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Die Sichtweise der Nichtdualität: Der Weg der Selbsttranszendenz im Laya-Yoga

07.06.2026
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Die Sichtweise der Nichtdualität: Der Weg der Selbsttranszendenz im Laya-Yoga

Sichtweise

Gäbe es keine Sichtweise, wären alle Lehren nur Hilfsmittel, oberflächliche Anweisungen zum Verhalten. 

Die absolute Sichtweise besteht darin, sich im Nichtdualen zu entspannen.

Die Sichtweise ist Nichtdualität. Im Laya-Yoga ist die Sichtweise Grundlage, Weg und Frucht. In den Begriffen des Christentums könnte man sagen, dass sie unser Gott ist. Nichtdualität, Niralambha, der Zustand ohne Stütze — das ist das Objekt der Hingabe, das endgültige Ziel der Erlangung und die Weise der Praxis, die höchste Grundlage des Seins, der universelle Geist, der alles Seiende durchdringt und über den wir meditieren.

Alle Lehren führen zur Verwirklichung der Nichtdualität; warum aber sagen wir, dass Laya-Yoga zur Kategorie der höchsten Praktiken gehört? Weil im Laya-Yoga nicht grobe Geisteszustände verwendet werden, die auf Dualität und den Konzepten des begrifflichen Geistes beruhen, sondern Kontemplation verwendet wird. Das ist ein sehr feiner Geisteszustand, jene Schicht des Geistes, die jenseits gewöhnlicher Begriffe, Logik und Konzepte liegt: Gewahrsein.

Man kann sagen, dass es im Laya-Yoga eine goldene Regel gibt: in jenem Zustand zu verweilen, in dem es keinerlei Regeln gibt. Es gibt eine Methode: sich in jenem Zustand zu befinden, der höher ist als alle Methoden. Es gibt ein Prinzip: in jenem transzendenten Gewahrsein zu verweilen, das jegliche geistigen Prinzipien übersteigt. Daher ist dies eine Lehre von absoluter Freiheit ohne irgendwelche Begrenzungen.

Natürlich bedeutet das keineswegs, dass wir alles tun können, was uns in den Sinn kommt, irgendwie praktizieren oder überhaupt nicht praktizieren können, in der Annahme, dass wir, da es weder Lehren noch Prinzipien gibt, bereits jenseits von allem seien. Solche Ansichten zu haben bedeutet zumindest Kinderei. Die Lehre setzt eine Übertragung durch den Lehrer mit detaillierten Erläuterungen und einen ziemlich strengen Lernprozess voraus.

Die Lehre liegt jenseits der Methoden, doch manchmal praktizieren wir Methoden und fühlen uns durch sie nicht eingeschränkt. Wir wissen, dass die Methoden der relativen Dimension uns tatsächlich helfen. Wir beachten verschiedene Regeln der Disziplin und Prinzipien, die aus den niedrigeren Sichtweisen des Kriya-Tantra, Charya-Tantra und Yoga-Tantra entlehnt sind, denn absolute Freiheit bedeutet, dass wir weder in Methoden noch in Prinzipien begrenzt sind, während wir in der relativen Dimension üben. Absolute Freiheit im Gewahrsein schließt auch die Freiheit ein, Methoden, Prinzipien und Regeln der Selbstbegrenzung anzunehmen, mit dem Ziel der Disziplinierung von Geist und Körper sowie der Makellosigkeit der Energie.

Wenn es jedoch gerade um unser Gewahrsein geht, sagen wir, dass es absolute Freiheit ist. Ein solcher Ansatz unterscheidet sich sehr von einem Ansatz, bei dem wir Methoden oder bestimmte Prinzipien und Theorien an sich anwenden. Wenn wir sie anwenden, zeichnet sich unsere ursprüngliche, selbstgeborene Klarheit undeutlich irgendwo vor uns ab und bleibt stets hinter der Vielfalt von Theorien und allem Übrigen verborgen. Hier aber versuchen wir sofort, sie freizulegen, damit sie wie die Sonne erstrahlt. Dank der Übertragung oder der Methode beginnt sie zu leuchten. So wie ein frischer Wind in einem Augenblick eine stickige Atmosphäre verändern kann, kann sich ebenso in einem Augenblick die stickige Atmosphäre unserer Bedingtheit verändern, wenn wir die Klarheit freilegen. Die karmische Sicht des Raumes verändert sich genau in dem Moment, in dem wir dieses Leuchten freilegen.

Aquarellillustration der selbstgeborenen Klarheit, die sich jenseits der Methoden offenbart

Die wahre Sichtweise und das Erlangen von Gewissheit

Die wahre Sichtweise ist frei vom Betrachter und vom Betrachteten. Die Sichtweise ist dazu bestimmt, die eigene innere Einfachheit zu erkennen. Wenn wir dies verstanden haben, dann ist Meditation das Verweilen in Natürlichkeit, ohne sich an irgendetwas festzuhalten. Wenn wir Gewissheit in der Sichtweise erlangt haben, mögen auch hundert Pandits sagen, dass ihr an ihr zweifeln müsst, ihr werdet gewiss sein, dass es nichts Höheres als sie gibt.

Aquarellillustration des freien Verweilens in Natürlichkeit ohne Anhaften

„Sichtweise“ würde ich besser als „Vision“ übersetzen, und der klassischere Begriff, wenn man nicht aus dem Sanskrit übersetzt, ist „Jnana“; manche übersetzen ihn als „Weisheit“.

Wenn wir eine solche Weisheit gemeistert haben, haben wir diesen „Geschmack“ der Nichtdualität erfasst, der jenseits von Subjekt und Objekt liegt. Wir erlangen wahrhaft den Zustand des echten Glaubens an das, wonach wir streben, und dann kann ein solcher Zustand nicht erschüttert werden. Selbst wenn hundert Gelehrte (Pandits) euch sagen, dass ihr euch irrt, werdet ihr ihnen antworten: „Ja, natürlich. Und wer bist du?  Das Subjekt, und ich bin das Objekt — oder umgekehrt. Das ist Dualität. Wie könnte ich so etwas anerkennen?“

Das bedeutet, dass das Objekt eures Glaubens über alle Gedankenkonstruktionen und Schriften hinausgegangen ist und zu eurer persönlichen lebendigen Erfahrung geworden ist. Vor dieser persönlichen lebendigen Erfahrung werden nicht nur irgendwelche Außenstehenden, sondern sogar die Götter erzittern, denn wenn ihr in der Nichtdualität seid, gibt es weder Subjekt noch Objekt. Die lebendige Erfahrung der Ewigkeit des ursprünglichen „Ich“ befreit uns von der Gebundenheit an alte Vorstellungen, wenn diese auf Logik oder theoretischen Konstruktionen beruhen. Nun nehmen wir die Wirklichkeit direkt und klar wahr.

Frei verweilend, durchdringend und weit geöffnet — das sind die drei Hauptmerkmale des natürlichen Zustands.

„Frei verweilend“ bedeutet, dass wir unseren Geist nicht einmal auf eine so geringe Sache wie ein Atom fixieren. Es ist ein Zustand ohne jegliche Fixierung. Dabei können wir uns auf einen Punkt konzentrieren, Anapanasati praktizieren oder andere Übungen ausführen, die zur Öffnung des Geistes führen.

Wenn wir jedoch vom absoluten Zustand sprechen, sagen wir, dass er nicht einmal auf die allerkleinste oder auf die umfassendste Sache fixiert ist.

„Frei verweilen“ bedeutet, dass ihr euch auf nichts als äußeres Objekt konzentriert. „Durchdringen“ bedeutet, sich an nichts als Inneres zu klammern. Offenheit bedeutet, sich an nichts zwischen Äußerem und Innerem festzuhalten.“

Gewöhnlich ist die Wirklichkeit für uns in Inneres und Äußeres geteilt. Das gleicht dem Wasser in einem Krug, das sich aufgrund der Begrenzungen durch die Gefäßwände für getrenntes Wasser hält. Wenn der Krug jedoch zerbricht, vereinigt sich das Wasser mit dem Ozean und entdeckt, dass es nie von ihm getrennt war.

Die Lehre des Laya-Yoga ähnelt dem Zen, doch die Zen-Lehre ist Sutra, in der die Entsagung die Hauptmethode ist und alles auf die Befreiung des Bewusstseins ausgerichtet ist. Die Lehre des Laya-Yoga ist Tantra. Tantra geht weiter, es beschränkt sich nicht auf die Befreiung des Bewusstseins, sondern arbeitet auch mit Energie, Kanälen, Winden, Verhalten und sogar mit der Manifestation des äußeren Universums in Form von feinem Licht und Klang.

Wenn wir unsere selbstgeborene Klarheit durch die direkte Einführung entblößen, beginnt sie zu leuchten. Daraufhin praktizieren wir Selbsthingabe. Im Vaishnava-Tantra gibt es den Begriff „Atma-Nivedana“, der „Hingabe des Selbst an den Atman“ bedeutet. Im kaschmirischen Tantra gibt es den Begriff „Prapatti“, der „Sich-selbst-Verwerfen“ bedeutet. Uns liegt jedoch der Begriff „Selbsttranszendenz“ näher.

„Hingabe des Selbst“ steht der Philosophie der Dualität, des Dvaita oder Vishishta-Dvaita, näher, die dem Bhakti eigen ist, wenn es ein Objekt gibt und man sich etwas hingeben soll. Dasselbe gilt für „Prapatti“, wenn man sich vor etwas verwerfen soll. Im Laya-Yoga sagen wir jedoch, dass es kein äußeres Objekt gibt, vor dem man sich verwerfen müsste; dennoch geschieht das Aufbrechen des Kokons der individuellen Wahrnehmung gerade durch ein solches Verwerfen. Hier transzendiert vielmehr unser „Ich“ sich selbst; es kehrt sich gleichsam von innen nach außen, und im Augenblick dieser Entfaltung entdeckt es, dass es nicht das kleine „Ich“, sondern das große „Ich“ ist.

Die richtige Praxis der Kontemplation und das Gefühl der Absolutheit

Wenn wir, nachdem wir den Impuls der direkten Einführung erhalten und eine gewisse Stabilität im natürlichen Zustand erreicht haben, Einspitzigkeit praktizieren, das heißt ein ununterbrochenes Versunkensein in die Quelle, dann erfüllen wir uns nach einiger Zeit, wenn wir es richtig tun, mit einem großen Gefühl von Absolutheit und Vollkommenheit. Diejenigen, die es falsch tun, versinken in eine freudlose Klarheit, wie in der Satipatthana des Theravada, wenn Gewahrsein vorhanden ist, das Bewusstsein aber noch nicht weiß, wohin es sich richten soll. Sie erleben verschiedene Erfahrungen, zum Beispiel Verwirrung, Klarheit, Glückseligkeit oder Leerheit, während das Gewahrsein in den Labyrinthen des großen Universums umherwandert, innen und außen. Manchmal erleben sie Selbstanalyse und Selbstreflexion und wissen nicht, worauf sie sich schließlich ausrichten sollen.

Wenn die Praxis der Kontemplation richtig ist, wird immer ein Gefühl der Absolutheit vorhanden sein; deshalb heißt es, dass Guru-Yoga und Hingabe sehr wichtig sind. Das Gefühl der Absolutheit bedeutet, dass ihr, wie auch immer ihr kontempliert, zu ein und derselben endgültigen Quelle gelangt, so wie viele kleine Flüsse in einen großen Fluss münden. Selbst wenn es in eurer Kontemplation Abweichungen gab, werden sie nach einiger Zeit durch eine solche Praxis der Absolutheit aufgehoben. Wenn ihr eine ununterbrochene Kontemplation der Absolutheit erreicht, beginnt diese Absolutheit zu antworten.

Zuerst habt ihr die absolute Quelle gesucht, dann habt ihr sie gefunden. Wenn ihr euren Geist ununterbrochen auf ihr haltet, gleicht dies dem Gesetz der kommunizierenden Gefäße, wenn aus einem höher gelegenen Gefäß Wasser in ein niedrigeres überfließt. Ihr habt gleichsam eine mystische Verbindung, einen Kontakt hergestellt, und dann beginnt diese große Quelle, euch ihre Energie zu senden. Wenn ihr sie empfangt, vermischt ihr euch mit dieser absoluten Energie.

Aquarellillustration der einspitzigen Versenkung in die absolute Quelle

Wenn Sie ständig an die Sonne denken, sich auf sie konzentrieren, dann werden Sie nach einiger Zeit telepathischen Kontakt mit ihr herstellen. Im Raja-Yoga wird dies in den „Yoga-Sutras des Patanjali“ „Samyama“ genannt. Sie werden beginnen, Wissen über die Sonne zu empfangen, über die Gottheiten, die sie bewohnen, über ihre Struktur, Sie werden beginnen, sie im Traum zu sehen. Und wenn Sie ein starkes Samyama haben, werden bei Ihnen viele andere ungewöhnliche Wirkungen auftreten. Manchmal können Sie sogar denken und fühlen, dass die Sonne ein Teil von Ihnen geworden ist oder dass Sie ein Teil der Sonne geworden sind. Auf dieselbe Weise, wenn Sie Ihren Geist auf das Absolute richten, fühlen Sie manchmal, dass das Absolute ein Teil von Ihnen wird und Sie ein Teil des Absoluten werden.

Der Apostel Paulus, ein christlicher Heiliger, sagte: „Jeden Tag erstehe ich auf und sterbe in Gott. Ich weiß schon nicht mehr, ob ich in Gott bin oder Gott in mir ist“.

Selbsttranszendenz und Erkennen der Quelle

Der Antwortimpuls, der unsere Praxis vollständig entfaltet, ist der Impuls aus der Natur unseres Geistes, aus dem Fundament des Seins selbst. Dann erkennt der Yogi diese Quelle als sich selbst. Sein Kokon der individuellen Wahrnehmung zerbricht, so wie ein Krug zerbricht, und dann fließt das Wasser heraus, es geschieht Selbsttranszendenz. Doch wenn der Yogi diese Quelle als sich selbst erkennt, entdeckt er, dass er immer diese Quelle gewesen ist, dass er sie niemals verloren hat. Es geht nicht einmal darum, ob er sie verloren hat oder nicht, denn in Wirklichkeit war er immer sie. Dann umfasst er aus der Höhe dieser Sicht Dutzende und sogar Hunderte seiner vergangenen Leben vor dem Erwachen und sieht, dass sie alle ein Spiel dieser Quelle waren.

Das ist so, wie wenn das Wasser in einem Krug, der auf dem Grund eines Sees lag, von sich dachte, es sei vom Wasser im See getrennt. Der Krug war nicht versiegelt, daher war das Wasser nur durch die Wände des Gefäßes abgegrenzt. Als jemand einen Stein in den See warf, zerbrach das Gefäß, die Wände waren nicht mehr da, und plötzlich entdeckte das Wasser, dass es Teil eines riesigen Sees ist, dessen Grenzen sogar schwer zu finden sind. Zuerst dachte das Wasser im Krug, es sei mit dem See verschmolzen und zu einem grenzenlosen See geworden. Nachdem es sich dann eingewöhnt hatte, dachte dieses Wasser: „Was für ein Unsinn? Ich bin nicht mit dem See verschmolzen, ich war immer dieser See! Nur irgendein kleiner Teil von mir dachte, ich sei in einem Krug gewesen. Aber das ist einfach irgendein Scherz.“ Deshalb sagen wir, dass Selbsttranszendenz geschieht. Unser kleines „Ich“ löst sich im großen „Ich“ auf, und dann entdecken wir, dass sogar das kleine „Ich“ selbst dasselbe große „Ich“ ist, nur fälschlich für ein kleines „Ich“ gehalten.

Aquarellillustration eines zerbrochenen Kruges und des Erkennens der grenzenlosen Quelle

Die Perspektive des kleinen „Ich“ und des großen „Ich“

Nehmen wir an, aus der Sicht des kleinen „Ich“ seid ihr Mönche und Novizen, die nach Befreiung streben. Ihr könnt aus verschiedenen Gründen nach Befreiung streben, doch im Wesentlichen sind sie gleich. Die Besten unter euch, die von der höchsten Idee der Vollkommenheit, des großen Geheimnisses und der Unergründlichkeit des Universums ergriffen sind, wünschen die absolute Wahrheit, das endgültige Ziel, zu erkennen. Wer bescheidenere Fähigkeiten hat, fürchtet den Tod, die Leiden im Samsara und will einfach nicht an die Illusion gebunden sein. Er möchte sich reinigen, um sich davon zu befreien, und das ist auch nicht schlecht. Aus der Sicht des individuellen „Ich“ sind Menschen, Novizen und Mönche dem kleinen Wasser im Inneren eines Kruges ähnlich. Doch aus der Sicht des großen „Ich“ (des Wassers des Sees oder Ozeans) seid ihr alle der grenzenlose Geist, der sich keinen Augenblick von sich selbst getrennt hat, der spielt, indem er sich auf diese Weise manifestiert. Er hat eine bedingte Unwissenheit, die dem individuellen Geist reales Leiden verursacht. Das heißt, wir können sagen, dass die Unwissenheit bedingt ist, aber das Leiden dennoch echt, real ist. Wenn Ihnen das Bein wehtut, leiden Sie wirklich. Wenn man Ihnen drei Tage lang kein Prasad gibt, kann niemand sagen, dass dies ein bedingter Hunger ist, es wird ganz echter Hunger sein.

Jemand kann sagen, dass sowohl Prasad als auch Hunger ebenfalls bedingte Dinge sind. Aus philosophischer Sicht kann man das sagen, doch aus der Sicht Ihres Magens hilft das nicht. Daher bringt bedingte Unwissenheit durchaus reales Leiden mit sich. Doch aus der Sicht der absoluten Idee sind sowohl bedingte Unwissenheit als auch Leiden — alles ist das Absolute.

Ihr seid derselbe universelle Geist oder Ozean, der in diesen Körpern entsprechend dem Prarabdha (angesammelten Karma) und den Verdiensten in der Rolle von Mönchen oder Novizen spielt.

Die Praxis des Nicht-Handelns

Mit anderen Worten kann man sagen: Stellt euch nichts im Außen vor, konzentriert euch nicht im Inneren, richtet eure Aufmerksamkeit nicht auf irgendeinen Zustand zwischen diesen beiden. Wenn ihr nichts dergleichen tut, ist dies die Sichtweise, das genügt. Stellt euch nichts im Außen vor, konzentriert euch nicht im Inneren, platziert euren Geist nicht im Zwischenraum, dann braucht nichts getan zu werden, ihr habt das Nicht-Handeln erreicht.

Wenn wir uns auf diese Weise entspannen und versuchen, weder außen noch innen noch im Zwischenraum zu sein, dann gibt es ein nacktes, bloßes Gewahrsein, eine gewisse Klarheit. Natürlich ist dies keine Erleuchtung und kein endgültiger Punkt. Vielmehr ist es ein Moment, in dem die Welt anhält, in dem alles erstarrt. Es ist eine Weise, aus dem sich drehenden Rad auszusteigen.

Das Rad dreht sich, und wir befinden uns auf seinem Rand. Wenn wir auf dem Rand sitzen, drehen wir uns ständig mit ihm. Unterwegs begegnen uns Äste oder Steine, und wenn sich das Rad dreht, berühren uns Äste und Steine, deshalb tut es uns weh. So sieht Samsara aus. Wenn wir jedoch beginnen, vom Umfang des Randes dieses Rades herunterzukommen und uns zum Zentrum hin zu bewegen, dann treten wir aus dem Zustand der Spiegelungen heraus und bewegen uns zum Zustand des Spiegels selbst. Deshalb kann man sagen, dass in dieser Zeit die gewöhnliche Welt anhält.

Im Zustand der Kontemplation müssen wir nichts tun, da ein solcher Zustand kein Tun voraussetzt. Jedes Tun bedeutet eine Bewegung zum Rand, wir aber müssen uns zur Nabe, zum Zentrum bewegen. Und dorthin können wir uns nur bewegen, wenn wir uns vollständig entspannen, jede Aktivität fallenlassen und unserem Gewahrsein erlauben, subtil nach innen einzudringen.

Aquarellillustration des Ausstiegs aus der Drehung des Samsara hin zum unbeweglichen spiegelnden Zentrum

Allmählich wird dieses Bewusstsein von uns bemerkt. Es ist noch sehr instabil, aber wir beginnen, es zu bemerken und anzuerkennen. Mit der Zeit müssen wir uns darin verwurzeln und daran glauben, anerkennen, dass es die Tür oder der Schlüssel zum Eintritt in die Dimension der Nichtdualität ist. Es ist noch nicht die Nichtdualität selbst, und es gilt, viele Fallen zu durchqueren, um ohne Verluste bis zum Zentrum des Rades selbst zu gelangen, doch es ist der unfehlbare Eingang in den Tunnel zu dieser Nichtdualität.

Hindernisse auf dem Weg des Nicht-Handelns

Auf dem Weg der Praxis des Nicht-Handelns werden wir viele Zweifel oder Abweichungen haben. Zum Beispiel werden wir manchmal das Nicht-Handeln mit der Praxis einer Methode verwechseln und darüber nachdenken, wie man sie miteinander verbinden kann. Nicht-Handeln setzt voraus, nichts zu tun, doch wir spüren, dass das Nicht-Handeln uns nicht besonders voranbringt, zumindest müssen wir viele Methoden ausführen. Oder wir werden verschiedene subtile Erfahrungen von Glückseligkeit, Visionen, gesteigertem Gewahrsein verwechseln. Oder wir werden uns dieses Zustands nicht sicher sein. Wenn wir ihn jedoch als absolut anerkennen und allmählich Vertrauen zu ihm gewinnen, öffnet er sich immer tiefer und breitet sich allmählich auf den äußeren Raum und auf alles aus, was wir wahrnehmen. Allmählich offenbart er sich als Guru, als Lehrer, der uns lehrt, und wir verstehen ihn tatsächlich so.

Dieser natürliche Zustand ist sehr subtil, man kann ihn nicht mit Gewalt nehmen. Wenn wir versuchen, ihn im Sturm, mit harten, gewaltsamen Methoden zu nehmen, entgleitet er schnell. Wenn wir ihn leidenschaftlich anstreben, ihn begehren, kommt er nicht. Vielmehr muss man lernen, ihn anzulocken. Das Paradoxe ist, dass er dann erscheint, wenn wir ihn nicht begehren. Wir müssen ihn erreichen, also begehren wir ihn, doch wenn wir ihn begehren, werden wir ihn nicht erhalten; deshalb müssen wir lernen zu begehren, ohne zu begehren, das heißt, sehr subtil zu begehren, nicht leidenschaftlich, sondern völlig unbekümmert um das Erreichen des Begehrten. Natürlich sorgen wir uns darum, aber auf die richtige Weise. Wir sorgen uns nicht mit dem Geist, der vorausläuft, sondern mit subtilem Bewusstsein. Das bedeutet, dass unsere Sorge in seiner wachsamen Aufrechterhaltung besteht. Wir versuchen nicht, ihn gewaltsam herzustellen — jedes unserer Tuns schreckt ihn nur ab.

Dabei verstehen wir, dass, wenn wir nichts tun, unsere Energien sich nicht reinigen und die relative Dimension sich nicht vervollkommnen wird. Vieles muss in der relativen Dimension getan werden: Yoga, Konzentration, Sitzmeditation und anderes. Wir bemühen uns eifrig, diese Dinge zu tun, wissen jedoch, dass wir dies nicht tun, um den natürlichen Zustand zu erreichen. Der natürliche Zustand erwacht nur dann, wenn es keinen Handelnden und kein Handeln gibt. Vielmehr tun wir dies als Dienst, als Darbringung, als Praxis der relativen Dimension.

Der natürliche Zustand selbst kommt in dem Moment, in dem es keinerlei Handelnden gibt. Das bedeutet, dass die Hände handeln, während der Kopf stillsteht, der Geist nirgendwohin strebt und nichts zu tun wünscht. Er wünscht nur, im Zustand des kontemplativen Nicht-Handelns zu verweilen, denn sobald wir ihn entdeckt haben, sind wir bereits am Endpunkt angekommen. Deshalb sagt man, dass man lernen muss zu handeln, ohne zu handeln. Wenn wir handeln, ohne zu handeln, kehrt der Geist in uns zum Urquell zurück.

Aquarellillustration der Praxis der Methoden als Darbringung und des Erwachens des klaren Lichts des Nicht-Handelns

Die Einheit von Samsara und Nirvana in der wahren Sichtweise

Die wahre Sichtweise zu erkennen, ist äußerst wichtig; im Moment des echten Erkennens ist die Sichtweise nur der einzige Bindu, die eine Essenz der drei Körper. In dem Augenblick, in dem wir sie erkennen, erscheint Nirvana nicht mehr als etwas, das wir erreichen müssen, und Samsara erscheint nicht mehr als etwas, das wir verlassen müssen.

Aus der Sicht des Sutra erscheint Nirvana stets als Frucht, als endgültiges Ziel, als Apfel auf dem Teller, als ersehnter Höhepunkt der Praxis. Es ist immer unerreichbar, zumindest solange wir uns nicht im Nirvikalpa-Samadhi befinden. Wenn wir uns jedoch im nackten Gewahrsein befinden, wenn wir an diesem natürlichen Punkt angekommen sind, ist Nirvana nicht etwas, wonach wir streben, weil dieser Zustand an sich bereits Nirvana ist, und Samsara ist nicht etwas, das wir zurückweisen oder fürchten, weil an diesem Punkt sowohl Samsara als auch Nirvana vereint werden. Indem er die Vision von Nirvana und Samsara vereint, besitzt der wahre Yogi eine enorme Furchtlosigkeit. Es heißt, er lebe mit der Zuversicht eines Avatars, dem die Angst vor Geburt und Tod unbekannt ist.

Aquarellillustration des nackten Gewahrseins, in dem Samsara und Nirvana sich vereinen

Dies ist nur dann möglich, wenn wir wirklich und tief in dieses große Verweilen eingetreten sind, wenn wir ein enormes Vertrauen zu ihm haben, wenn wir uns vollständig auf es gestützt haben. Man kann sagen: Wenn es irgendeinen Gott gibt, dann ist er dies, und wir müssen ihm vollständige Hingabe und vollständiges Vertrauen entgegenbringen. Wir müssen verstehen, dass der Guru genau dieser Zustand ist, das heißt, der äußere Guru ist seine Manifestation. Oder man kann sagen, dass der äußere Guru die Anugraha des Absoluten ist, die hervorgetreten ist, einen Körper geformt und sprechen gelernt hat. Das heißt, es ist euer eigener Zustand, nur mit einem Körper und sprechend.

Die Übergabe der Macht an das große „Ich“

Wenn wir dieses Vertrauen erlangen, öffnen wir das Verständnis der Unbegreiflichkeit und Transzendenz von allem, als würden wir am Rand eines Abgrunds gehen. Wenn wir große Hingabe an diese Unbegreiflichkeit und Transzendenz erlangen, vermischt sich unser kleines samsarisches „Ich“ mit dem großen „Ich“. Manchmal ist es schwer zu sagen, ob wir im kleinen „Ich“ verweilen oder im großen „Ich“, weil all dies beginnt, sich anzugleichen. Wenn wir aufmerksamer sind, sind wir im großen „Ich“, und wenn wir weniger aufmerksam sind, rutschen wir wieder auf den Weg des individuellen „Ich“ ab, und Zweifel und Verwirrung tauchen erneut in uns auf.

Die Beseitigung von Zweifeln ist keine Praxis von Methoden, kein Studium von Konzepten und kein Reinigungsritual. Die Beseitigung von Zweifeln und Verwirrung wird im Laya-Yoga auf sehr subtile Weise vollzogen: Wir kehren einfach wieder zum großen „Ich“ zurück, wir lassen uns los und erlauben dem großen „Ich“, Macht über uns zu übernehmen, wir übergeben ihm die Zügel der Herrschaft. Dann werden unsere spirituelle Kraft, Zuversicht und unser Gewahrsein wiederhergestellt.

Aquarellillustration des Verweilens im Raum der Natur des Geistes ohne Spuren von Gedanken und Emotionen

Diese Fähigkeit, die Macht rechtzeitig an das große „Ich“ zu übergeben, gleicht dem, wie man einen König in den Palast einlädt, der augenblicklich Ordnung schafft. Der König war abwesend, die Diener und Minister begannen unharmonisch zu regieren, und so entstand Chaos. Sie begriffen, dass sie sich ohne den König nicht einigen konnten, und so sehr sie auch versuchten, Ordnung zu schaffen, Soldaten zu rufen, drakonische Gesetze zu erlassen, all das ging doch falsch aus. Dann sagte jemand: „Warum tut ihr das alles? Schon das bloße Erscheinen des Königs wird sofort Frieden und Ruhe wiederherstellen.“ Sobald dieser König eingeladen wird, gehen augenblicklich alle schnurgerade, alle Gesetze werden befolgt, die Untertanen zahlen Steuern, die Soldaten dienen ihrer Sache ohne Erinnerungen.

Warum geschieht das? Weil dieser ursprüngliche Zustand absolute Macht besitzt. Er hat nicht nur Macht über unsere Kleshas, er hat sogar Macht über die Schöpfer der Universen, weil er totale Macht besitzt.

Der Moment der Übergabe der Vollmachten vom individuellen „Ich“ an das absolute „Ich“ wird „Selbsthingabe“ oder „Selbsttranszendenz“ genannt. In einfachen Worten kann man ihn Glauben nennen. Glaube bedeutet, dass ihr lernt, die Vollmachten ständig dem König zu übergeben, nicht den Dienern und Soldaten.

So fließen Samsara und Nirvana in einem einzigen Strombett und werden in einem einzigen Bindu aufgenommen. Zweifellos muss man Samsara zurückweisen und nach Nirvana streben, doch wie können wir uns tatsächlich von Samsara befreien und Nirvana erreichen?

Selbstverständlich müssen wir im relativen Sinn Samsara zurückweisen und nach Nirvana streben. Andernfalls bleiben wir, wenn das authentische Gewahrsein nicht verwirklicht ist, mit leeren Händen zurück. Oder wir können, indem wir uns hinter schönen Worten verstecken, denken, wir seien wahre Praktizierende des Gewahrseins geworden, und hätten daher keinen Anlass, nach Nirvana zu streben, keinen Anlass, Samsara zurückzuweisen. Doch dann werden wir einfach gewöhnliches Karma ansammeln.

Die Gefahr, beim vergangenen Potenzial stehenzubleiben

Eine Mataji hatte eine Erfahrung von Klarheit. Durch eifrige Meditation erlebte sie die vierte Dhyana und gelangte auf die Ebene eines Verständnisses jenseits von Konzepten. Das ist nicht schlecht, doch sie hatte Mängel im Verständnis der Unterweisungen und im Studium der Lehre. Als sie dann tief ins Unterbewusstsein eintrat, begann sich das Karma ihrer vergangenen Leben zu zeigen. Bis dahin war sie in ihrer Praxis sehr gleichmäßig vorangeschritten.

Aquarellillustration einer Mataji in der Erfahrung von Klarheit und der Manifestation des Karmas vergangener Leben

Es heißt, dass wir in der Praxis alle gleichmäßig voranschreiten, bis wir die Ebene unserer vergangenen Leben wiederhergestellt haben. Jeder von uns besitzt zu Beginn der Praxis ein bestimmtes Potenzial. Es ist wie Bonuspunkte aus vergangenen Leben. Wenn wir zum Beispiel jetzt praktizieren, bedeutet das, dass wir in vergangenen Leben ebenfalls Mönche waren und praktiziert haben; deshalb verfügen wir über ein bestimmtes Potenzial an Verdienst, über Bonuspunkte, durch die wir weitergehen können.

Jemand ist aus der Welt der Götter der Leidenschaft gekommen, daher zeigen sich bei ihm Stolz, Fähigkeiten und Intellekt; jemand ist aus der Welt der Asuras gekommen, daher zeigen sich bei ihm Wille, Tatkraft, ein freies Bewusstsein und das Stützen auf innere Voraussetzungen, dank derer er imstande war, Anhaftungen zu zerreißen. Jemand ist vielleicht sogar aus den Welten des Gottes Brahma gekommen, daher besitzt er die Eigenschaften eines Deva, befindet sich ständig in Dhyana, sein Atem ist selten, jedes seiner Worte ist ein Sutra, alles, was er zeichnet, ein Meisterwerk; aus seinen Ohren und Augen treten Mandalas, Yantras und andere göttliche Dinge hervor. Selbst wenn er wollte, könnte er nichts Hässliches tun, weil er die Eigenschaften eines Deva, einer Gottheit, besitzt. Das ist das Potenzial, die Bonuspunkte aus vergangenen Leben.

Doch wir praktizieren nur bis zu jener Ebene gut, mit großer Kraft und ohne Zweifel, bis wir dieses Potenzial wieder erreichen. Wenn wir aber die Ebene dieses Potenzials erreichen und es verwirklicht ist, haben wir die Tendenz, stehenzubleiben und uns selbst zu beglückwünschen, denn in diesem Leben fühlten wir uns mit dem vergangenen Potenzial unzufrieden, fühlten uns über all dieser Menge und Geschäftigkeit stehend. Wenn wir durch die Praxis von Samadhi oder durch Konzentration zu diesem alten angesammelten Potenzial gelangen, fühlen wir, dass wir zu Hause angekommen sind, doch in Wirklichkeit ist das noch nicht das Zuhause. Wir haben die Tendenz, stehenzubleiben und uns zu entspannen. Wir haben unseren vergangenen Status und das alte Gefühl von Freiheit wiederhergestellt, das uns zur Praxis bewegte, und es ist bereits verwirklicht; daher gibt es kein Potenzial, weiterzugehen, sondern den Wunsch, sich auf den Lorbeeren auszuruhen.

Durch ihre Praxis stellte diese Mataji ihr vergangenes Potenzial wieder her, da sie in vergangenen Leben eine Göttin war und großen inneren Stolz besaß. Sie sagte:

— Ich weiß jetzt nicht mehr, was ich tun soll. Es ist ein solcher Zustand, in dem es weder Samsara noch Nirvana gibt, man an nichts glaubt, weder an Konzepte noch an dies oder jenes.

Ein solch selbstzufrieden-seliges, lächelndes, stolz-erhabenes, aber in Unwissenheit verweilendes Sein, in derselben Schale individueller Wahrnehmung. Dann sagte sie:

— Ich möchte wohl diese und jene Probleme lösen.

Ich sagte:

— Sie sind über Konzepte hinausgegangen, glauben an nichts Äußeres und nehmen die Welt auf nichtduale Weise wahr; warum glauben Sie dann an all diese Probleme?

Sie dachte nach und antwortete:

— Ja, tatsächlich, das hatte ich nicht verstanden.

Als ich sie auf einige Punkte hinwies, die sie nicht bemerkte, sagte sie:

— Es stellt sich heraus, dass alles viel schlimmer ist, als ich dachte.

Sie hielt sich, wenn nicht für eine, die etwas erreicht hatte, so doch zumindest für jemanden, der dem sehr nahe war, weil sie ihre Ebene aus dem vergangenen Leben wiederhergestellt hatte.

Wenn unser dualistischer Geist durch Dhyana, durch meditative Erfahrung, verdrängt wird, haben wir keine Probleme mehr. Doch die Einheit von Samsara und Nirvana ist sehr viel tiefer. Hier sind grenzenlose Hingabe und Selbstverzicht notwendig, um nicht in den Labyrinthen des Kokons des individuellen „Ich“ hängen zu bleiben, nicht in innere Universen einzutauchen; andernfalls kann man dort weiterhin von Leben zu Leben umherirren.

Hier ist es angebracht, an einen wichtigen Ausspruch zu erinnern: Das Wissen um das Eine befreit alles.

Das „Wissen des Einen“ ist das Wissen um den unbegreiflichen Geist des natürlichen Zustands. Oft sagt man, dass dies ein Ort sei, an dem keinerlei Anhaftung möglich ist. Die stärkste Anhaftung ist die Anhaftung an unser individuelles „Ich“ oder an unseren Willen. Im Moment der Selbsttranszendenz befreien wir uns davon, wir lassen uns entleeren (nicht im Sinne von Energie, sondern im Sinne von Anhaftungen) und überlassen uns der Welle dessen, was uns übersteigt. Dann löst sich unser individuelles „Ich“ vollständig auf, wir hören auf zu unterscheiden: ob wir im Absoluten sind oder ob das Absolute in uns ist.

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