Sharanagati ist die bewusste Annahme spiritueller Zuflucht, der erste Schritt auf dem Weg in der Tradition des Sanatana Dharma. Zuflucht ist kein abstrakter Begriff, sondern eine lebendige Verbindung mit dem Absoluten durch konkrete Formen: den Lehrer, die Lehre, die göttlichen Kräfte und die spirituelle Gemeinschaft. Sie ist das Fundament der gesamten Sadhana – ohne Zuflucht gleicht die Praxis einem Haus, das auf Sand gebaut ist.
Die Annahme der Zuflucht verwandelt eine vage spirituelle Suche in einen bewussten und gesegneten Weg.
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Wie man Zuflucht nimmt: praktische Schritte
Die formelle Annahme der Zuflucht erfolgt durch das Ritual Sharanagati-Samskara – eine heilige Zeremonie, die Vorbereitung und Aufrichtigkeit der Absicht erfordert.

1. Kennenlernen
Studieren Sie das Glaubensbekenntnis der Tradition, das die philosophischen Grundsätze des Advaita Vedanta und ethische Verpflichtungen umfasst. Vergewissern Sie sich, dass die Lehre Ihrem inneren Ruf entspricht.
2. Kontaktaufnahme
Wenden Sie sich an einen bevollmächtigten Betreuer, um Datum und Ort des Rituals abzustimmen.
3. Vorbereitung auf die Zeremonie

Am Tag des Rituals:
- Vollziehen Sie die rituelle Waschung (Snana)
- Verzichten Sie bis zum Abschluss des Rituals auf Nahrung
- Tragen Sie saubere Kleidung (vorzugsweise weiße – ein Symbol für Reinheit und Sattva-Guna)
- Bereiten Sie eine Opfergabe für den Altar vor: frisches Obst, Süßigkeiten oder Blumen
- Bereiten Sie eine freiwillige Geldgabe als Dakshina (Spende) zum Zeichen der Dankbarkeit vor
4. Durchführung des Rituals
Unter der Leitung eines Mönchs lesen Sie vor dem heiligen Altar den Text des Glaubensbekenntnisses vor, nehmen formell Zuflucht zu den Fünf Kostbarkeiten (Pancharatna) und empfangen den Segen der Tradition. Die Dauer beträgt etwa eine Stunde.
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Verpflichtungen nach der Annahme der Zuflucht
Indem Sie Upasaka (Anhänger der Lehre) werden, übernehmen Sie spirituelle Verpflichtungen.
Pancha Mahavrata – die Fünf Großen Gelübde:
- Ahimsa – Gewaltlosigkeit in Tat, Wort und Gedanken
- Satya – Wahrhaftigkeit und Treue zur Wahrheit
- Asteya – Nichtaneignung fremden Eigentums
- Brahmacharya – Kontrolle der sexuellen Energie
Aparigraha – Verzicht auf berauschende Substanzen und Besitzlosigkeit

Pancha-Nitya-Karma – die Fünf Beständigen Pflichten:
- Upasana – tägliche Puja und Meditation
- Utsava – Feiern der heiligen Tage der Tradition
- Tirtha-Yatra – Pilgerreisen zu heiligen Stätten
- Dharma – Erfüllung der sozialen und spirituellen Pflicht
- Diksha – Empfang spiritueller Einweihungen
Mehr über die Gelübde und Pflichten eines Grihastha
Häufig gestellte Fragen
Ist die Zufluchtnahme ein „Übertritt zum Hinduismus“?
Formell gesehen ja, sie ist der Eintritt in den Sanatana Dharma. Im Wesentlichen handelt es sich jedoch nicht um einen Wechsel der Religionszugehörigkeit, sondern um eine persönliche Hinwendung zum Göttlichen im eigenen Inneren und um den Beginn eines bewussten Glaubens an das eigene göttliche Potenzial. Es ist ein spirituelles Erwachen, kein administrativer Vorgang.

Was ist, wenn ich nicht alle Gelübde vollkommen einhalten kann?
Die Zufluchtnahme legt die Richtung fest und verlangt nicht sofortige Vollkommenheit. Wichtig sind eine aufrichtige Absicht und tägliche Bemühungen. Spirituelle Entwicklung ist ein schrittweiser Prozess, vorübergehende Rückschläge sind natürlich. Entscheidend ist, mit neuer Entschlossenheit zur Praxis zurückzukehren.
Welche Rechte und Möglichkeiten erhalte ich?
Sie erhalten das Recht, vertiefende Methoden der Lehre zu studieren, Zugang zu nicht öffentlichen Lehrmaterialien, spirituelle Anleitung (Upadesha) durch Mentoren und den Guru sowie eine vollwertige Mitgliedschaft in der Sangha mit der Teilnahme an internen Zeremonien, Retreats und gemeinschaftlichen Praktiken.

Das Thema vertiefen
- Sharanagati: die Bedeutung der spirituellen Zuflucht — was Zuflucht ist, weshalb sie notwendig ist und wie sie mit dem Absoluten zusammenhängt
- Pancharatna: die fünf Kostbarkeiten der Zuflucht — Shiva, Shakti, Sadguru, Dharma, Sangha
- Das Zufluchtsmantra und die tägliche Praxis — Pancharatna-Pranama mit Mudras
- Gelübde und Verpflichtungen eines Grihastha (Laien) — Gelübde und Pflichten eines Laien


