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Einen spirituellen Namen annehmen: Ashta-Avarana-Diksha

21.07.2026
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Ashta-Avarana-Diksha (Sanskrit aṣṭa-āvaraṇa-dīkṣā) ist die Einweihung in die acht schützenden Hüllen. Das Wort „Ashta“ bedeutet „acht“, „Avarana“ bedeutet Hülle, Schutz, Umhüllung. „Diksha“ ist eine Einweihung, die zugleich spirituelle Kraft verleiht und karmische Hindernisse beseitigt.

Sie ist eine der zentralen Initiationen auf dem spirituellen Weg unserer Tradition. Sie folgt auf die Zufluchtnahme und erschafft um den Praktizierenden eine unsichtbare, aber spürbare Schutzstruktur – ein Mandala aus acht Elementen, von denen jedes ihn auf seinem Weg unterstützt und beschützt.

Warum Schutz auf dem spirituellen Weg notwendig ist

Wenn ein Mensch eine ernsthafte spirituelle Praxis beginnt – Meditation, Mantra, Pranayama –, öffnet er allmählich die feinstofflichen Kanäle und wird sensibler. Das ist gut, denn dadurch kann er tiefere Schichten der Wirklichkeit wahrnehmen. Doch es gibt auch eine Kehrseite: Die Verletzlichkeit nimmt zu.

Alte karmische Prägungen können an die Oberfläche kommen, innere Zustände können sich verschärfen und der Einfluss negativer Energien von außen kann stärker werden. Ashta-Avarana-Diksha erschafft einen Schutzkreis – ein Raksha-Mandala –, innerhalb dessen sich der Praktizierende in Ruhe entwickeln kann.

„Indem wir heilige göttliche Kräfte anrufen, stimmen wir uns auf diese Schwingungen ein und treten mit ihnen in Resonanz. Und diese Schwingungen selbst verändern die Umgebung um uns herum. Das ist spiritueller Schutz.“

— Swami Vishnudevananda Giri, „Vedische Dämonologie und Methoden des spirituellen Schutzes“, 2010

Die acht Hüllen

Die acht Avaranas sind nicht bloß rituelle Symbole. Jede von ihnen hat eine praktische Bedeutung und verändert das tägliche Leben des Eingeweihten.

1. Guru – die lebendige Verbindung zur Tradition

Die erste und wichtigste Hülle. Der Guru ist nicht einfach ein „Lehrer“ im weltlichen Sinne, sondern ein lebendiges Glied in der Übertragungskette des Wissens, die auf Shiva selbst zurückgeht. Die Shiva Purana (7.2.37.11) sagt: „Der Guru ist Shiva, Shiva ist der Guru – sie sind eins.“

In der Praxis bedeutet dies: Wenn auf dem Weg Schwierigkeiten auftreten, kann man durch die Erinnerung an den Guru (Guru-Smarana) seine Führung anrufen. Der Guru wird zum inneren Kompass – zum Antar-Guru.

„So wie eine Kerze an einer anderen entzündet wird, so empfängt der Schüler die Übertragung und wird zum Nachfolger der Übertragungslinie.“

— Swami Vishnudevananda Giri, „Vom Profanen zum Sakralen“, 2019

2. Linga – der persönliche Altar

Der vom Guru geweihte und dem Schüler übergebene Lingam verwandelt eine gewöhnliche Wohnung in einen kleinen heiligen Ort. Die Linga Purana (1.3.1–2) erklärt: „Der Lingam ist das Höchste Brahman, der Lingam ist der höchste Tapas.“

Die tägliche Linga-Puja (Verehrung des Lingams) wird zum Mittelpunkt des spirituellen Lebens. Sie erhält die beständige Verbindung mit dem Absoluten aufrecht, selbst wenn im Inneren Trockenheit und ein Mangel an Inspiration herrschen.

3. Jangama – die Kraft der spirituellen Gemeinschaft

„Jangama“ bedeutet wörtlich „das sich Bewegende“ – damit sind die lebendigen Träger der Tradition gemeint: Mönche, erfahrene Praktizierende und Sadhus. In Basavas Lingayat-Tradition heißt es: „Jangama-Lingam ist der Körper des Heiligen, Prana-Lingam ist der Atem Shivas in allem.“

Wenn die persönliche Motivation nachlässt, gibt die Sangha Halt. Wenn Zweifel aufkommen, inspiriert das Beispiel anderer Praktizierender. Und der Dienst an der Gemeinschaft (Seva) macht aus der persönlichen Praxis etwas Größeres.

4. Padodaka – geweihtes Wasser

Wörtlich bedeutet es „Wasser von den Füßen“. Im Kontext der Diksha ist damit Charanamrita gemeint – das Wasser nach der rituellen Waschung des Lingams. Die Padma Purana sagt: „Shivas Padodaka vernichtet alle Sünden.“

Dies ist keine Magie, sondern ein Ritual, das die Absicht der inneren Reinigung festigt. Das Wasser nimmt die Schwingung des Lingams auf, und indem der Praktizierende es zu sich nimmt, verinnerlicht er den Segen.

5. Prasada – geweihte Speise

Vor dem Essen bringen Sie die Speise der Gottheit dar und nehmen sie anschließend als Prasada – als Gabe – zu sich. Die Bhagavad Gita (3.13) sagt: „Wer die Überreste des Opfers verzehrt, wird von Sünden befreit.“

Eine einfache Handlung – das Darbringen der Speise vor der Mahlzeit – verändert die Einstellung zum Essen. Es ist nicht länger bloß Brennstoff, sondern wird zu einem Teil der spirituellen Praxis.

6. Bhasma – heilige Asche

Die Asche wird auf Stirn, Arme und Brust aufgetragen. Die Bhasma Jabala Upanishad sagt: „Ein mit Asche bedeckter Mensch wird zu Rudra.“ Die Asche erinnert an die Vergänglichkeit: Alles Materielle verbrennt, nur das Ewige bleibt.

Das Tragen von Bhasma ist außerdem ein Zeichen der Zugehörigkeit zur Shaiva-Tradition, gewissermaßen die „Signatur“ des Praktizierenden.

7. Rudraksha – Shivas Perlen

„Rudraksha“ bedeutet „Auge Rudras“. Das Shrimad Devi Bhagavatam (11.8) sagt: „Die Rudrakshas, die aus Rudras Augen entstanden sind, vernichten die Sünden.“

Die vom Guru geweihte Rudraksha-Gebetskette wird zu einem ständigen Begleiter: Man trägt sie um den Hals, verwendet sie für Japa (die Wiederholung eines Mantras) und bewahrt sie am Altar auf. Rudraksha verstärkt das Mantra, indem sie wie ein Resonator wirkt. Es ist vorgeschrieben, ihr mit Ehrfurcht zu begegnen: Sie darf nicht an unreinen Orten getragen werden und muss vor dem Schlafengehen abgelegt werden.

8. Mahamantra – das große Mantra Shivas

Der Höhepunkt der Diksha. Der Guru flüstert das Mantra direkt in das Ohr des Schülers – dies ist das Karna-Mantra. Es handelt sich nicht um eine informative Übermittlung von Worten, sondern um die Übertragung einer lebendigen Klangkraft. In der Shaiva-Tradition ist dies gewöhnlich das fünfsilbige Mantra Om Namah Shivaya.

„Mantra-Diksha erteilt die Erlaubnis und verleiht die Kraft für Japa-Yoga. Ohne diese Initiation ist die Wirkung der Mantra-Wiederholung geringer. Jeder kann das Mantra Om Namah Shivaya aussprechen, doch es ist besser, es aus dem Mund des Wurzelgurus zu empfangen.“

— Swami Vishnudevananda Giri, „Die Bedeutung von Guru-Yoga und Diksha für die Mantra-Praxis“, 2018

Nach der Einweihung verpflichtet sich der Schüler, das Mantra täglich zu wiederholen — mindestens eine Mala (108 Wiederholungen). Mit der Zeit wird das Mantra zum Hintergrund des Lebens: Es erklingt im Inneren, selbst wenn man es nicht bewusst wiederholt.

Der spirituelle Name

Zusammen mit der Einweihung gibt der Guru dem Schüler einen neuen Namen. Der Guru wählt den Namen auf Grundlage seiner Einsicht in die Wesensnatur des Schülers und dessen Verbindung mit der erwählten Gottheit.

In der Sangha wird man Sie unter Ihrem spirituellen Namen kennen. Im weltlichen Leben können Sie weiterhin Ihren bisherigen Namen verwenden. Manche Praktizierende gehen mit der Zeit vollständig zu ihrem spirituellen Namen über — insbesondere beim Eintritt ins Mönchtum.

Der Stellenwert der Ashta-Avarana-Diksha auf dem Weg

Diese Diksha ist weder Anfang noch Ende. Sie fügt sich in eine klare Abfolge von Einweihungen ein:

Erste Stufe — die Annahme der Zuflucht (Prapatti-Diksha). Sie stellt die grundlegende Verbindung mit der Tradition her.

Zweite Stufe — Ashta-Avarana-Diksha. Sie schafft eine schützende Struktur und verleiht einen spirituellen Namen.

Dritte Stufe — Ashrama-Diksha. Sie bestimmt die Lebensweise: Grihastha (Laie), Brahmacharya, Karma-Sannyasa oder Vanaprastha.

Vierte Stufe — Brahma-Mantra-Diksha. Die Übertragung des höchsten befreienden Mantras.

Jede weitere Diksha vertieft die Verbindung mit dem Guru und der Parampara und bringt einen der Moksha — der Befreiung — näher.

„Indem wir eine Initiation empfangen, schaffen wir neue Prägungen auf dem spirituellen Weg — göttliche Prägungen. Und sie ermöglichen es uns, andere Möglichkeiten des Universums zu erschließen.“

— Swami Vishnudevananda Giri, „Der Sinn des Lebens als spirituelle Evolution im Advaita“, 2010

Vorbereitung und Voraussetzungen

Die Ashta-Avarana-Diksha steht jenen offen, die bereits Zuflucht genommen haben. Der Ablauf ist wie folgt:

Zuflucht nehmen — bei einem Mönch, online oder persönlich. Ohne diesen Schritt wird die Übertragung der Avaranas nicht wirksam sein.

Sich anmelden — bei der Koordinatorin der Zeremonien (Tejomayi) und die eigene Absicht mitteilen.

Dakshina vorbereiten — eine rituelle Gabe an den Guru. Sie ist keine Bezahlung, sondern Ausdruck von Dankbarkeit und der Bereitschaft, das Materielle zugunsten des Spirituellen loszulassen. Die Höhe richtet sich nach Ihren Möglichkeiten, üblicherweise in Form einer Spende an das Kloster.

Ablauf der Zeremonie

Die Zeremonie dauert ein bis zwei Stunden. Sie wird einzeln oder in einer Gruppe, persönlich im Ashram oder online durchgeführt.

Purva-Puja — vorbereitende Gottesverehrung.

Guru-Vandana — Lobpreisung des Gurus und der Übertragungslinie.

Sankalpa — formelle Erklärung der Absicht, die Diksha zu empfangen.

Übertragung der Avaranas — nacheinander und mit einer Erklärung zu jeder einzelnen.

Nama-Dana — Verleihung des spirituellen Namens.

Mantra-Upadesha — Übertragung des Mahamantras, indem es ins Ohr geflüstert wird.

Ashisha — abschließender Segen.

Während der Zeremonie machen die Menschen unterschiedliche Erfahrungen: Wellen der Hingabe, ungewöhnliche Klarheit oder Frieden. Doch entscheidend ist, dass die Wirkung der Diksha nicht auf diesen Moment begrenzt ist. Die Kraft der Einweihung wirkt über Monate und Jahre und verändert allmählich das Bewusstsein.

Nach der Diksha: Was sich im Leben verändert

Nach der Einweihung sind Sie ein Dikshita, ein Eingeweihter. Sie erhalten einen formellen Status in der Parampara und übernehmen tägliche Verpflichtungen:

Linga-Puja — tägliche Verehrung des Lingams am Morgen oder Abend.

Nitya-Japa — Wiederholung des Mahamantras, mindestens 108-mal täglich.

Tragen von Rudraksha — als ständige Erinnerung an die Verbindung mit der Tradition.

Auftragen von Bhasma — vor der Praxis oder an besonderen Tagen.

Dienst an der Gemeinschaft — Seva in einer Ihnen möglichen Form.

Diese Praktiken sind keine zusätzliche Belastung „über“ das gewöhnliche Leben hinaus. Sie werden darin integriert und verändern allmählich den gesamten Tagesablauf — vom morgendlichen Aufstehen bis zum Einschlafen.

 

Fragen zur Teilnahme an der Zeremonie können Sie an die Betreuerin Tejomayi richten.

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