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Ishvara-Yoga Pradipika: Erläuterung des Ishvara-Yoga

05.03.2026
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Ishvara-Yoga Pradipika: Erläuterung des Ishvara-Yoga

Dieser Text ist ein Kommentar des Gurus zum Yoga-Sutra von Patanjali, Kapitel 1, Shlokas 23-29

Om. Ehrerbietung an Ganesha und Saraswati.

Ehrerbietung an Dattatreya, Shiva Prabhakara Siddha-Yoga Avadhuta Brahmananda.

An Mahayogi Pilot Baba und alle Heiligen des Zufluchtsbaums.

Wer ist Ishvara

  1. Ishvara ist Brahman, gespiegelt in der Maya. Er ist die einzig höchste Quelle von allem, was existiert.
  2. Ishvara ist eins ohne ein Zweites, da Er selbst Brahman ist, der Seine Schöpferkraft erweckt hat und in ihr widergespiegelt wird.
  3. Ishvara als Zeuge ist das unendliche Bewusstsein, welches die Maya übersteigt.
  4. Prakriti (die materielle Natur des Universums) ist Maya. Maheshvara ist der Schöpfer der Maya.
  5. Ishvara ist anfangslos, da die Maya, in der Er widergespiegelt wird, anfangslos ist.
  6. Da die Maya im Grunde lichtvolle Leere ist, trübt sie Ishvara nicht, wenn Er einen Körper erschafft und sich in sie kleidet, da Ishvara ihr Substrat ist.
  7. Die sattvische Maya ist die Upadhi Ishvaras, eine Projektion, die Brahman überlagert ist.
  8. Da die Maya einzigartig und anfangslos ist, ist Ishvara einzigartig und anfangslos. Das Bewusstsein, welches die Natur Ishvaras ausmacht, ist ebenfalls anfangslos.
  9. Der höchste Ishvara ist Parameshvara, Shiva, die erste Tattva. Dies sind die sechs Qualitäten Ishvaras:
    • Kraft (Bala)
    • Ruhm (Yashas, Kirti)
    • Weisheit der Allwissenheit (Jnana)
    • Grenzenloser Reichtum (Sarshiti)
    • Schönheit (Shri)
    • Entsagung (Vairagya)
  10. Der Zustand Ishvaras, Seine Absicht zu erschaffen, ist Ishvarata.
  11. Der Zustand Ishvaras als Zeuge von allem wird Ishvara-Sakshitva genannt.
  12. Parameshvara ist einzigartig, aber da es Unterschiede in der Maya gibt (Gunas usw.), erlangt Er die Fähigkeit, Brahma, Vishnu, Shiva und Maheshvara, der Große Ishvara, zu sein.
  13. Ishvara und Ishvara-Sakshitva unterscheiden sich so, wie sich die Eigenschaften derselben Person unterscheiden, ein Koch und ein Lehrer zu sein.
  14. Parameshvara (der Höchste Ishvara) ist Brahman selbst, der die Maya hervorgebracht hat. Derselbe Brahman – Parameshvara, begrenzt durch die Maya als Upadhi, ist Ishvara der Zeuge (Sakshi).
  15. Brahma, Vishnu, Shiva, Dattatreya und andere Götter sind Seine Formen.

Eigenschaften von Ishvara

  1. Dies sind die Eigenschaften von Ishvara:
    • Ewigkeit (Nityattva)
    • Göttliche Fülle (Purnatva)
    • Göttliche Freiheit (Svatantrya)
    • Allmacht (Aishvarya)
    • Allwissenheit (Sarvajnatva)
    • Alldurchdringung und Allgegenwart (Vyapakatva)
  2. Das Bewusstsein Ishvaras, bedingt durch die Maya, in der die Sattva-Guna überwiegt, wird Vishnu, Narayana genannt.
  3. Das Bewusstsein Ishvaras, bedingt durch die Maya, in der die Guna Rajas überwiegt, wird der Schöpfer, Brahma, genannt.
  4. Das Bewusstsein Ishvaras, bedingt durch die Maya, in der die Guna Tamas überwiegt, wird der Zerstörer, Maheshvara, Rudra genannt. Dies bestätigt ein Zitat aus der Maitri-Upanishad (5.2): „Jener Teil von Ihm, der Tamas ist, ist wahrlich Rudra. Jener Teil von Ihm, der Rajas ist, ist Brahman. Jener Teil von Ihm, der Sattva ist, ist wahrlich Vishnu.“
  5. Vishnu, Maheshvara, Ganesha, Durga, Dattatreya und andere Götter sind Formen von Ishvara.
  6. In der Maya, die die Begrenzung von Parameshvara darstellt, entsteht der Wunsch nach Schöpfung, hervorgerufen durch die Kraft des Karmas der Lebewesen. Dann erscheinen verschiedene Vrittis:
    • „Jetzt ist die Zeit der Schöpfung gekommen“
    • „Jetzt soll dies bewahrt werden“
    • „Jetzt muss dies zerstört werden“
  7. Diese Vrittis haben einen Anfang und ein Ende. Und das in ihnen widergespiegelte Bewusstsein hat einen Anfang und ein Ende. Daher sagt man, dass Brahma, Vishnu und Shiva ihre Lebensspannen haben, obwohl diese sehr lang sind. Obwohl, wie in den Shastras behauptet wird, ihre Körper während des Mahapralaya aufgelöst werden, sind sie selbst unsterblich, da sie nicht mit ihren Körpern identifiziert sind, sondern mit Brahman, und das Bhava „Aham Brahmasmi“ in ihnen vorherrscht.

Das Opfer an Gott (Yagya für Ishvara) – die Bestimmung des menschlichen Lebens

  1. Das menschliche Leben, das mit dem Körper und dem Ego identifiziert ist, ist für das Mahayagya bestimmt – das Große Opfer, den Dienst an Seinem Willen, die Selbsthingabe an Ishvara, und für nichts anderes. Dies ist so, weil der Mensch und jedes Lebewesen untrennbar mit Ishvara verbunden und Teile von Ihm sind. Das bedeutet, wenn der Mensch sich Ishvara hingibt und Ihm dient, dient er nicht etwas Äußerlichem, sondern sich selbst, seinem Höheren Selbst, das unsichtbar in ihm als Atman gegenwärtig ist.
  2. Das Ishvara-Yagya ist dreifach: Es umfasst das Erlangen der Weisheit Ishvaras (Jnana-Shakti), das Entdecken Seines Willens (Iccha-Shakti) und die Hingabe an ihn, sowie das Manifestieren der Lila Ishvaras immer und überall (Kriya-Shakti).
  3. Indem sie diesem dreifachen Yagya folgt, befreit die Seele (Jiva) sich selbst von den Leiden des Samsara. Dies nennt man Selbstbefreiung (Pratimoksha). Indem sie im Geist der Selbstverleugnung handelt, übergibt sie sich der Gnade der Energie Ishvaras. Dies nennt man Selbsthingabe (Prapatti). Und schließlich erkennt sie sich als eins mit Ishvara. Dies nennt man Selbsterkenntnis (Pratyabhijna), wenn Ishvara, nachdem Er die Form der Seele angenommen hat und scheinbar für eine Weile in Unwissenheit eingetreten ist, sich mit Kanchukas, Malas, Koshas und anderen Begrenzungen umhüllt hat, sich selbst wieder erkennt.
  4. Ein solches Yagya ist die Essenz jeder Seva (Dienst), jeder spirituellen Praxis (Sadhana), jeder Askese (Tapas) und Svadhyaya (Studium der Schriften).
  5. Wenn Seva, Sadhana und Svadhyaya im Geiste der Liebe und Hingabe an Ishvara ausgeführt werden, erkennt die Seele, während sie diese drei Stadien durchläuft, das Wesen Ishvaras, taucht in Bhava- und Sahaja-Samadhi ein und erlangt Selbsterkenntnis und Befreiung.
  6. Auf diese Weise werden die Mahavakyas „Tat Tvam Asi“ und „Aham Brahmasmi“ verwirklicht.
  7. Dies sind die 7 Farben im Advaita-Ishvara-Yoga auf der Stufe des Kriya-Pada, wie sie vom heiligen Narada im „Bhakti Narada Sutra“ gegeben wurden:
    • Shravana (Hören)
    • Kirtana (Lobpreisung)
    • Smarana (Gedenken an Ishvara)
    • Vandana (Darbringen von Gebeten)
    • Pada (Verehrung der Füße der erwählten Gottheit, des Gurus, der Sadhus)
    • Dasya (Verweilen in der Einstellung eines Dieners Ishvaras)

Die vier Padas, die zu Ishvara führen

  1. Das Befolgen der Gebote, Karma-Yoga, Handeln im Geiste der Selbstverleugnung, das Darbringen aller Früchte und Ergebnisse an Gott, der Verzicht auf das Gefühl des Täters und des Tuns. Dies ist das Charya-Pada.
  2. Tägliches Shravana, Manana, dann Nididhyasana, einschließlich Upasana, Rezitieren von Mantras, Bhajans, Kirtans, kontemplatives Gedenken an Ishvara, Darbringen von Gebeten und Dienst im Geiste eines ergebenen Sohnes, der dem Höchsten wie einem Vater dient. Dies ist das vor der tückischen Maya rettende Kriya-Pada.
  3. Rituelles Anrufen der Ishta-Devata, Verwandlung in die leuchtende Form der Ishta-Devata, Kontemplation über sich selbst in der Gestalt der Ishta-Devata, Erwecken des göttlichen Stolzes und Rezitieren des Mantras mit dem Gedanken: „Mein Geist ist der Geist der Gottheit, meine Rede ist die Rede der Gottheit, meine Handlungen sind die Manifestation der Gottheit, die ganze Welt ist das Mandala meiner Gottheit.“ Dies ist das große Yoga-Pada, in dem der Sadhu dem Pfad des Ishta-Devata-Yoga folgt.
  4. Ständige natürliche Kontemplation von Brahman, Verweilen in der Natur des Geistes gemäß den drei Hauptprinzipien – Shravana, Manana, Nididhyasana, sowie Selbstbefreiung, Selbsthingabe und Selbsterkenntnis bis hin zum Eintauchen in Sahaja-Samadhi, das Bhava „Aham Brahmasmi“. Dies ist das unübertroffene, höchste Jnana-Pada, welches das Ishvara-Yoga vollendet.
  5. Arten der Befreiung:
    • Das Charya-Pada schenkt Salokya-Mukti (Befreiung im Paradies der eigenen Gottheit).
    • Das Kriya-Pada schenkt Samipya-Mukti (Befreiung durch die Nähe zur eigenen Gottheit, Aufenthalt in Ihrem Gefolge).
    • Das Yoga-Pada schenkt Sarupya- und Sarshita-Mukti (Erlangen einer leuchtenden göttlichen Form wie die der eigenen Gottheit und Erlangen unbegrenzter Energie wie die der eigenen Gottheit).
    • Das Jnana-Pada schenkt Sayujya-Mukti (Verschmelzung mit Ishvara und Brahman, ähnlich dem Verschmelzen von Butter in Butter und Milch in Milch. Mit anschließender Manifestation in Form eines neuen Brahma, Vishnu oder Shiva).
  6. Im Charya-Pada dient der Sadhu Ishvara wie ein Diener. Im Kriya-Pada erkennt er Ishvara als den Höchsten Herrn. Im Yoga-Pada erkennt der Sadhu den Atman als Ishvara nahestehend. Im Jnana-Pada erkennt der Sadhu die Einheit von Atman, Brahman und Ishvara, wird selbst zu Ishvara und bringt sich in der Gestalt von Brahma, Vishnu und Shiva hervor.

Das Wesen von Ishvara

  1. Shiva, Shakti und Nara sind die drei ewigen Essenzen. Shiva ist die reine Einheit von Prakasha, Abheda-Tattva. Prakasha ist das Licht des reinen Bewusstseins Ishvaras, das keine Unterschiede kennt (Abheda). Prakasha ist reine Einheit.
  2. Shakti ist die unbegreifliche Einheit in der Vielfalt (Achintya-Bheda-Abheda-Tattva). Vimarsha ist die vibrierende Energie Ishvaras, in der es sowohl Unterschied als auch Abwesenheit von Unterschied gibt (Bheda-Abheda). Vimarsha ist Einheit und Vielfalt. Prakasha ist Nada (Vibration des Bewusstseins). Vimarsha ist Bindu (primäre Pulsation, hervorgerufen durch den Willen Ishvaras).
  3. Nara ist die Vielfalt (Bheda-Tattva).
  4. Analogie mit dem Spiegel:
    • Shiva, Prakasha ist wie ein Spiegel
    • Shakti, Vimarsha ist das Reflexionsvermögen des Spiegels
    • Nara, die objektive Welt ist das Spiegelbild im Spiegel

Äußere Manifestationen

  1. Äußerlich erscheint Ishvara dem Sadhu in der Gestalt seines Wurzel-Gurus (Mula), seines Shiksha-Gurus, seiner erwählten Gottheit (Ishta-Devata), der Lehre (Dharma), seiner Sampradaya, der Guru-Shishya-Parampara, sowie der Sadhus und der Sangha, die zusammen die Zuflucht (Sharanam) bilden.
  2. Um seiner eigenen Befreiung willen sollte der Yogi Ishvara in all diesen Gestalten mit Glauben und Hingabe verehren und dabei Respekt und reine Sichtweise zeigen.
  3. Guru-Yoga, Ishta-Devata-Yoga, Bhakti-Yoga, Jnana-Yoga – sie alle führen letztendlich zur Erkenntnis von Ishvara und Brahman. Sie führen zur Höchsten Befreiung.

Geschrieben vom Yogi Panch-Dashanam Dhuna-Akhara Mahamandaleshwar Swami Vishnudevananda Giri, Sadhu, in der ununterbrochenen Nachfolge der Lehrer zum Wohle aller Lebewesen, die den Weg der Befreiung gehen,

Juni 2018, Trimurti-Ashram

Aufgezeichnet von Trailokyadevi Giri

Mögen alle Lebewesen den Pfad der Advaita-Vedanta betreten und durch die Erkenntnis von Ishvara und Brahman Befreiung und Erleuchtung erlangen!

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