Bhagavan Shri Guru Avadhuta Dattatreya - ki-jaya!
- Dharma, Artha, Kama und Moksha sind die vier Lebensziele (Purusharthas), die für den Menschen (Purusha) attraktiv und erstrebenswert sind.
- Der Weise wählt von all diesen Zielen nur Moksha, die Befreiung, und nichts anderes.
Das Nicht-Wählen von Moksha als höchstem Lebenswert und höchstem Ziel zugunsten anderer Ziele ist laut den Shrutis ein Zeichen großer Unwissenheit (Maha-moha) und führt zu Verblendung und Leid.
- Nach Vergnügen und Sicherheit streben auch Tiere; fast alle Menschen können darüber hinaus Sünden und Verdienste erkennen und einer religiösen Ethik (Dharma) folgen, aber nur wenige, die Weisesten, sind fähig, nach Moksha (vollständiger Befreiung) zu streben.
- Um Befreiung zu erlangen, muss der Suchende (Mumukshu) sich zuerst den Shastras (Schriften) zuwenden und „Kutarka“, falsche Debatten und Spekulationen, hinter sich lassen.
- Das logische Schlussfolgern im Vedanta ist notwendig, aber es muss auf den Schriften basieren, so sagt es der große Acharya Shankara, dem in Jnana niemand gleichkommt.
Ebenso sagt der große Vidyaranya in der „Vedanta Panchadasi“:
“Kutarkam santyajya mumukshuh shrutimashrayet”
„Nachdem er falsche Debatten aufgegeben hat, muss der Mumukshu Zuflucht in der Shruti suchen.“
Die Hinwendung zur Shruti ist die Ursache für Moksha. Die Abkehr von ihr ist die Ursache für Unwissenheit.
- Die Grundlagen für das Verständnis des Advaita Vedanta sind:
- Shruti (heilige Schriften);
- „Yukti“ – richtiges logisches Denken;
- „Anubhava“ – die eigene spirituelle Erfahrung, die unter der Leitung eines Gurus erlangt wurde.
- Unsere wahre Natur ist Glückseligkeit und die Seligkeit von Brahman, keineswegs Leid – so lautet die Aussage der Vedanta-Schriften. Dies lehrt der Vedanta-Guru.
- In der Taittiriya Upanishad heißt es: „Bhrigu erkannte, dass Ananda Brahman ist.“
Da laut den Shrutis Atman und Brahman identisch sind, bedeutet das Studium des Advaita Vedanta nichts anderes, als das eigene ewige, im Inneren verborgene Glück zu erkennen.
- Die Unterweisung im Vedanta richtet sich nur an jene, die reif sind und aufgrund ihrer Qualitäten geeignet („Madhyama“ oder „Uttama Adhikari“), nicht aber an jene, die töricht oder verblendet sind und ihre Sinne nicht kontrollieren können.
Ein Adhikari besitzt Glauben, ist fähig, dem Guru zuzuhören und ihn zu verstehen, und beherrscht seine Sinne.
- Die Verwirklichung des Advaita ist nicht das Erlangen neuen Wissens oder das Erschaffen von etwas Neuem; es ist lediglich das Erlangen der eigenen wahren Natur – Sat-Chit-Ananda –, die immer frei war, aber aufgrund von Unwissenheit verborgen schien.
- Zur Reinigung des Geistes (jedoch nicht zur Enthüllung der wahren Natur des „Selbst“) sind auf dem Pfad der Befreiung folgende Handlungen notwendig:
- Karma Yoga;
- Yoga;
- Seva;
- Upasana.
- Der Atman wird nur durch Untersuchung (Vichara) erkannt, nicht durch verschiedene äußere Handlungen.
- Die Hauptmethode dieser Untersuchung ist die Unterscheidung der fünf Hüllen – „Pancha-Kosha-Viveka“.
- Durch die Untersuchung dringt der Yogi in das „Tattvam“ – seine wahre Natur – ein, erlangt „Vairagya“ (Entsagung von Samsara) und erkennt die Glückseligkeit Brahmans.
- Der Pfad des Advaita Vedanta beinhaltet:
- Logisches Denken (Yukti), basierend auf den Schriften (Shruti);
- Analyse des Mahavakya „Tat Tvam Asi“;
- Meditation über das Mahavakya „Aham Brahmasmi“;
- Eintritt in Samadhi.
- Der Pfad im Advaita Vedanta, wie er von den Schriften (Shruti) und Heiligen vorgeschrieben ist, besteht aus folgenden Etappen:
- Shravana – das Hören der Unterweisungen des Lehrers über Brahman;
- Manana – das Nachdenken darüber;
- Nididhyasana – die unablässige Kontemplation über Brahman.
Andere Pfade werden im Advaita Vedanta nicht beschrieben.
- Ich bin in der Realität Sat, Chit, Ananda und identisch mit Brahman:
- Sat ist ewiges, unzerstörbares Sein;
- Chit ist Samvit, ewiges, unzerstörbares Wissen, durch nichts begrenzt;
- Ananda ist unendliches Glück und Seligkeit, unabhängig von allem Äußeren.
Jiva (das Ich, die menschliche Seele) ist Samvit. Samvit ist die ewige, sich selbst erkennende Glückseligkeit, Sat Chit Ananda.
- Der spirituelle Lehrer benutzt diese Worte, um den Schüler über sie hinaus zu führen, zu dem, was jenseits der Worte liegt und nur in der Erfahrung begriffen wird.
- Das Ziel des Advaita ist es, sich selbst zu finden, und nicht etwas Äußeres.
- Solange Dualität besteht, existiert:
- „Aham“ (Ich) und „Idam“ (Dies);
- „Vishayi“ (Subjekt) und „Vishaya“ (Sinnobjekt).
Sich von der Dualität zu befreien, ist der Pfad zu Moksha.
- Die Hoffnung, Glück von äußeren Objekten zu erhalten, ist die Wurzel der Unwissenheit.
- Ich bin bereits Ananda, Glück und Seligkeit, frei von Leid – dies ist es, was der Suchende erkennen muss.
- Alles, was in dieser Welt sichtbar und wahrnehmbar ist, existiert nicht aus sich selbst heraus; es ist ewiges, reflektiertes Chit, „Chidabhasa“, unendliches Bewusstsein, das sich in der Antahkarana widerspiegelt und die Gedanken beleuchtet.
- Der Yogi-Mumukshu muss in der Kontemplation die Eine Quelle suchen, das reine Bewusstsein – Samvit –, jenseits all dieser Spiegelungen, ohne sich von ihnen mitreißen zu lassen.
- Wissen über irgendein Ding in dieser Welt besteht aus Gedanken über dessen Eigenschaften, die dem Samvit, dem reinen Bewusstsein, überlagert sind. Wenn der Jnani die Gedanken über die Eigenschaften ablegt, erkennt er Samvit, und indem er in der Kontemplation dieses Samvit verweilt, erkennt er Brahman.
- Samvit ist das transzendente Licht des Absoluten, und es ist immer Eines, während die Eigenschaften der Dinge vielfältig sind – so wie die Formen von Krügen unterschiedlich sein können, nicht aber der Raum, der sie füllt.
- Die Objekte der Welt, die Gedanken, die sie erfassen, und die Antahkarana sind nur Upadhis, Gefäße für Samvit, das eine Bewusstsein.
- Man sollte in der Kontemplation das reine Bewusstsein von den Objekten und der Wahrnehmung trennen.
- Die Wahrnehmung fließt durch die Kanäle der Sinnesorgane zu den Objekten. Wenn sie die Objekte berührt, nimmt sie deren Form an. Diese Form wird durch „Chidabhasa“ beleuchtet – das reflektierte reine Bewusstsein (Chit), das in der Antahkarana präsent ist.
- Die Antahkarana ist, wenn ihr Chidabhasa (die Spiegelung) zugänglich ist, wie ein Spiegel. „Vedya“ sind die Objekte der Welt, die im Spiegel reflektiert werden. Sie alle sind vergänglich, da sie in einem der Zustände verschwinden:
- Wachzustand;
- Traumschlaf;
- Tiefschlaf.
- Samvit (Gewahrsein) ist wie die Sonne, die sowohl den Spiegel des Geistes als auch die Objekte der Welt beleuchtet; es ist immer da, ein und dasselbe, ewig und verschwindet nie.
- Der Weise sucht die Sonne der Bewusstheit, ohne nach den Spiegelungen der Welt zu streben.
- Im Wachzustand, im Traumschlaf und im Tiefschlaf sind Objekte und Wahrnehmung verschieden, während Samvit – das „Ich bin“-Gewahrsein – immer eins ist; daher wird es „Eka-rupa“, gleichförmig, genannt.
- Nur seine Erkenntnis führt zu wahrem Glück, nichts anderes.
- Hat der Jnani mit Hilfe des inneren Tapas dieses Gewahrsein als seine Essenz erkannt, erkennt er Brahman, erlangt ewiges Glück und sucht nicht mehr nach etwas anderem, da er unerschütterlich in Sahaja-Samadhi verweilt.
- Indem er so für Minuten, Stunden, Tage, Wochen, Monate und Jahre beständig darin verweilt, erkennt er die Glückseligkeit Brahmans, verbrennt sein gesamtes Karma und erlangt Moksha noch in diesem Leben, wodurch er zum Jivanmukta wird.
- Wenn er so über Jahrhunderte, Jahrtausende, Kalpas, Yugas und noch größere Zeitalter in der unentwegten Kontemplation Brahmans verweilt, verschmilzt er vollständig mit Brahman im manifestierten und unmanifestierten Aspekt (Saguna und Nirguna), entfaltet all seine inneren göttlichen Energien und Kräfte und wird schließlich zum Schöpfergott, Erhalter und Zerstörer, zu Ishwara, dem göttlichen Herrscher über die universelle Shakti und die gesamte Schöpfung.
Shivaprabhakara Siddha Yogi Brahmananda Avadhuta ki-jaya!
Om Shanti Shanti Shanti
Geschrieben im Oktober 2018 von Panch Dashanam Juna Akhara Mahamandaleshwar Shri Guru Swami Vishnudevananda Giri zum Wohle seiner ergebenen Schüler und aller würdigen Sucher nach Befreiung auf dem großen direkten Pfad der Tradition des Advaita Vedanta.


