach, Ananda zu empfangen. Das heißt, wir wissen unfehlbar, wie man Ananda aus Nahrung, aus Wasser, aus Beziehungen, aus Geld gewinnt. Das heißt, alles, wonach wir streben, ist Gott. Wir brauchen in Wirklichkeit kein Geld, wir brauchen keine irgendwelchen Objekte, wir brauchen Ananda.

Wenn sich all dies durch unseren Körper in unserem Inneren schließt und Ananda entsteht, fühlen wir: „Ich bin glücklich, ich bin zufrieden.“ Denn wir sind für eine gewisse Zeit mit dieser ungehinderten Energie Anandas in Berührung gekommen. Doch um Ananda zu erlangen, müssen wir große Anstrengungen unternehmen. Zum Beispiel arbeitet ein Mensch viel, aber Freude gibt es nicht, Freude gibt es sehr wenig. Man muss große Anstrengungen unternehmen, um Ananda zu erlangen. Dem Absoluten jedoch ist Ananda ohne jegliche Begrenzungen eigen. Sie ist Ihm immer eigen. Das heißt, es ist eine ununterbrochene Welle der Glückseligkeit, die die gesamte Schöpfung und das ganze Universum durchdringt.

Ananda als goldene Energie der Glückseligkeit in der Meditation

Also ist die Höchste Quelle Sat, Chit, Ananda. Die nichtduale Leere — Sat. Das sich selbst erkennende Bewusstsein — Chit. Und die ungehinderte Energie der Glückseligkeit — Ananda. Diese drei Dimensionen existieren auch in unserem Körper. Wenn wir uns zum Beispiel auf die Chakren konzentrieren, Pranayamas praktizieren oder einfach gut meditieren, entsteht im Körper Ananda als Ergebnis der Bewegung der Zirkulation der Winde durch die Kanäle und des Schmelzens der Tigle — der feinen Tropfen, die sich in den Chakren befinden. Und wir kommen ein wenig mit dieser Ananda in Berührung.

Unmittelbare Erkenntnis des Absoluten

Die unmittelbare Erkenntnis Gottes, die Erkenntnis des Absoluten, bedeutet das Eintreten in die Dimension Sat-Chit-Ananda. Wenn wir im Zustand des Samsara leben, leben wir im Zustand von Asat — Nicht-Wahrheit, weil wir Sat nicht erkennen: Das nichtduale, leere, räumliche Gewahrsein wird von uns nicht erkannt, weil im Geist ein starkes Verlangen nach materiellen Objekten besteht. Die äußere Welt, materielle Objekte besitzen einen gewaltigen Zauber, eine gewaltige Anziehungskraft. Auch Chit wird von uns nicht erkannt — das sich selbst erkennende Gewahrsein, die feine Klarheit, die überall gegenwärtig ist, und ebenso wird Ananda nicht erfahren.

Der Zustand des Samsara ist, wenn wir die fundamentale Grundlage der Schöpfung nicht erkennen, Sat-Chit-Ananda nicht erkennen. Der Weg zur Göttlichkeit, auf den die vedische Tradition hinweist, verläuft über das Erkennen dieses fundamentalen Prinzips. Das Erkennen eines solchen fundamentalen Prinzips, wenn es der Meister erklärt und wenn wir alle Zweifel daran beseitigen, wird das Erlangen der vollkommenen Anschauung oder Sichtweise genannt — Drishti. Und zunächst brauchen wir zumindest eine Sichtweise, zumindest eine Weltanschauung, etwas, worauf wir uns stützen könnten, zum Beispiel die Weltanschauung „Alles ist Brahman“ oder „Aham Brahmasmi“. Wir brauchen eine sehr weite, sehr geöffnete Weltanschauung, wenn wir verstanden haben, worin das Wesen der Schöpfung besteht. Doch diese Weltanschauung muss vollständig unsere werden, und wir müssen uns vollständig in ihr festigen. Deshalb reicht nur eine Sichtweise, nur eine Anschauung nicht aus. Wir brauchen das Gewahrsein davon. Und diese Sichtweise, diese Weltanschauung, ist Sat. Doch wir brauchen Gewahrsein, ein vollständiges Verständnis davon, sonst wird es einfach Glaube sein, der nicht durch persönliche Erfahrung gestützt ist.

Und dann sagen wir, dass es außer der Anschauung auch noch Gewahrsein gibt, und Gewahrsein ist Meditation, das Verweilen im meditativen Bewusstsein (Dhyana). Und wir müssen verstehen, wie man meditiert, wie man im meditativen Bewusstsein verweilt, wie man es entdeckt, wie man sich ihm nähert und wie man es niemals verlässt. Erfahrene Meister verweilen immer im meditativen Bewusstsein. Götter, Heilige, Siddhas sind Quellen des größten meditativen Bewusstseins. Sie alle verweilen im Sahaja-Samadhi. Anfänger jedoch verweilen nicht im meditativen Bewusstsein, unreife Seelen, beginnende Yogis. Sie verweilen im meditativen Bewusstsein nur für einige Sekunden, Minuten, nur als kurze Lichtblicke in ihrem Leben. Manchmal verweilen sie im meditativen Bewusstsein während eines Retreats, doch das meditative Bewusstsein ist nicht zu einem Teil ihres Lebens geworden.

Schließlich gibt es außer der Meditation noch die Handlung (Kriya), das Verhalten. Handlung, Verhalten bedeutet, wie man im Universum handelt, wie man sich manifestiert, wenn man immer im meditativen Bewusstsein ist, die Fähigkeit, innere Energien kunstvoll zum Ausdruck zu bringen. Und all diese drei bilden den Weg im Sanatana-Dharma. Jnana (Sichtweise), Dhyana (Gewahrsein) und Kriya (Handlung). Zum Beispiel haben wir die Sichtweise aufgenommen, wir haben eine bestimmte Weltanschauung erlangt: „Alles ist Brahman“, „Ich bin Brahman“. Wir haben sogar ein wenig gelernt zu meditieren und durch Satipatthana, Atma-Vichara, Shambhavi-Mudra, Mantra, Sankalpa und andere Methoden im Zustand der Bewusstheit zu verweilen. Doch dann erhebt sich die Frage: Wie soll man handeln, wie sollen wir uns, ausgehend davon, richtig manifestieren? Was ist Handlung, was ist die Energie, die wir zum Ausdruck bringen?

Also bilden all diese drei den Gegenstand der Betrachtung des spirituellen Weges — Jnana, Dhyana und Kriya. Und wenn wir von Handlung sprechen, sagen wir, dass wir ausgehend von der nicht-dualen Anschauung handeln müssen, dass wir handeln müssen, während wir im meditativen Bewusstsein verweilen. Das ist das Hauptprinzip: niemals die nicht-duale Anschauung verlieren, niemals die Bewusstheit verlieren. Und wenn wir Karma-Sannyasa annehmen, Diksha erhalten, das Guru-Mantra, geben wir gleichsam ein solches inneres Versprechen: immer zu versuchen, aus der Bewusstheit heraus zu handeln, aus der Nichtdualität heraus zu handeln. Wenn ich nicht bewusst bin, wenn ich die nicht-duale Anschauung verloren habe, dann wirken Karmas auf mich ein, ich erhalte Karma-Phalas (die Ergebnisse meiner Handlungen), verschiedene Planeten beeinflussen mich, die Gesellschaft beeinflusst mich, die umgebende Kultur, schlechte Stimmung, das Wetter, und in mir gibt es niemals Stabilität, ich kann nicht über Gott meditieren; man kann sagen: „Gott lebt nicht in meinem Herzen und erscheint überhaupt nur selten in meinem Leben, weil ich nicht weiß, wie ich jeden Augenblick vor Gott stehen soll, wie ich leben soll, ohne Gott zu verlassen, wie ich in Gott sein soll, wie ich mich selbst Gott hingeben soll.“ Doch wenn wir im meditativen Bewusstsein verweilen, müssen wir lernen, ausgehend vom meditativen Bewusstsein zu handeln. Die Kunst des Handelns im meditativen Bewusstsein heißt Nididhyasana. Nididhyasana bedeutet, dass wir ständig im meditativen Bewusstsein verweilen. Und dieses meditative Bewusstsein ist auf die Höchste Quelle gerichtet — nur auf Gott. Es ist weder auf den Atem noch auf die Chakren noch auf Geister noch auf etwas Formhaftes gerichtet, es ist nur auf die Höchste Quelle gerichtet. Das heißt, unser hauptsächliches meditatives Bewusstsein muss nur auf Gott gerichtet sein. Und es muss wissen, wie es auf Gott gerichtet sein soll.

Das Gesetz des Karma und die Selbstbefreiung der Gedanken

Wenn wir die Anschauung vergessen und kein meditatives Bewusstsein haben, dann begehen wir falsche Handlungen. Unsere Taten, unsere Gedanken, unsere Rede — sie alle gehen vom Ego aus, und das Ego ist ein Produkt des Karma. Und dann erfahren wir gleichsam die Entfaltung unserer Karma-Phalas (karmischen Früchte). Und wenn wir ausgehend vom Karma handeln, dann sammeln wir neues Karma an. Über solche Menschen sagt man, dass ihre Gedanken dem Einritzen in Stein gleichen. Das heißt, wenn in Stein etwas eingeritzt wird, bleibt es lange bestehen. Doch wenn wir aus der nicht-dualen Anschauung heraus handeln, aus dem meditativen Bewusstsein heraus, werden unsere Gedanken zu einem Spiel, sie bedeuten nichts. Und sie lösen sich augenblicklich auf, indem sie sich von selbst befreien. Man vergleicht sie mit Kreisen auf dem Wasser. Die Kunst des Handelns aus dem meditativen Bewusstsein ist die Kunst, in der Anschauung und in der Meditation zu verweilen, während unsere Taten, unsere Rede und unsere Gedanken sich manifestieren. Und wenn wir die richtige Kunst des Handelns wählen, beginnen wir, unser Karma aufzulösen. Wenn wir dies vergessen, setzt sich unser Karma fort.

Gedanken wie Einritzungen in Stein und Kreise auf dem Wasser

Unsere Gedanken werden zu unserer Rede, unsere Rede wird zu unseren Taten, unsere Taten werden zu unserem Charakter und zu unserer Persönlichkeit, und unsere Persönlichkeit wird in der Zukunft zu unserem neuen Körper und zu unserer neuen Umgebung, der Welt (Loka), in der wir wiedergeboren werden. Genau so wirkt das Gesetz des Karma. Alles beginnt mit dem Denken. Es sind unsere Gedanken, die unsere Taten und Handlungen in Gang setzen. Es sind unsere Gedanken, die unser Schicksal formen.

Also, ich wiederhole noch einmal: Unsere Gedanken erschaffen unsere Worte, unsere Worte erschaffen unsere Handlungen, unsere Handlungen erschaffen unsere Persönlichkeit und unseren Charakter, unsere Persönlichkeit und unser Charakter erschaffen unser Schicksal (Daiva), unser Schicksal erschafft unseren zukünftigen Körper und jene Welt, in der wir in Zukunft geboren werden. Karma entfaltet sich genau durch eine solche Kette. Und wie ihr bemerkt habt, liegen am Anfang dieser Kette unsere Gedanken. Und davon, wie wir den Mechanismus der Entwicklung unserer Gedanken, ihres Erscheinens und ihrer Selbstbefreiung verstehen, wird unser Schicksal abhängen. Ob wir im nächsten Leben einen Körper in Gestalt eines Menschen, eines Asura, eines Rakshasa, einer Gottheit haben werden, oder ob es ihn in Samsara überhaupt nicht geben wird, ob er nur aus nichtdualistischem Bewusstsein erschaffen wird und aus Licht bestehen wird. Ob wir in der göttlichen Dimension Deva-Loka (im Paradies) geboren werden, erneut in die menschliche Welt reinkarnieren, oder ob unser Rang sinken wird und wir etwas tiefer hinabsteigen, oder ob wir überhaupt nicht mehr in irgendwelchen Lokas wiedergeboren werden, sondern die ganze Zeit im transzendenten Bewusstsein verweilen und, den Gottheiten gleich, eins mit dem Absoluten, mit der Unendlichkeit, mit Brahman werden, das beliebige Körper, beliebige Energien in beliebige Lokas emanieren kann — unser ganzes Schicksal hängt davon ab, inwieweit wir diesen Mechanismus verstehen, inwieweit wir den Verlauf unserer Gedanken in ihrer Grundlage, in ihrem Keim, auflösen können.

Die Kunst des Sahaja-Samadhi

Also, Kriya, die Kunst, im meditativen Bewusstsein zu handeln, ist die Kunst, immer und überall im Sahaja-Samadhi zu sein. Alle göttlichen Wesen, die wir sehen, verweilen alle im Sahaja-Samadhi. Wenn ihr zum Beispiel nicht bewusst seid und jemand euch etwas Kränkendes sagt, seid ihr beleidigt. Und euer Geist kann beginnen, sehr intensiv in diese Richtung zu arbeiten. Zum Beispiel könnt ihr denken, dass alle euch demütigen wollen, dass man euch unterschätzt, dass ihr eine so große Persönlichkeit seid und man euch so ungerecht behandelt, und euer Geist kann sich vieles ausdenken. Vielleicht aber hat in Wirklichkeit einfach jemand etwas nicht bemerkt; er hat nicht einmal daran gedacht, euch zu kränken, er hatte nicht einmal vor, euch zu demütigen. Ihr habt euch bereits alles selbst dazugedacht. Das ist ein Beispiel dafür, wie der Geist arbeitet, wenn er nicht im meditativen Bewusstsein verweilt, wenn er nicht in der richtigen Sichtweise verweilt. Und dann hat derjenige, der euch gegenüber unaufmerksam war, nur eine kleine Anstrengung geschaffen, einen bestimmten Prozess in Gang gesetzt, und alles Übrige hat euer Geist dazugedacht, euer Karma hat es dazugedacht. Und ihr habt bereits euer Schicksal verändert, seid durch einen solchen Tunnel der Realität gegangen, in dem all dies wahr zu werden beginnt, und ihr überzeugt euch davon. Ihr bestätigt gerade: „Ja, das ist wahr, genau so habe ich gedacht.“ Aber euer Geist erschafft all das.

Wenn ihr hingegen ein guter Sadhu seid, wenn ihr im meditativen Bewusstsein, in der nichtdualen Sichtweise verweilt, dann bewertet ihr, was auch immer geschieht, nicht, ihr fällt kein Urteil darüber. Es gibt einen solchen Ausdruck: „alles so lassen, wie es ist“. Ihr interpretiert einfach nicht, ihr gebt dem Geist nichts, worauf er Projektionen richten könnte. Ihr verweilt in nacktem Gewahrsein und in einer weit geöffneten Sichtweise, die dem Himmel gleicht. Und dann entstand die Situation, und sie löste sich auf. Und nichts — keine Karmas, keine Erfindungen, keine Tunnel der Realität; die Kreise gingen auseinander, und ihr verweilt in Gott. Ihr habt vor der Situation in Gott verweilt, ihr verweilt nach der Situation weiterhin in Gott, und ihr habt im Moment der Situation in Gott verweilt. Und nichts, und gut. Dann empfangt ihr Segen, Darshan. Ihr habt die ganze Zeit in Gott verweilt, und alles, was auch immer zu euch kommt, sowohl Gutes als auch Schlechtes, ist alles von Gott. Und dann verweilt ihr in Dankbarkeit dafür, dass Gott euch seine Segnungen, Darshans, Shaktipats gibt. So etwas ist möglich, wenn ihr tiefen Glauben habt und die Kunst der Selbstbefreiung der Gedanken kennt. Wenn ihr fähig seid, eure Gedanken, Bewertungen und Urteile gleich am Anfang zu erkennen und sie aufzufangen. Dann sind sie wie Kreise auf dem Wasser.

Und es gibt drei Stadien einer solchen Selbstbefreiung. Das erste Stadium ähnelt dem, wie eine Schneeflocke in den Ozean fällt. Die Schneeflocke fiel hinein und löste sich auf, dem Ozean ist es gleich. Man kann sogar einen ganzen Zug voller Schneeflocken in ihn hineinschütten, und er wird sie leicht auflösen. Und so sind die Heiligen, die Weisen, die Jnanis einem riesigen Ozean gleich. Ihr Bewusstsein ist nicht eng, es erinnert an einen grenzenlosen Ozean. Sie können sehr viel Karma aufnehmen, Leiden auf sich nehmen, mit sehr schmutzigen Energien, starken dämonischen Wesen, schädlichen Geistern konfrontiert werden, doch sie tun nicht einmal etwas, sie kämpfen nicht einmal mit ihnen, besiegen sie nicht, führen keinen Krieg. Der Ozean führt keinen Krieg gegen Schneeflocken. Der Ozean denkt nicht: Wie viele Schneeflocken muss ich jetzt auflösen? Der Ozean verweilt in seiner Natur. Er ist so allmächtig, so unendlich, dass er nichts tun muss. Er muss einfach er selbst bleiben, er muss einfach Ozean sein. Und wenn der Ozean in seiner Natur verweilt, selbst wenn Meteoriten in ihn fallen, verschlingt er sogar Meteoriten, alles löst sich in ihm auf.

Jnani der höchsten Kategorie leben nach dem Prinzip „alles so lassen, wie es ist“. „Alles so lassen, wie es ist“ bedeutet: Womit auch immer sie im Leben konfrontiert werden, sie fällen keinerlei Urteile, keinerlei Bewertungen, sie verweilen einfach weiter in ihrer Natur. Wenn sie auf schädliche Geister, auf Hindernisse, auf den Einfluss böser Planeten stoßen, lassen sie alles so, wie es ist, im Wissen, dass ihre Natur so unendlich, so rein und makellos ist, dass sie alles auflösen wird. Und alles so zu lassen, wie es ist, bedeutet nicht, in den eigenen menschlichen Begrenzungen zu verbleiben. Mit „alles so lassen, wie es ist“ ist gemeint, alles so zu lassen, wie es in Gott, im Absoluten ist, weil sie selbst sich nicht vom Absoluten trennen. Wenn wir uns daher im meditativen Bewusstsein befinden und unser Geist weit geöffnet und umfassend ist und wir großen Glauben und Hingabe besitzen, genügt es uns, uns zu entspannen, alles so zu lassen, wie es ist, und im Zustand der Bewusstheit zu verweilen. Dann offenbaren sich Reinheit und Vollkommenheit von selbst, und keine ablenkenden Energien können uns erschüttern. Was auch immer geschieht, alles löst sich auf. Das erinnert an einen Dieb, der sich in ein leeres Haus schleicht. Der Dieb kommt in der Hoffnung, Juwelen zu stehlen, doch er tritt ein und sieht, dass im Haus ein alter Mann sitzt, ein armer alter Mann; er trinkt einfach Tee, bei ihm gibt es nichts zu stehlen. Und dann schwinden alle Hoffnungen des Diebes, er versteht, dass es hier nichts zu holen gibt. Der alte Mann lädt ihn ein, Tee zu trinken. Sie trinken gemeinsam Tee. Der Dieb ist nicht angespannt, der alte Mann sorgt sich um nichts; es gibt ja nichts zu stehlen, man kann Freunde sein. Und dann wird das Universum uns gegenüber freundlich. Die fünf Sinnesorgane, die fünf Objekte, alles wird uns gegenüber freundlich. Wir wissen: Sie können uns nichts stehlen.

Wenn wir uns in einem Zustand der Ablenkung befinden und unser Geist keine Sichtweise, kein meditatives Bewusstsein besitzt, dann sind die fünf Sinnesorgane Diebe: Sie stehlen uns ständig Energie, unser Bewusstsein. Durch die Augen, die Ohren, die Geschmacks-, Geruchs- und Tastempfindungen, durch das Denken, durch Informationen. Alles erhebt Anspruch auf unsere Seele, alles versucht, von uns, von unserer Energie, von unserer Aufmerksamkeit Besitz zu ergreifen. Dann ist das Universum nicht freundlich, die Elemente sind nicht freundlich, und wir sind gezwungen, viele Grenzen, viele Barrieren zu setzen, uns einzuzäunen, unsere Grenzen zu schützen. Wir sind gezwungen, die Markierungen unseres Egos deutlich zu zeigen. Wie ein Tier im Wald: Jedes Tier markiert im Wald die Grenzen seines Reviers. Und sagt: „Kommt nicht hierher, hier ist mein Jagdgebiet; wer es besetzt, den zerreiße ich.“ Ebenso setzen auch wir die Markierungen unseres menschlichen Egos, weil wir wissen: Alle wollen uns etwas wegnehmen, alle wollen uns etwas stehlen. Doch man kann uns nur dann etwas wegnehmen, uns nur dann etwas stehlen, wenn wir uns nicht im Zustand der Bewusstheit befinden. Wenn wir aber im Zustand des Ozeans verweilen, wird das Universum freundlich, wir werden offen, leer und weit geöffnet. Und eine solche Art von Beziehung zum Universum nennt man wie Schwester oder Bruder. Das heißt, es sind solche warmen, stillen, friedlichen Beziehungen. Also bedeutet die Kunst, im Sahaja-Samadhi zu sein, vor allem die Kunst, in der weit geöffneten Sichtweise, im meditativen Bewusstsein zu verweilen und aus diesem heraus zu handeln.

Vedische Kosmologie

Es gibt drei Dimensionen des Universums. Vishva ist die Gesamtheit aller Körper der Lebewesen. Das ist die materielle Welt — alle Körper der Menschen, alle Körper der Tiere, alle Körper der Bäume und Pflanzen, all dies ist die Dimension Vishva. Das ist Gott in manifestierter Form. Das gesamte materielle Universum ist eine Manifestation Gottes, Ishvaras. Die Dimension Taijasa ist die astrale Dimension. Vom Wort Tejas — Leuchten, weil die astrale Dimension mit der Kraft des Lichts, des Glanzes ausgestattet ist. Und die Gesamtheit aller feinstofflichen Körper, aller Seelen, der Seelen der Götter, Asuras, Geister, Bhutas, Menschen und anderer Wesen — all dies bildet die Dimension Taijasa. In dieser Dimension manifestiert sich Ishvara als Hiranyagarbha. Hiranyagarbha ist der Höchste Herrscher, das Höchste Bewusstsein, der Goldene Keim. Das heißt, in Wirklichkeit sind all diese Seelen eins. Und Hiranyagarbha nimmt sie als seinen einen gewaltigen Astralkörper wahr. Die gesamte astrale Welt mit allen Seelen, Geistern, Gottheiten ist ein großer Astralkörper Hiranyagarbhas. In der physischen Welt wird dieser eine gewaltige Körper Vaishvanara genannt. Vaishva bedeutet Universum, und Nara — Wesen. Das heißt, es ist ein gewaltiges grenzenloses Wesen. Zum Beispiel halten wir uns alle für unabhängige Seelen, Individuen, Persönlichkeiten, doch für Gott, für Ishvara sind wir alle wie seine Zellen, wir alle sind ein Wesen. Es ist sehr wichtig, diese Einheit zu verstehen.

Drei Dimensionen der vedischen Kosmologie

Schließlich wird in der kausalen Welt die Gesamtheit aller Seelen im Kausalkörper Prajna genannt. Alle Seelen haben Kausalkörper. Und wenn wir von der Gesamtheit dieser Kausalkörper sprechen, dann ist der Zustand Prajnas jener Teil Gottes, der Ishvara genannt wird. Ishvara erkennt alle Seelen in der kausalen Welt als sein „Ich“.

Also sind alle drei Dimensionen des Makrokosmos — die physische Welt (das physische Universum), die astrale Welt (das feinstoffliche Universum) und die kausale Welt (das kausale Universum) — all dies die drei Körper Gottes, die drei Körper des Absoluten. Und Gott ist hier der Makrokosmos. Wir, die Seelen, sind der Mikrokosmos, und wir sind Teilchen dieses einen großen universellen Körpers Gottes. Ishvara, das Absolute (Ishvara ist auch ein Name Brahmas, des Schöpfers des Universums), unterscheidet sich von uns, von den Seelen (Jivas), dadurch, dass er den gesamten Mikrokosmos als Teil seiner selbst erkennt. Er erkennt den gesamten Mikrokosmos als Teil seiner selbst. Wir aber erkennen diesen Mikrokosmos nicht als Teil unserer selbst, wir haben Dualität. Und alles, wozu wir fähig sind, ist, nur unseren eigenen persönlichen, individuellen Mikrokosmos zu erkennen. Die Kraft unseres Bewusstseins reicht nicht aus, um den Makrokosmos in uns einzuschließen und dies zu erkennen. Und das dauert an, solange wir uns in der Dualität befinden. Wenn wir aber in den Zustand der Sichtweise eintreten, in die Sichtweise der Nichtdualität, in das meditative Bewusstsein, dann beginnt allmählich auch in uns ein Bewusstsein zu erwachen wie bei Ishvara, und wir beginnen, die Identität von Makrokosmos und Mikrokosmos zu verstehen, zum Beispiel die Einheit aller Lebewesen. Wir beginnen auf der physischen Ebene zu verstehen: In Wirklichkeit sind wir alle eins, wir sind ein einheitlicher Meta-Verstand.

Karmische Ströme und spirituelle Praxis

Im Universum existieren etwa 8 400 000 Lebensformen. Alle Seelen (Jivas) erhalten Verkörperungen in verschiedenen Formen, um Karma-phala zu erfahren — die Rückkehr ihrer karmischen Handlungen. Karma-phala sind die Früchte unseres Karmas. Zum Beispiel dachten wir in vergangenen Leben in eine bestimmte Richtung und unternahmen Anstrengungen in eine bestimmte Richtung. Wir schufen bestimmte Ströme des Denkens, diese Ströme fließen unsichtbar in unseren feinstofflichen Körpern. Vielleicht sehen wir das nicht, doch jeder von uns ist Ströme, karmische Ströme unserer Gedanken. Diese Ströme ziehen uns unausweichlich zu bestimmten Ergebnissen — Karma-phala.

Wer hat diese Ströme geschaffen? Diese Ströme habt ihr selbst früher geschaffen, durch die Kraft eurer Gedanken. Jetzt erhalten wir all das, was diese Ströme uns bringen. Unser jetziges Leben ist das Ergebnis unserer Anstrengungen, unserer vergangenen Gedanken, das Ergebnis vergangener Ströme, die wir geschaffen haben. Unser nächstes Leben wird ebenfalls von unseren gegenwärtigen Anstrengungen abhängen, von jenen Strömen, die wir jetzt erschaffen.

Wenn wir Pläne schmieden, irgendwelche Projekte erschaffen — das ist Kriya-mana-Karma. Jenes Karma, das wir durch unsere Gedanken erschaffen. Karma, das sich in der Zukunft manifestieren wird und das wir in jedem Augenblick erschaffen, wird auch Agami-Karma genannt. Karma, das sich nicht manifestieren kann, aber bereits in unseren Kanälen existiert (wie eingefroren im Kühlschrank), ist Sanchita-Karma. Und das Karma des gegenwärtigen Lebens, das den Strömen unseres Denkens entspricht, ist Prarabdha.

Wir befinden uns ständig in bestimmten karmischen Strömen. Diese karmischen Ströme haben wir früher selbst geschaffen, niemand anderes hat sie geschaffen. Somit bedeutet spirituelle Praxis, dass wir aus den karmischen Strömen heraustreten und uns in der nichtdualen Sichtweise festigen, damit diese karmischen Ströme sich aufzulösen beginnen.

Spirituelle Praxis ist nicht auf Gedanken aufgebaut, nicht auf dem Geist aufgebaut, obwohl der Geist als Instrument manchmal verwendet werden kann. Zum Beispiel beschäftigen wir uns mit der Visualisierung des Zufluchtsbaums, Dattatreyas — das ist der subtile Geist. Aber das ist ein sehr nützlicher Geist, weil wir die subtilen Mechanismen des Geistes zur Befreiung von Karma verwenden. Doch selbst wenn wir Gottheiten visualisieren, sie anrufen, Mantras rezitieren, müssen wir ihre nichtduale, leere Natur erkennen. Das heißt, die Sichtweise, das meditative Bewusstsein der Nichtdualität ist immer die tiefste Grundlage von allem, was wir auch tun.

Zum Beispiel müssen wir während des Verehrungsrituals versuchen, in der Nichtdualität zu sein. Wenn wir dann Dattatreya verehren, verweilen wir im meditativen Bewusstsein, wir verweilen in der nichtdualen Sichtweise, dann sind ich und Dattatreya eins. Ihr und Dattatreya seid eins. Es ist ein Bewusstsein. Und ein Teil eures Geistes verehrt einen anderen Teil eures Geistes, einen größeren.

Die Kunst des Handelns aus Sahaja-Samadhi

Den Weg der Göttlichkeit im Sanatana-Dharma zu gehen bedeutet, sich in der nichtdualen Sichtweise zu festigen, im meditativen Gewahrsein jenseits von Subjekt und Objekt, und zu lernen, daraus im rechten Verhalten zu handeln — Kriya. Es kommt vor, dass wir mit der Sichtweise einiges verstehen, es kommt vor, dass wir Meditation und das Aufrechterhalten der Achtsamkeit recht gut beherrschen, aber Schwierigkeiten damit haben, wie wir im Verhalten handeln sollen, wie wir mit der Manifestation des meditativen Bewusstseins leben sollen. Wir müssen auch die Kunst des Handelns aus Sahaja-Samadhi lernen.

Handeln aus Sahaja-Samadhi ist den Meistern, erleuchteten Wesen, Siddhas eigen, und dieses Handeln ist Handeln ohne Handelnden, Handeln ohne Motivation, Handeln ohne Anhaftung an die Früchte der eigenen Arbeit, Handeln überhaupt ohne den Begriff des Handelns. Ein solches Handeln ist einfach die Aktivität der Energie, die anderen als Handlung erscheint, dem Wesen selbst aber nicht als Handlung erscheint. Einen solchen Zustand nennen wir Lila oder Sahaja-Lila, das Spiel des Göttlichen, das natürliche Spiel des Göttlichen. Zur Bezeichnung einer solchen Kunst des Spiels der Energie gibt es den Begriff „Chit-Shakti-Vilasa“. Chit ist Bewusstsein, Shakti ist Energie, Vilasa ist Spiel, Tanz, so erhaben, schön und majestätisch, voller Kraft, Glückseligkeit und Energie.

Wir müssen lernen zu handeln, damit unser ganzes Leben aufhört, karmische Handlungen zu sein, die uns dennoch an Samsara, an Ursachen und Wirkungen, an Karma binden, damit unser ganzes Leben zu Chit-Shakti-Vilasa wird.

Dienst am göttlichen Willen

Wie ist das zu tun? Erstens müssen wir nicht für das Ego handeln, nicht für uns selbst, sondern all unsere Handlungen müssen zu Seva werden, zu Dienst, zu Karma-Yoga. Dienst an wem und woran? Dienst an der Durchführung des göttlichen Willens, Dienst an der Höchsten Quelle und Dienst an jenen göttlichen Kräften, die sie verkörpern. Zum Beispiel an Heiligen, göttlichen Wesen, dem Baum der Zuflucht.

Es ist sehr wichtig zu lernen, den Willen des eigenen Egos vom göttlichen Willen zu unterscheiden. Den Willen des eigenen Egos zu zähmen und abzuschneiden, den göttlichen Willen aber durchzuführen. Wir werden zur vollständigen Erleuchtung gelangen, wenn es uns vollständig gelingt, das Ego aufzugeben. Wenn wir sagen: „Herr Dattatreya und alle Heiligen! Hier sind meine Hände, hier sind meine Beine, hier ist mein Körper, bitte benutzt sie ihrem Zweck entsprechend, ich werde ein reiner und leerer Leiter des göttlichen Willens sein.“

Dienst am göttlichen Willen durch Seva und Karma-Yoga

Solange wir das nicht sagen, ist das Erreichen der Erleuchtung für uns unmöglich, weil in uns immer das Ego erhalten bleiben wird, und es wird sagen: „Aber ich habe doch auch ein Recht auf etwas, ich will doch auch etwas. Und was bleibt für mich?“ Und es wird stets eine solch subtile Politik mit Gott betreiben, es wird immer versuchen zu verhandeln.

Manchmal fürchtet das Ego die Erleuchtung, weil es weiß, dass all seinen Ambitionen und seinem Anklammern ein Ende gesetzt wird. Und es bremst bewusst. Wir wollen praktizieren, wir wollen meditieren, doch das Ego ruft irgendwelche schädlichen Geister herbei, es selbst schafft solche Varianten, es selbst schafft Hindernisse. Denn das Ego ist ein starker Geist. Und ein starker Geist versteht, dass, wenn sein Ende kommt, all seine Ambitionen sich nicht verwirklichen können.

Manchmal wird beschrieben, wie Indra Asketen, Rishis, daran hindert, Tapas zu üben, und ihnen Apsaras schickt — das sind bekannte Geschichten. Zum Beispiel begann, als der Rishi Vishvamitra meditierte, alle drei Welten zu erbeben, und Indra beschloss, Menaka zu schicken, damit sie ihn verführe. Alle Apsaras besitzen Moha-Siddhi und Prabhava-Siddhi, Sammohan-Siddhi — die Kraft der Hypnose, der Verzauberung und der Gedankenkontrolle. Die Apsara verzauberte Vishvamitra so sehr, dass er die Nacht mit ihr verbrachte und sein Tapas aufgab. Ihm schien, als hätte er eine Nacht verbracht, in Wirklichkeit aber waren dort viele Jahre vergangen. Als er davon erfuhr, war er sehr enttäuscht und schockiert.

Ein anderes Mal, als der Rishi Kashyapa Tapas übte, schickte Indra Alambusha, damit sie ihn verzaubere, damit sein Tapas den Lauf des Universums nicht verändere, damit alles an seinem Platz bleibe. Indra fürchtet stets um seine Stellung, er denkt: „Es wird irgendein Rishi erscheinen, und seine Kraft und Weisheit werden so groß sein, dass er mich von meinem Thron, von meinem Posten stürzen wird, und dann wird er der Herrscher des Universums sein.“ Und Indra hat noch einen gewissen Stolz, eine Anhaftung, es tut ihm leid, seinen Thron zu verlassen. Deshalb legt er Einsiedlern und Asketen stets Hindernisse in den Weg.

Doch was ist Indra? Man muss ihn als den Geist betrachten, man muss ihn gerade aus der Perspektive des Mikrokosmos betrachten. In Wirklichkeit werdet ihr, selbst wenn ihr großes Tapas ausführt, Indra in keiner Weise behindern, den universellen Indra, denn Indras Kraft wird sich niemals auch nur mit eurer messen lassen. Doch in diesem Fall geht es um den Mikrokosmos, und sehr viele vedische Mythen sollten im Hinblick auf den Mikrokosmos gedeutet werden.

In uns gibt es Vertretungen Indras, wie Botschaften, in jedem Menschen. In uns gibt es einen kleinen Indra, und in uns gibt es kleine Gottheiten. Das heißt die Gottheiten des Sehens, des Hörens, des Riechens, des Tastens, des Feuers und so weiter. Und dieser kleine Indra fürchtet sich tatsächlich, denn er ist unser Geist und unser Ego, das das Universum unseres Körpers kontrolliert, und er beginnt, auf dem spirituellen Weg Hindernisse zu errichten. Doch wenn wir die Haltung des Dienstes am göttlichen Willen einnehmen, verliert unser Ego die Macht über uns.

Der Übergang vom Reich des Karmas in das Reich der Lila

Die Kunst des erleuchteten Handelns ist die Kunst, aus dem Zustand des Nicht-Handelns heraus zu handeln, aus dem Zustand der Bewusstheit. Es ist die Kunst, ein Kanal des göttlichen Willens zu sein, die Kunst, überall in der nichtdualen Sichtweise zu verweilen, aus dem Gefühl des Spiels heraus zu handeln und nicht aus dem Gefühl des „Ich bin der Handelnde“. Dienst, Karma-Yoga, Seva, Dienst an allen lebenden Wesen, die Motivation der Praxis zum Wohl aller lebenden Wesen, die Motivation „Ich meditiere, um ein vollkommener Kanal des göttlichen Willens zu werden“ — das ist die richtige Motivation, um ein solches Handeln aus dem Sahaja-Samadhi zu meistern.

Göttliche Wesen handeln nicht, durch sie spielt der Göttliche Wille. Göttliche Wesen befinden sich nicht im Gesetz des Karmas, Ursachen und Wirkungen wirken nicht auf sie, sie ernten nicht die Früchte der Karma-Phala — die Früchte ihrer Handlungen. Göttliche Wesen spielen spontan, sie kümmern sich nicht einmal um Handlungen, bei ihnen entsteht nicht der Gedanke, dass ich etwas getan habe, die Verantwortung für das Getane. Bei ihnen entsteht nicht einmal ein Gedanke wie „die Früchte meiner Handlungen gehören mir“, bei ihnen entsteht nicht einmal der Gedanke: „Ich bin der Genießende, ich bin der sich Erfreuende“. Deshalb hat Karma keine Macht über sie, und sie erhalten nicht die Früchte ihrer Handlungen.

Womit aber sind göttliche Wesen beschäftigt? Sie verweilen in vollkommener nichtdualer Sichtweise, in tiefem meditativen Bewusstsein, und sie sind die reinsten Kanäle (Upaddhi), Kanäle des Göttlichen Willens. Der Göttliche Wille, die Göttliche Energie spielt einfach, sie spielt durch ihre Körper. Und sie manifestiert sich spontan zum Wohl aller lebenden Wesen. Das nennen wir Lila, Chit-Shakti-Vilasa.

Den Weg der Befreiung im Sanatana-Dharma zu gehen bedeutet, aus dem Reich des Karmas, aus dem Reich der Notwendigkeit, in das Reich der Freiheit überzugehen, in die Dimension der Lila — des Göttlichen Spiels. Im Karma, in der Dimension des Samsara der Menschen, gibt es keine Befreiung, keine Erleuchtung, auch kein Glück. Befreiung, Glück, Erleuchtung befinden sich im Zustand des Spiels (Lila).

Erleuchtung existiert (das wissen alle) offiziell nicht. Götter haben keine juristische Person, sie haben keine juristische Adresse, all das ist völlig inoffiziell, weil jene Welt, die die Menschen geschaffen haben, eine profane Dimension ist, eine Dimension der groben Elemente, fest vom Karma gebunden. Doch Erleuchtung, Siddhis, göttliche Weisheit, all das befindet sich in einer anderen, in einer sakralen, heiligen, mystischen, zauberhaften Dimension. Und spirituelle Evolution, der spirituelle Weg, bedeutet, in diese sakrale, mystische, zauberhafte Dimension überzugehen.

In dieser Dimension wirkt alles anders: dort ist Ego — Nicht-Ego, Karma — Nicht-Karma, Handlung — Nicht-Handlung. Anstelle von Karma — Lila, anstelle von Handlung — Nicht-Tun, anstelle des Egos — einfach eine schöpferische Funktion und die Erfahrung „Aham Brahmasmi“.

Die Sicht der Welt als Mandala

Wenn wir nach wahrem Glück, nach Erleuchtung und Befreiung streben, müssen wir uns ausrichten und einen solchen Übergang in diese andere Dimension vollziehen. Wir müssen aufhören zu handeln und beginnen zu spielen, wir müssen aufhören, uns mit dem Ego zu identifizieren, und lernen, in der nichtdualen Sichtweise zu verweilen. Wir müssen aufhören, an den Früchten unserer Handlungen festzuhalten und sie uns anzueignen, und sie Gott darbringen. Anstatt unserem egoistischen Willen zu dienen, müssen wir lernen, ein reinster Kanal (Deva-Vahini) zu sein, ein Kanal des Göttlichen Willens.

All das ist der Weg des Sanatana-Dharma, all das ist der Weg der Befreiung. Und dann beginnt das ganze Universum, die ganze Realität, vor uns in einer sehr erstaunlichen, schönen, heiligen, wundertätigen Vision zu erscheinen. Eine solche schöne, heilige, wundertätige Dimension wird Mandala genannt.

Die Welt als heiliges Mandala des göttlichen Spiels

Dann wird alles rein, alles wird gereinigt, und es heißt, dass die ganze Welt als reine Dimension erscheint, als Reines Land; alle Menschen erscheinen als illusorische Körper von Gottheiten; die Welt als Mandala, alle Häuser und Bauwerke erscheinen als Paläste von Gottheiten, alle Klänge als Mantras und Bhajans, alle Situationen als Lilas, alles, was mit uns geschieht, als Darshans des Göttlichen.

Wenn wir verstehen, dass es einen grundlegenden Unterschied zwischen diesen beiden Sichtweisen der Welt gibt, verstehen wir klar: Dies ist der Weg der Befreiung, dies ist der Weg des Werdens zu einer Gottheit, und das ist der Weg des Samsara, der Weg des Karmas, der Weg der Unwissenheit. Dies ist das Reich der Notwendigkeit, das Reich des Karmas, und dies — das Reich der Freiheit.

Meine Segnungen, damit wir alle diesen Weg des Göttlichen Spiels gehen, des Werdens zu göttlichen Wesen, damit Karma keine Macht über uns hat, damit wir uns in der nichtdualen Sichtweise festigen, damit wir dem Göttlichen Willen dienen und nicht unserem Ego, damit Gedanken keine Macht über uns haben, damit wir uns der Macht des Absoluten hingeben, damit diese Macht des Absoluten in uns ist als unser eigenes Sein, als innere Erfahrung „Aham Brahmasmi“.

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