Das Wort „Samadhi“ wird nicht selten als exotische Trance dargestellt: Ein Mensch erstarrt, die Atmung setzt aus, und es geschieht etwas, das einer Ohnmacht mit mystischem Beiklang ähnelt. Hier beginnt die Verwirrung. In den Traditionen des Sanatana Dharma ist Samadhi kein Verlust des Bewusstseins, sondern dessen äußerste Sammlung. Verschiedene Schulen beschreiben den Weg zu diesem Zustand unterschiedlich, stimmen jedoch in einem Punkt überein: Es ist Erwachen in höchstem Maße.
Etymologie und Bedeutung
Samadhi (Sanskrit समाधि, samādhi) leitet sich vom Verb sam-ā-dhā (सम्-आ-धा) ab.
Wortanalyse: sam- (सम्) — „zusammen“, „vollständig“, „vollkommen“. ā- (आ) — ein Präfix mit der Bedeutung „zu“, „hinein“, „vollständig“. √dhā (धा) — die Verbalwurzel „legen“, „platzieren“, „festsetzen“, „begründen“. Wörtlich bedeutet sam-ā-dhā: „vollständig zusammenfügen“, „zu einem Ganzen verbinden“, „in Ganzheit festsetzen“, „fest verankern“.
Daher hat das Substantiv samādhi folgende Bedeutungen: Sammlung, Verbindung, Zusammenführung, vollständige Konzentration, Gefestigtheit.
Freiheit von allen Vrittis, Freiheit vom Geist und Intellekt, Freiheit vom Zerfall, Freiheit von allen Veränderungen — das ist der Zustand des Samadhi.
Swami Vishnudevananda Giri
Vrittis (vṛtti) sind Wellen und Schwankungen des Geistes: Gedanken, Wünsche, Reaktionen. Wenn sie zur Ruhe kommen und mit ihnen auch die gewohnte Trennung zwischen Beobachter und Beobachtetem verschwindet, tritt Samadhi ein. Auf die Frage eines Schülers „Was ist Vollkommenheit?“ wurde in einer der Vorlesungen eine denkbar knappe Antwort gegeben: „Das ist Samadhi.“
Samadhi mit Trance zu verwechseln ist leicht: Äußerlich ähneln sie sich manchmal — der Körper ist regungslos, die Atmung kaum wahrnehmbar, die Reaktion auf Reize minimal. Doch in hypnotischer Trance oder im Schlaf verengt sich das Bewusstsein und verliert seine Klarheit, während es sich im Samadhi schärft. Der Praktizierende fällt nicht aus der Wirklichkeit heraus, sondern hört auf, sie als zersplittert wahrzunehmen. Die klassische Definition der Tradition ergänzt auch die physiologische Seite: Eine stabile Haltung der Wirbelsäule und das allmähliche Aussetzen der Atmung begleiten den Zustand, sind aber nicht mit ihm identisch — sie sind lediglich äußere Begleiterscheinungen einer inneren Wandlung.
Im yogischen Sinne spiegelt die Etymologie die Bedeutung des Begriffs sehr genau wider: Samadhi ist ein Zustand, in dem der Geist vollständig gesammelt, geeint und beständig auf ein Objekt oder in seiner eigenen Natur verankert ist
Savikalpa- und Nirvikalpa-Samadhi
Die Tradition des Jnana-Yoga unterteilt Samadhi, Sri Adi Shankaracharya und seinem Text „Drik-Drishya-Viveka“ folgend, in mehrere Stufen. Im Savikalpa-Samadhi (savikalpa) bleibt noch eine subtile Dualität bestehen: Es gibt denjenigen, der die Erfahrung macht, und das, was erfahren wird — selbst wenn das Objekt der formlose Gott ist. Im Nirvikalpa-Samadhi (nirvikalpa) verschwindet diese Unterscheidung vollständig: Es gibt weder einen Wahrnehmenden im gewohnten Sinne noch etwas Wahrgenommenes, sondern nur unteilbares reines Bewusstsein.
Eine aufschlussreiche Antwort ist in einer der Vorlesungen überliefert: Ein Schüler fragt, worin sich die beiden Zustände grundsätzlich unterscheiden. Die Antwort war denkbar knapp:
Nirvikalpa-Samadhi ist Nirvana, Savikalpa ist es nicht.
Die weitere Ausdifferenzierung der Tradition nennt sechs Arten: drei innere und drei äußere, jede mit ihrer eigenen Stütze — Kontemplation, heiliger Klang oder völlige Gedankenfreiheit. Ein Anfänger muss sich nicht unbedingt alle sechs merken: Wichtig ist, das Prinzip zu erfassen — je subtiler die Stütze, desto näher ist der Zustand an der vollständigen Auflösung der Dualität. Savikalpa und Nirvikalpa dauern so lange an, wie die Konzentration aufrechterhalten werden kann: Sobald der Geist wieder aktiv wird, endet die Erfahrung.
Sahaja-Samadhi — ununterbrochenes Verweilen im natürlichen Zustand
Die Tradition des Laya-Yoga verweist auf einen Zustand anderer Ordnung — Sahaja-Samadhi (sahaja-samādhi), der natürlich und ununterbrochen ist. Er hängt weder von einer sitzenden Haltung noch vom Aussetzen der Atmung ab und bleibt während gewöhnlicher Tätigkeiten bestehen: beim Sprechen, bei Bewegungen und bei alltäglichen Sorgen. Aus der Praxis gibt es ein bekanntes Beispiel: Von außen mag es so aussehen, als läge ein Mensch einfach untätig da — tatsächlich handelt es sich jedoch um eine stabile Form des Samadhi, die keiner äußeren Anzeichen von Ekstase bedarf, um authentisch zu sein.
Gerade Sahaja-Samadhi bezeichnet die Tradition als das eigentliche Ziel, während Savikalpa und Nirvikalpa als vorbereitende Stufen dazu gelten.
Samadhi im System der acht Stufen
Im weiteren Kontext des Sanatana Dharma ist Samadhi die abschließende Stufe eines ganzheitlichen Weges. Davon sprechen auch die heiligen Schriften:
Man sollte wissen, dass Yogis die Bemühungen um die yogische Verwirklichung in acht Stufen durchlaufen: Yama, Niyama, Asana, Pranayama, Pratyahara, Dharana, Dhyana und Samadhi.
„Suprabheda-Agama“
Selbstdisziplin, eine stabile Körperhaltung, Atemarbeit, das Zurückziehen der Sinne von äußeren Objekten, Konzentration und Kontemplation führen den Praktizierenden allmählich zur letzten Stufe – Samadhi, wo die Anstrengung dem natürlichen Verweilen in der wahren Natur des Bewusstseins weicht.
Praktische Bedeutung für Anfänger
Hier sollte man ehrlich sein: Samadhi tritt nicht nach einer einzigen gelungenen Meditation ein, und etwas anderes zu versprechen wäre unredlich. Traditionell gehen ihm Jahre der Kontemplation und Selbsterforschung unter Anleitung eines Lehrers voraus, der echte Erfahrung von Einbildung unterscheiden kann. Die Richtung des Weges ist dabei klar: die Entwicklung von Achtsamkeit, die Lösung der Identifikation mit dem Gedankenstrom und die regelmäßige Praxis von Dhyana. Samadhi wird nicht als Belohnung für Bemühungen verliehen – es stellt sich von selbst ein, wenn der Geist aufhört, sich an seine eigenen Regungen zu klammern.
Verwandte Begriffe
Das Thema ist eng mit Dhyana als meditativer Praxis verflochten, die zu Samadhi führt, mit Atma-Vichara – einer Methode der Selbsterforschung, die in der Tradition des Jnana-Yoga als direkter Weg zum Nirvikalpa-Samadhi gilt – sowie mit Sat-Chit-Ananda, dem Erleben von Sein, Bewusstsein und Glückseligkeit, mit dem der innere Gehalt dieses Zustands beschrieben wird.


